Ärzte Zeitung, 20.11.2009

Schmerzexperte gibt Tipps zur Therapie mit Opioiden

Schmerzexperte gibt Tipps zur Therapie mit Opioiden

Bei Opioiden ist eine größere Schmerzlinderung als mit klassischen NSAR oder Coxiben nicht zwangsläufig.

DÜSSELDORF (hub.) Daran hat Professor Christoph Baerwald von der Universität Leipzig erinnert. Zumindest gebe es keine direkten Vergleichsstudien zwischen Opioiden und Mitgliedern der anderen Arzneigruppen. Bewährt hätten sich Opioide allerdings bei Knie- und Rückenschmerzen, so Baerwald beim Medica-Kongress in Düsseldorf.

Immer wichtig bei Opioiden ist die Aufdosierungsphase, um die optimale Wirkungsdosis zu finden. Dies gelte unabhängig von der Applikationsform des Opioids, also sowohl für per orale als auch transdermale Zubereitungen. Zwar seien Toleranzentwicklungen möglich, in der Regel sind nach der Aufdosierungsphase jedoch keine weiteren Dosissteigerungen nötig - auch nicht nach mehr als einem Jahr der Therapie.

Baerwald riet bei Opioiden zunächst zu einem Therapieversuch von bis zu drei Monaten. Zusätzlich zur Basismedikation sei immer auch eine Bedarfsmedikation gegen Schmerzspitzen angesagt. Unverzichtbar sind nach Ansicht des Schmerzexperten eine korrekte Dokumentation und Evaluation. "Die Patienten müssen ein Schmerztagebuch führen", sagte Baerwald.

Die Begleittherapie gegen opioidverursachte Übelkeit und Obstipation könne nach einiger Zeit gestoppt werden. Komme es als Folge eines Auslassversuches nicht zu vermehrter Übelkeit oder Obstipation, könne die Begleittherapie beendet werden.

Baerwald wies daraufhin, dass in einer Metaanalyse von 34 Studien mit 5500 Patienten jeder zweite Patient unter Opioidtherapie eine oder mehr opioidtypische unerwünschte Wirkungen hatte, etwa Übelkeit, trockener Mund oder Obstipation. Das Bemerkenswerte an dieser Beobachtung: Auch jeder dritte jener Patienten, die nur ein Placebo erhielten, hatte eine oder mehr solcher Wirkungen. Die Erwartung einer Nebenwirkung scheint diese also zu fördern.

» Zur Sonderseite "Medica 2009"
» Zum E-Paper "Medica aktuell"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Berichte, Videos und Tweets rund um den Deutschen Ärztetag

Begleiten Sie den 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg mit uns online. Die "Ärzte Zeitung" berichtet vom 23.-26.5. live und aktuell über alle wichtigen Ereignisse und Debatten. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »