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Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Krebs ist nach wie vor lebensbedrohend, aber Tumorerkrankungen lassen sich immer besser behandeln – und die Lebenserwartung betroffener Patientinnen und Patienten steigt. Die Versorgung müsse mit diesem Fortschritt Schritt halten, so der Tenor bei einem Roundtable im Rahmen des World Health Summit 2026 in Berlin.

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Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

Herausforderung für die Gesundheits- und Sozialsysteme in Europa: Die Gruppe der Patienten mit einer oder mehreren chronischen Erkrankungen wie etwa Krebs wächst stetig.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Ein Drittel der an Krebs erkrankten Menschen in Europa ist älter als 65 Jahre. Fünf Jahre oder mehr Überlebenszeit mit Krebs sind nicht mehr selten. Unter diesen Prämissen diskutierten Fachleute beim World Health Summit bei einem international besetzten Experten-Roundtable des global tätigen Unternehmens „BeOne Medicines“ die Zukunft der Hämatologie- und Onkologie-Versorgung in der Europäischen Union (EU).

Titel der Runde: „Cancer is Changing: Is Care Keeping Pace? When Cancer Becomes a Long-Term Condition“. Tenor der Expertinnen und Experten: Die Gesundheitssysteme in der EU müssen sich der Herausforderung stellen, dass die Gruppe der Patientinnen und Patienten mit einer oder mehreren chronischen Erkrankungen – wie etwa Krebs – kontinuierlich wächst.

An deren Versorgung sind hierzulande von den niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzten, Fachärztinnen und Fachärzten über die Spezialisten in den Krankenhäusern bis zu den therapeutischen Berufen, Physician Assistants und Community Health Nurses (CHN) nahezu alle Gesundheitsberufe beteiligt.

Internist und früherer FDP-Abgeordneter Professor Andrew Ullmann (l.) und BeOne-CEO Stefan Barbour.

Internist und früherer FDP-Abgeordneter Professor Andrew Ullmann (l.) und BeOne-CEO Stefan Barbour.

© Andrea Bonetti

Aber: Die Unterschiede in der Versorgung werden immer krasser, nimmt man den ganzen Globus in den Blick. Stefan Barbour, CEO bei „BeOne Medicines“ sieht Deutschland in der Krebsmedizin gut aufgestellt. Weltweit gebe es aber große Unterschiede. Selbst wenn man Medikamente umsonst abgäbe, würden sie in bestimmten Weltgegenden nicht genutzt, zum Beispiel in Afrika, sagte Barbour.

Hierzulande sei die Entwicklung sichtbarer: „Zwei von drei Krebspatientinnen und Krebspatienten leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose. Unsere Versorgung muss mit diesem Fortschritt Schritt halten. Sie muss sich am Menschen orientieren und nicht an Strukturen, und sie muss Lebensqualität genauso messen wie Überleben“, betonte Barbour.

Deutschland als „HTA-Hub der Welt“

Eine wichtige Rolle dabei spielen die Zulassungsverfahren in den Mitgliedsländern wie auch die EU-Verordnung zum Health Technology Assessment (HTA) auf der überstaatlichen Ebene, das Mitte dieses Jahres gestartet ist. Europa wandele sich von der einstigen „Apotheke der Welt“ zum „HTA-Hub der Welt“, merkte dazu treffend Professor Jörg Ruof von der Medizinischen Hochschule Hannover an.

Das HTA wird kontrovers diskutiert. Erst im September hatten die CEOs großer europäischer Pharmaunternehmen in einem offenen Brief davor gewarnt, dass der Eindruck entstehen könne, Europa schätze nicht länger, was woanders geleistet werde. Die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents stehe auf dem Spiel.

Ben Franklin vom International Longevity Centre.

Ben Franklin vom International Longevity Centre.

© Andrea Bonetti

Gute Medizin dürfe nicht auf Kosten der Innovation gehen, warnte Experte Ruof. Das HTA müsse abspecken, und Patientinnen und Patienten in Not müssten einen raschen Zugang zu den für sie vorteilhaften innovativen Therapien erhalten. Die Bewertung von Innovationen gehe den politischen, klinischen und ökonomischen Zulassungsentscheidungen voraus.

Dies dürfe in Zeiten, in denen die Gesundheitswirtschaft im Wettbewerb mit anderen Sektoren stehe, auch mit der Rüstungsindustrie, nicht vergessen werden. Rationale Wert- und Preisentscheidungen, die den Kern der EU-HTA bilden, seien in einem Umfeld globaler, disruptiver und intransparenter Preisgestaltungspolitiken – wie zum Beispiel Meistbegünstigungsklauseln – gefährdet, sagte Ruof.

„Die Aufgabe Europas ist, die EU HTA in eine Erfolgsstory zu verkehren“, so Ruof. Die EU sei gut beraten, die bevorstehende Phase der Harmonisierung der Arzneimittelbewertung zu nutzen und zügig die Anforderungen an die Daten zur Nutzenbewertung zu definieren. Die Mitgliedsstaaten wiederum sollten nach der EU-Zulassung den Marktzugang von Medikamenten mit zusätzlichem klinischen Nutzen rasch sichern.

BeOne-Chef Stefan Barbour und Penilla Gunther von der EU Cancer Mission.

BeOne-Chef Stefan Barbour und Penilla Gunther von der EU Cancer Mission.

© Andrea Bonetti

Die an sich guten Nachrichten, die beim Experten-Roundtable beim World Health Summit verbreitet wurden, bedeuten gleichzeitig eine massive Herausforderung für die politischen Systeme Europas. „Wir werden Zeugen eines Paradigmenwechsels“, sagte der ehemalige gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag und Internist, Professor Andrew Ullmann, auf dem Panel.

Die Medizin ändere sich, und die Gesundheitssysteme müssten darauf reagieren. Von weltpolitischer Bedeutung sei, wie die nächste Generation von innovativen Krebstherapien finanziert werden könne.

Die Vertreterin der EU Cancer Mission, Penilla Gunther, verwies auf den Konflikt, der sich aus der unterschiedlichen Wahrnehmung von Patientinnen und Patienten und der Vertreter der Gesundheitssysteme ergebe. Patientinnen und Patienten erwarteten überall die bestmögliche Versorgung.

HTA-Experte Professor Jörg Ruof (l.) von der Medizinischen Hochschule Hannover.

HTA-Experte Professor Jörg Ruof (l.) von der Medizinischen Hochschule Hannover.

© Andrea Bonetti

Realität sei inzwischen: „Zwei von drei Krebspatientinnen und Krebspatienten leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“, so Gunther. Daher gelte: „Unsere Versorgung muss mit diesem Fortschritt Schritt halten. Sie muss sich am Menschen orientieren und nicht an Strukturen, und sie muss Lebensqualität genauso messen wie Überleben.“

Die EU-Krebsmission ist eine Initiative der EU im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizon Europe“. Ziel der Initiative ist es, bis 2030 das Leben von mehr als drei Millionen Menschen zu verbessern – durch bessere Prävention, Heilung sowie eine höhere Lebensdauer und Lebensqualität für von Krebserkrankungen betroffene Menschen und deren Familien.

Ein Perspektivenwechsel ist überfällig

Die Gesundheitssysteme in der EU seien indes nicht gleichermaßen gut für diese Herausforderung ausgestattet, warnte Gunther. Gleichwohl bedürfe es einer „total neuen Sicht auf die Gesundheitsversorgung.“

Zu einem Perspektivenwechsel rief auch Ben Franklin vom International Longevity Centre auf, einem weltweiten Netzwerk unabhängiger Forschungs- und Beratungseinrichtungen, die sich mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen des demografischen Wandels beschäftigen.

Staaten, so Franklin, sollten daher nicht länger von Gesundheitsausgaben als reinem Kostenfaktor sprechen, sondern diese als Investment begreifen. Die Finanzierung von Gesundheitsversorgung sei ein starker Treiber für die Nachhaltigkeit von Versorgung.

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