Montag, 22. Dezember 2014
Ärzte Zeitung, 10.12.2012

Vernetzung

KBV geht in die Offensive

Die Selbstverwaltung sieht die Hoheit über ihr sicheres Online-Netzwerk in Gefahr - und hat jetzt ihr eigenes Schicksal damit verknüpft.

Von Anno Fricke

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Die KBV will sich bei der Online-Vernetzung der Ärzte nicht aus der Mitte drängen lassen.

© [M] Stefan Rajewski / fotolia.com | ill

BERLIN. Die Vernetzung von Ärzten untereinander muss in den Händen der ärztlichen Selbstverwaltung liegen. Dies hat die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bei ihrer jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit beschlossen.

Die Delegierten der KVen gingen dabei sogar so weit, die Hoheit über die "Online-Vernetzung" der Ärzte mit dem Sicherstellungsauftrag zu verknüpfen. Sie solle als achter Punkt die sieben Bedingungen ergänzen, unter denen die Ärzte bereit sind, auch nach 2017 noch den Sicherstellungsauftrag zu erfüllen.

Hintergrund des Vorstoßes aus dem KBV-Vorstand sind Äußerungen eines Managers der Deutschen Telekom.

"Im westlichen Europa sind wir das einzige Land, das im Gesundheitswesen auf einen sicheren Onlineaustausch von Daten verzichtet. Dabei ist doch längst unstrittig, dass wir eine gute Onlinevernetzung mit einer einheitlichen Infrastruktur und einem hohen Sicherheitsniveau brauchen", hatte der Leiter des Geschäftsfeldes Gesundheit der Telekom, Dr. Axel Wehmeier, in einem Interview für das Branchendossier "Healthcare 2020" des Marktforschungsinstituts Lünendonk gesagt.

Diese Äußerung haben die Ärzte mit Befremden zur Kenntnis genommen. "Gerade die Telekom als zugelassener KV-SafeNet-Provider sollte eigentlich wissen, dass es bereits eine funktionierende Vernetzung gibt", wunderte sich KBV-Chef Dr. Andreas Köhler in seiner Rede vor den Delegierten.

Immer mehr Ärzte online

Das sichere Netz der KVen werde von 35.000 Ärzten und Psychotherapeuten genutzt und sei von den Landesdatenschützern empfohlen.

Köhler unterstellte Wehmeier einen Angriff auf die Souveränität der ärztlichen Selbstverwaltung. Dessen Äußerung, die Telekom wolle "der zentrale Partner für das gesamte Gesundheitswesen sein, der alle Teilnehmer zusammenbringe", mache die Ambitionen des Dax-Schwergewichts im Gesundheitswesen deutlich.

Köhler brachte stattdessen das sichere Netz der KVen als Alternative zur Netzhoheit der gematik über die Telematik-Infrastruktur im Zusammenhang mit der elektronischen Gesundheitskarte ins Spiel.

Der KBV-Vorstand erneuerte die Kritik der Ärzte und Psychotherapeuten an den Plänen der gematik zu dieser Infrastruktur, wandte sich gleichzeitig aber gegen einen Ausstieg aus der Entwicklungsgesellschaft.

Die Ärzte sollten die Entwicklung der gematik und der Gesundheitskarte aber weiter begleiten, "um Schlimmeres zu verhindern", sagte Köhler.

Wie die aktuelle API-Studie des Arbeitskreises LA-MED (Leseranalyse medizinische Fachkreise) zeigt, nutzen mittlerweile nur noch 7,5 Prozent der niedergelassenen Allgemeinmediziner, Praktiker und Internisten (API) das Internet überhaupt nicht.

Dagegen sind 56,1 Prozent der Ärzte dieser Fachgruppen täglich oder sogar mehrmals täglich online.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Ein waghalsiger Traum

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[11.12.2012, 09:40:55]
Almut Rosebrock 
Wirtschaftliche Interessen
Die wirtschaftlichen Interessen, die hinter der Aussage des Telekom-Managers stehen, sind nur zu offensichtlich. Gut, dass die Ärzteschaft bremst und sich nicht in ungute und profitorientierte Systeme drängen lässt.

Der finanzielle Druck, der von den Krankenkassen - und der "Gesundheits"-Politik - auf unsere freien Heilberufe (ich bin Apothekerin) ausgeübt wird, ist akut qualitätsgefährdend!

Nicht mehr der Patient, der Mensch, die Therapiefreiheit und die Würde des Menschen - sowohl des Patienten, leidend bzw. zur Erhaltung der Gesundheit, sowie der die Dienstleistungen erbringenden Menschen - Arzt, Apotheker, Pfleger, Therapeut, Hersteller - stehen im Zentrum, sondern allein der PROFIT einer gewissen Lobby. Das ist schon lange nicht mehr "schön".

Den (angeblichen) "Fachkräftemangel" im Medizin- und Pflegebereich halte ich für hausgemacht. Würde man wieder für menschlichere Bedingungen sorgen, den Menschen und sein Wohl wieder in den Mittelpunkt der Erwägungen stellen, würde sich manches Problem erledigen.

Auch die psychische Gesundheit der Bevölkerung würde sich, so postuliere ich - langsam verbessern, wenn Verstand und vernünftiges Abwägen - anstelle von Lobbyismus und "Geiz-ist-geil-Manier" - wieder die Gesundheits- (und auch sonstige) Politik bestimmen würden.

Kurze Verantwortungswege (der Gesundheitsfonds wirkt definitiv kontraproduktiv) zwischen Patient, Leistungserbringern und Kostenträgern erhöhten meines Erachtens die Wirtschaftlichkeit und Transparenz des Systems. Dahingehende Änderungen hielte ich für dringend angezeigt.

Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
Ein Anfang wird derzeit von Ärzteseite her gemacht -
und man kann dazu nur viel Erfolg und einen langen Atem wünschen!!! zum Beitrag »

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