Ärzte Zeitung, 15.06.2007

RISIKOBESTIMMUNG

Das Infarkt-Risiko lässt sich einfach berechnen

Sind Cholesterinwerte und Blutdruck bekannt, genügen wenige Fragen, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen

Ob eine lipidsenkende Therapie notwendig ist, hängt nicht primär vom Cholesterinwert, sondern vom kardiovaskulären Risiko ab. Dieses Risiko lässt sich einfach anhand von Tabellen ermitteln.

Generell gilt: Alle Patienten mit KHK und Diabetes haben ein hohes kardiovaskuläres Risiko. Bei ihnen erübrigt sich der Blick auf eine Tabelle, denn bei diesen Patienten liegt die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu bekommen, bei über 20 Prozent. Sie sollten daher einen LDL-Wert von weniger als 100 mg/dl haben.

In US-Leitlinien wird aufgrund von Daten großer Studien sogar die Option angeboten, den LDL-Wert auf unter 70 mg/dl zu senken. Schließlich gilt: Je tiefer der LDL-Wert, um so geringer ist das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis - zumindest bis zu einem LDL-Wert von 60 mg/dl wurde dies in Studien belegt. LDL-Werte von weniger als 100 mg/dl erreicht man jedoch meist nur mit einer konsequenten Lipidtherapie.

Zu Gruppe der Patienten mit hohem Risiko gehören auch Hypertoniker mit weiteren Risikofaktoren wie Rauchen, einem hohen Alter, männlichem Geschlecht oder frühen Herzinfarkten in der Familie - früh heißt nach Angaben der Lipid-Liga bei Männern unter 60 Jahren, bei Frauen unter 70 Jahren. Bei Patienten mit einer solchen Kombination mehrerer Risikofaktoren sollte der LDL-Wert ebenfalls unter 100 mg/dl liegen.

Wie hoch genau das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse ist, lässt sich mit verschiedenen Tabellen ermitteln. Bei der Berechnung nach PROCAM werden die Risikofaktoren Alter, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyzeridwert und systolischer Blutdruck abgefragt. Je nach Wert gibt es eine bestimmte Anzahl von Punkten.

Zudem wird gefragt, ob die Patienten rauchen, Diabetes haben oder ob es frühe Herzinfarkte in der Familie gab. Für jede Ja-Antwort gibt es ebenfalls eine bestimmte Zahl von Punkten. Mit der Gesamtpunktzahl lässt sich dann in einer Tabelle das Zehnjahresrisiko für einen Herzinfarkt ablesen. Solche Risiko-Rechner gibt es inzwischen auch im Internet, etwa bei der Uni Münster unter http://chdrisk.uni-muenster.de.

Ohne großes Rechnen kann man das Risiko nach einer Tabelle der European Society of Cardiology (ESC) ermitteln. Hierbei genügt es, Gesamtcholesterin-Wert, systolischen Blutdruck, Alter, Geschlecht und Rauchverhalten zu kennen, dann kann man das Zehnjahresrisiko für ein kardiovaskuläres Ereignis ablesen. Allerdings wird dabei nicht nach LDL- und HDL-Wert differenziert, auch Triglyzeridwerte bleiben unberücksichtigt. (mut)

Lipid-Therapie:
Konsequente Lipidtherapie schützt vor Infarkten

Blick in die Zukunft:
Neue Ansatzpunkte für bessere Cholesterinwerte

Lesen Sie dazu auch:
Cholesterin-Senkung schon vor dem ersten Infarkt - das rettet viele Leben
Aktionen zum Tag des Cholesterins
Cholesterin in Zahlen
Cholesterin im Internet
Cholesterin in Kürze
Handbuch für die Lipidtherapie

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »