Ärzte Zeitung online, 25.09.2014

Demonstration

Psychotherapeuten sehen sich um Millionen gebracht

Mit einer Demonstration haben die Psychotherapeuten um mehr Honorar gekämpft. Der Nachholbedarf belaufe sich inzwischen auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Psychotherapeuten sehen sich um Millionen gebracht

Psychotherapeuten protestieren in Berlin.

© Stephanie Pilick

BERLIN. "Unser therapeutisches Mittel ist und bleibt das qualifizierte Gespräch mit dem Patienten. Das soll auch angemessen vergütet werden", sagte Barbara Lubisch, Bundesvorsitzenden der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) im Vorfeld des Protestzuges in Berlin.

Rund 40 Berufsverbände hatten zu dem Aktionstag aufgerufen. Etwa 1200 Psychotherapeuten, Psychiater und Psychosomatiker waren gekommen. Die zentrale Kundgebung fand vor dem Bundesgesundheitsministerium statt.

Die Psychotherapeuten ärgern sich, dass sie verglichen mit anderen Ärzten nach wie vor schlecht verdienten. Dabei haben mehrere Gerichte längst bestätigt, dass ihre Vergütung mit denen andere Fachgruppen Schritt halten müsse.

Aktuell kritisieren sie insbesondere den Bewertungsausschuss, der paritätisch von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) besetzt ist.

Dieser habe die Honorare der Psychotherapeuten zwischen 2010 und 2012 nicht überprüft. Eine Nachzahlung sei nötig und diese summiere sich, so Barbara Lubisch, auf einen "dreistelligen Millionenbetrag".

Für die Zukunft forderte sie eine gesetzliche Vorschrift, die die angemessene Vergütung und die jährliche Anpassung der Honorare festschreibe.

BMG ist gefordert

Lubisch wie auch ihr Kollege Werner Singer von der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten (VAKJP) vertrauen nicht mehr darauf, dass die Selbstverwaltung das Verteilungsproblem lösen kann oder will.

"Jetzt ist das Bundesgesundheitsministerium gefordert", sagen sie. Jürgen Doebert vom Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten drängt darauf, die "sprechenden Leistungen" über den einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) höher einzustufen.

Ein Psychotherapeut, der 36 Stunden pro Woche Krankenversicherte behandele, bekomme dafür rund 125.000 Euro an Honorar überwiesen.

Davon müssen dann allerdings noch die Praxiskosten und dergleichen abgezogen werden. reagierte der Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florian Lanz. Ein großer Teil der Psychotherapeuten sei jedoch nur in Teilzeit tätig.

Deshalb sei das tatsächlich gezahlte Durchschnittshonorar niedriger. Lanz forderte Teilzeit-Therapeuten auf, halbe Zulassungen abzugeben. Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender des Spitzenverbands ZNS (SPiZ) verwies darauf, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung jährlich unter "mindestens einer psychischen Störung" leide.

Dies werde heute früher erkannt und häufiger diagnostiziert. Die Erkrankung bedeute nicht nur viel Leid für die Betroffenen, sondern verursache auch kostenintensive Arbeitsausfälle, Krankenhausbehandlungen und Frühverrentungen. (wer)

[26.09.2014, 11:29:32]
Dipl.-Psych. Götz Braun 
Ich sehe das Problem etwas anders.....
In Berlin waren wir aufgerufen von den beiden maßgeblichen Berufsverbänden BVVP und DPTV für angemessene Honorare zu demonstrieren.
Das verstehe ich nicht. Schließlich stellt doch seit 1999 Jahr für Jahr das BSG klar, was angemessen ist. Das BSG hat quasi Gesetzeskraft. Also warum dann dafür auch noch demonstrieren?
Die Beiden Verbände (BVVP und DPTV) begnügen sich in ihrer berufspolitischen Anspruchsbildung seit 1999 doch genau damit, dass sie für Klarstellung durch das BSG sorgen. Mehr aber auch nicht.
Dass jetzt die Sache mit dem Bewertungsausschuss noch passiert ist, ändert doch an dieser Sache nicht wirklich etwas.
Gut, wenn die Manipulationen durch die KVen im Bewertungsausschuss irgendwann einmal doch korrigiert werden, dann wird es wohl Nachzahlungen geben.
Aber!!!!
Das wird sich alles INNERHALB der BSG-Norm bewegen. Ihr wisst, das ist die Sache mit der Angemessenheit. Dann kommen vielleicht 90 EUR bei raus. Und dafür sollten wir demonstrieren???? Ich war nicht dabei. Ich würde für andere Ziele auf die Straße gehen aber nicht für diese.
Ein Vergleich auf Augenhöhe mit dem Durchschnitts-KV-Arzt würde übrigens ein Honorar von 180 EUR zur Folge haben. Dafür wäre ich auf die Straße gegangen. Und übrigens: um nur auf das Einkommen eines angestellten Psychotherapeuten zu kommen müssten es schon 130 EUR sein.
Wer also hat wirklich Schuld an unserem Honorardesaster??
Es sind unsere Berufsverbände, die sich nicht trauen Ansprüche, jenseits einer BSG-Angemessenheit zu definieren. Die sich nicht trauen, mit einer klaren Forderung auf einer Demo zu beeindrucken, stattdessen schwammige Angemessenheitsforderungen, die wir doch längst haben. Schlimmer noch verbandsinterne Kritik dsbzgl. wird als Querulantentum im Keim erstickt.
Was wir wirklich brauchen sind mächtige Argumente. Warum zum Beispiel wird das haarsträubend ungerechte BSG-Urteil nicht in Karlsruhe überprüft? Warum werden keine Machbarkeitsstudien erhoben zur Frage der Alternative zur KV-Zugehörigkeit? Warum sucht man nur für diese (dämliche) Demo den Schulterschluss mit den Ärzten? Warum sucht man nicht nach Koalitionen mit den anderen benachteiligten Fachgruppen innerhalb der KV-Parlamente (alle unterhalb des KV-Durchschnitts). Und das wichtigste, warum fragt man uns nicht mehr in regionalen Podiumsdiskussionen, zu welchen Schritten wir bereit wären?
Solange wir nur darauf warten, dass irgendwelche Gremien oder Gerichte das Problem lösen, wird sich nichts aber auch gar nichts ändern.
Ich plädiere daher für einen Neuanfang auf den Vorstandsebenen in BVVP und DPTV auf Bundes- und Landesebene und anschließend einer flächendeckenden Befragung aller Kolleginnen und Kollegen in Podiumsdiskussion zur künftigen berufspolitischen Anspruchshaltung beider Verbände in Zukunft.
Im Übrigen halte ich es für dringlich geboten, beide Verbände unter einem Dach zu einen.
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[26.09.2014, 11:29:05]
Dipl.-Psych. Götz Braun 
Ich sehe das Problem etwas anders.....
In Berlin waren wir aufgerufen von den beiden maßgeblichen Berufsverbänden BVVP und DPTV für angemessene Honorare zu demonstrieren.
Das verstehe ich nicht. Schließlich stellt doch seit 1999 Jahr für Jahr das BSG klar, was angemessen ist. Das BSG hat quasi Gesetzeskraft. Also warum dann dafür auch noch demonstrieren?
Die Beiden Verbände (BVVP und DPTV) begnügen sich in ihrer berufspolitischen Anspruchsbildung seit 1999 doch genau damit, dass sie für Klarstellung durch das BSG sorgen. Mehr aber auch nicht.
Dass jetzt die Sache mit dem Bewertungsausschuss noch passiert ist, ändert doch an dieser Sache nicht wirklich etwas.
Gut, wenn die Manipulationen durch die KVen im Bewertungsausschuss irgendwann einmal doch korrigiert werden, dann wird es wohl Nachzahlungen geben.
Aber!!!!
Das wird sich alles INNERHALB der BSG-Norm bewegen. Ihr wisst, das ist die Sache mit der Angemessenheit. Dann kommen vielleicht 90 EUR bei raus. Und dafür sollten wir demonstrieren???? Ich war nicht dabei. Ich würde für andere Ziele auf die Straße gehen aber nicht für diese.
Ein Vergleich auf Augenhöhe mit dem Durchschnitts-KV-Arzt würde übrigens ein Honorar von 180 EUR zur Folge haben. Dafür wäre ich auf die Straße gegangen. Und übrigens: um nur auf das Einkommen eines angestellten Psychotherapeuten zu kommen müssten es schon 130 EUR sein.
Wer also hat wirklich Schuld an unserem Honorardesaster??
Es sind unsere Berufsverbände, die sich nicht trauen Ansprüche, jenseits einer BSG-Angemessenheit zu definieren. Die sich nicht trauen, mit einer klaren Forderung auf einer Demo zu beeindrucken, stattdessen schwammige Angemessenheitsforderungen, die wir doch längst haben. Schlimmer noch verbandsinterne Kritik dsbzgl. wird als Querulantentum im Keim erstickt.
Was wir wirklich brauchen sind mächtige Argumente. Warum zum Beispiel wird das haarsträubend ungerechte BSG-Urteil nicht in Karlsruhe überprüft? Warum werden keine Machbarkeitsstudien erhoben zur Frage der Alternative zur KV-Zugehörigkeit? Warum sucht man nur für diese (dämliche) Demo den Schulterschluss mit den Ärzten? Warum sucht man nicht nach Koalitionen mit den anderen benachteiligten Fachgruppen innerhalb der KV-Parlamente (alle unterhalb des KV-Durchschnitts). Und das wichtigste, warum fragt man uns nicht mehr in regionalen Podiumsdiskussionen, zu welchen Schritten wir bereit wären?
Solange wir nur darauf warten, dass irgendwelche Gremien oder Gerichte das Problem lösen, wird sich nichts aber auch gar nichts ändern.
Ich plädiere daher für einen Neuanfang auf den Vorstandsebenen in BVVP und DPTV auf Bundes- und Landesebene und anschließend einer flächendeckenden Befragung aller Kolleginnen und Kollegen in Podiumsdiskussion zur künftigen berufspolitischen Anspruchshaltung beider Verbände in Zukunft.
Im Übrigen halte ich es für dringlich geboten, beide Verbände unter einem Dach zu einen.
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[26.09.2014, 05:54:42]
Dr. Wilfried Rockenberger 
Und die Lügen gehen weiter
Auch hier wird behauptet die meisten Therapeuten würden nur Teilzeit arbeiten. Das ist schlicht und ergreifend eine Lüge. Soll denn das Schreiben und Erstellen von Anträgen - und jede einzelne Therapie muss erst beantragt und genehmigt werden - in diesen 36 Behandlungsstunden erfolgen? Die dafür erforderlichen 2,5 bis hin zu 4 Stunden Aufwand pro schriftlichem Antrag werden selbstverständlich nur wie eine halbe Therapiestunde vergütet, wenn der Punktwert sinkt noch niedriger. Ach ja - das Führen einer Warteliste, das Besprechen des weiteren Vorgehens am Telefon mit den vielen Verzweifelten, die keinen Therapieplatz finden, das machen wir dann auch noch so nebenbei während eines Gesprächs mit einem Patienten der sich gerade in der Behandlungsstunde befindet. Dokumentationen und Beantworten von schriftlichen Anfragen? Auch rein in die Behandlungsstunde. Auswertungen von Tests, Anrufe von Patienten in akuten Krisen, Buchhaltung etc. etc. - alles während der Behandlungsstunde. Man sollte dann aber nicht vergessen, dem Patienten der gerade in der Behandlungsstunde sitzt, auch noch so nebenbei zuzuhören. So stellt man sich anscheinend bei den Krankenkassen, dem Spitzenverband der GKV und auch weiten Teilen der KVen die therapeutische Tätigkeit vor. Wenn nicht, dann wird bewusst gelogen.
Nach den Lehrern versucht man nun mit Lügen die Psychotherapeuten als die neu ausgerufenen Faulenzer der Nation zu denunzieren und gibt paradoxerweise zu, dass selbst mit 36 Behandlungsstunden die Therapeuten schlechter verdienen. Wie es dann finanziell in der Realität aussieht, nämlich bei 40 Arbeitsstunden, in denen dann 26-28 Behandlungsstunden erfolgen, das sollten eigentlich die Redakteure der Ärztezeitung errechnen können. Von 125.000 sind wir dann weit entfernt. zum Beitrag »

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