Ärzte Zeitung, 30.06.2008

KOMMENTAR

Kein Indiz für Rationierung

Von Helmut Laschet

Wer in Deutschland akut krank wird, kann mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit damit rechnen, entweder am gleichen Tag oder zumindest sehr zeitnah einen Termin zu bekommen. Eine repräsentative Umfrage von tns-healthcare im Auftrag des BKK-Bundesverbandes zeigt, dass es unterschiedliche Wartezeiten für Kassen- und Privatpatienten gibt. Aber diese Unterschiede lassen sich nicht primär mit einer Bevorzugung des PKV-Klientels begründen, wie dies manche Gesundheitsideologen gern unterstellen.

Kassenpatienten mit akuten Beschwerden gehen zu 40 Prozent aufs Geratewohl zum Arzt. Nur 29 Prozent der PKV-Patienten macht dies. Diese vereinbaren überwiegend (52 Prozent) den Arzttermin. Hier allerdings zeigt sich, dass Privatversicherte deutlich schneller - durchschnittlich binnen drei Tagen - als Kassenpatienten - Wartezeit acht Tage - zum Arzt kommen.

Solche Umfragen bilden natürlich nur den Durchschnitt ab und geben nicht die Extreme wieder. Dass der Privatpatient rascher Termine bekommt, ist möglicherweise weniger im Versichertenstatus begründet als in objektiven Umständen: beispielsweise die besondere berufliche Anspannung als Selbständiger, Freiberufler und Leistungsträger, der wohlbegründet an seinen Arzt das Ansinnen stellt, punktgenaue Termine zu vereinbaren.

Dass Ärzte auch solche Bedürfnisse unter Patienten berücksichtigen, spricht für sie.

Lesen Sie dazu auch:
Kassenpatienten gehen öfter ohne Umschweife zum Arzt

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »