Ärzte Zeitung, 15.10.2008

Kommentar

Ein Schuss ins eigene Knie

Von Bülent Erdogan

Allerorten klagen Krankenhäuser über fehlenden ärztlichen Nachwuchs. Für viel Geld schalten Kliniken unzählige Anzeigen oder werben sich gegenseitig die Ärzte ab. Mit oft bescheidenem Erfolg.

Ganz anders sieht das Engagement aus, wenn der Nachwuchs das Label "Mediziner im Praktischen Jahr" trägt. Dann kennen viele Kliniken nur ein Signal an ihre Nachwuchskräfte: Arbeiten ja, Geld nein! Diesen an vielen Kliniken absurden Zustand hat der Hartmannbund jetzt in einer Umfrage dokumentiert. Noch immer speisen danach Kliniken ihre PJler mit Essenzuschüssen von 1,50 Euro oder der Stellung von Dienstkleidung ab - und erwarten dafür auch noch Verständnis.

Doch zum Glück scheren inzwischen immer mehr Kliniken aus dieser Linie aus. Sie haben erkannt, dass es sich um die gleichen Menschen handelt, die später einmal Assistenzarzt- und wiederum später Facharztstellen besetzen sollen. Die Strategie mancher Uniklinik, Medizinstudenten daran zu hindern, ein PJ an einer Klinik zu machen, die eine Vergütung zahlt, erweist sich dabei nur als bedauerlicher Schuss ins eigene Knie. Der Gipfel der Unanständigkeit ist erreicht, wenn die Uniklinik dem von ihr ausgewählten Lehrkrankenhaus eine Vergütung sogar ausdrücklich verbietet.

Lesen Sie dazu auch:
Immer mehr Kliniken zahlen für das PJ

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »

Ein Wettbewerbsverbot ohne Entschädigung ist ungültig

Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung? Das geht nicht, urteilt das Bundesarbeitsgericht. Ist das im Arbeitsvertrag dennoch so vorgesehen, können Arbeitnehmer nachträglich aber kein Geld einklagen. mehr »