Ärzte Zeitung, 17.03.2009

Einladung per Brief: Erfolgsmodell im Saarland

Einladung per Brief: Erfolgsmodell im Saarland

Im Saarland sind seit September 2008 mehr als 15 000 Bürger ab 55 Jahren mit persönlichen Einladungen zur Teilnahme an einer Darmspiegelung aufgerufen worden.

Von Andreas Kindel

"Wir sind das einzige Land, das diesen Gesundheitsservice anbietet", erklärte der saarländische Gesundheitsminister Professor Gerhard Vigener in Saarbrücken. "Das Saarland ist bundesweit Vorreiter in der Darmkrebs-Prävention". Ziel der Briefaktion ist es, die Beteiligung an den Koloskopie-Untersuchungen von bisher bundesweit durchschnittlich drei Prozent im Saarland auf sechs bis acht Prozent zu steigern.

Das Saarland wirbt außerdem mit besonders kurzen Wartezeiten für die Darmspiegelungen. Im Schnitt dauere es nur 16 Tage. "Das sind neun Tage weniger als im Bundesdurchschnitt und es ist der beste Wert aller Bundesländer", sagte Vigener. In Nordrhein-Westfalen warteten die Patienten zum Beispiel noch über 40 Tage auf eine Darmspiegelung.

Zum sechsten Mal hat das saarländische Gesundheitsministerium außerdem seine Kampagne "Saarland gegen Darmkrebs" gestartet. In über 100 Veranstaltungen wird in Zusammenarbeit mit Ärzten für die Teilnahme an Vorsorge-Untersuchungen geworben - in Rathäusern, Arztpraxen und Krankenhäusern, aber auch in Einkaufszentren, Baumärkten und Fußgängerzonen. Schirmherr ist der saarländische Ministerpräsident Peter Müller.

Für die Aktion wurden 100 000 Flyer und 20 000 Plakate gedruckt. Auch in allen saarländischen Bussen und Bahnen sowie in Arzt-Praxen, Apotheken und Betrieben wird für die Teilnahme an der Darmkrebs-Vorsorge geworben. Beteiligt sind im Saarland insgesamt 4000 Ärzte, 26 Krankenhäuser, 600 Apotheken und 3 800 Betriebe.

Im Rahmen der Kampagne haben alle Mitarbeiter der Landesregierung die Möglichkeit, ihren Stuhl testen zu lassen. Im vergangenen Jahr hatten 3800 Mitarbeiter die Möglichkeit genutzt. Bei 55 von ihnen fiel der Test positiv aus. Zusätzlich wirbt das Landesgesundheitsministerium im Internet. Dort gibt es auch Ansprechpartner bei Selbsthilfegruppen und Informationen zu Fachärzten vor Ort.

Mehr Menschen gehen zur Vorsorge-Untersuchung

"Die gemeinsamen Anstrengungen aller Beteiligten haben sich ausgezahlt", so die Zwischenbilanz von Landesgesundheitsminister Vigener. "Die Nachfrage nach Darmspiegelungen in den saarländischen Praxen hat zugenommen". Dies gelte nicht nur für die Zeit der Kampagne, sondern für das ganze Jahr. Auch die Zahlen ließen sich sehen, sagt er: Im Saarland nutzten 16,8 Prozent der Frauen und 15,4 Prozent der Männer die Vorsorgemöglichkeiten. Bundesweit seien es jeweils rund zwei Prozentpunkte weniger. "Damit liegen wir deutlich an der Spitze", zeigt sich Vigener erfreut.

Größte Auszeichnung für die Anstrengungen des Saarlandes gegen den Darmkrebs war der Felix-Burda-Award im Jahr 2007. Vigeners Vorgänger Josef Hecken erhielt damals den Preis in der Kategorie "Public Prevention". Besonderes Lob gab es für die Zusammenarbeit zwischen Regierung, Ärzten, Apothekern, Kassen und Medien im Saarland.

Weitere Informationen im Internet: www.darmkrebskampagne.saarland.de

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