Ärzte Zeitung, 22.04.2014

Kommentar

Genuss richtig vorleben!

Von Marco Hübner

Wer sich am Samstag an einem Osterfeuer gewärmt hat, kam möglicherweise mal wieder nicht drum herum: Um das Schlückchen Eierlikör auf den Frühling - oder zwei, weil es so gesellig war. Der Trunk wärmt dann auch gleich von innen, wenn das Feuer gegen Abend herunterbrennt.

Und das Trinken gehört schließlich dazu, heißt es oft salopp als Begründung. Über das Jahr kommt der Deutsche so auf durchschnittlich etwa 9,5 Liter Reinalkohol.

Unter den 34 OECD-Staaten liegt Deutschland damit unter den Top fünf, was den Konsum angeht. Daran können alle fleißig mitarbeiten. Denn: Alkohol ist billig. Die günstigen Preise sind taschengeldkonform, einen Vollrausch können sich viele Jugendliche durchaus leisten.

Eine Flasche Wodka gibt es beim Discounter häufig schon für unter zehn Euro. Politiker mahnen zum verantwortungsbewussten Umgang und experimentieren mit Kampagnen. Experimente der Jugendlichen mit Alkohol lassen sich damit freilich nicht verhindern.

Wird Alkohol teurer, ließe sich jedoch mancher Vollrausch zumindest in das Erwachsenenalter aufschieben. Das Wichtigste bleibt jedoch frühe Charakterbildung der Jugendlichen. Die ist unbezahlbar aber erlernbar durch genügend Wissen und gute Vorbilder unter den Erwachsenen. Eltern können ihre Kinder bestärken, wenn sie selbst ein gesundes Genussverhalten vorleben. Das wirkt besser als teure Preise und erhobener Zeigefinger zusammen.

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[26.04.2014, 12:22:59]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Nicht nur die Jugendlichen, die Alten, die an der Flasche/Kippe hängen, sind das Problem!
Wer ist wohl als falsches Vorbild verantwortlich, wenn sich Zwölf- bis 18-Jährige ungestört ins Koma saufen? Wer wirbt praktisch unbeschränkt für ungehemmten Alkohol- und Tabakkonsum, um seine Konzerngewinne zu erhöhen? Wer bagatellisiert Alkohol- und Tabakgefahren bzw. damit verbundene gesundheitliche Probleme/Krankheitsrisiken? Wer kann sich, außer im Straßenverkehr, für jegliche Affekttat im Alkoholrausch bei Gericht exkulpieren lassen. Wer kassiert ungehemmt Alkohol- oder Tabaksteuern und gibt davon nichts für Prävention und Therapie der Krankheitsfolgen ab?

Ich kann meine alten Forderungen nur wiederholen: Der Staat muss, jährlich um 5 Prozent bzw. in 5 Jahren auf 25 Prozent gesteigert, von seinem Alkohol- und Tabaksteueraufkommen Gelder anteilig an die Gesetzlichen- und Privaten Krankenversicherungen (GKV und PKV) abführen. Denn diese beiden Kranken-Versicherungsarten kommen seit ihrem Bestehen in vollem Umfang für s ä m t l i c h e Präventions-, Untersuchungs-, Diagnostik-, Therapie- und Palliationsmaßnahmen im Zusammenhang mit Krankheitsfolgen von Alkohol- und Tabakkonsum auf. Dasselbe gilt übrigens für die Spritsteuer auf Benzin und Diesel bezogen auf die Folgen von Verkehrsunfällen und Großschadenereignissen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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