Cancer is Changing
Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“
Krebs ist nach wie vor lebensbedrohend, aber Tumorerkrankungen lassen sich immer besser behandeln – und die Lebenserwartung betroffener Patientinnen und Patienten steigt. Die Versorgung müsse mit diesem Fortschritt Schritt halten, so der Tenor bei einem Roundtable im Rahmen des World Health Summit 2026 in Berlin.
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Herausforderung für die Gesundheits- und Sozialsysteme in Europa: Die Gruppe der Patienten mit einer oder mehreren chronischen Erkrankungen wie etwa Krebs wächst stetig.
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Rund eine von 20 Personen in Europa lebt mit oder nach einer Krebsdiagnose. Fünf Jahre oder mehr Überlebenszeit mit Krebs sind nicht mehr selten. Unter diesen Prämissen diskutierten Fachleute beim World Health Summit bei einem international besetzten Experten-Roundtable des global tätigen Unternehmens „BeOne Medicines“ die Zukunft der Hämatologie- und Onkologie-Versorgung in der Europäischen Union (EU).
Titel der Runde: „Cancer is Changing: Is Care Keeping Pace? When Cancer Becomes a Long-Term Condition“. Tenor der Expertinnen und Experten: Die Gesundheitssysteme in der EU müssen sich der Herausforderung stellen, dass dank wissenschaftlicher und medizinischer Fortschritte Krebs bei einigen Krebsarten und für einen Teil der Betroffenen zunehmend einen chronischen Verlauf nehmen, der eine kontinuierliche Behandlung und Begleitung erfordert.

Internist und früherer FDP-Abgeordneter Professor Andrew Ullmann (l.) neben Stefan Barbour, Geschäftsführer von „BeOne Medicines Deutschland“.
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„Zwei von drei Krebspatientinnen und -patienten leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose. Unsere Versorgung muss mit diesem Fortschritt Schritt halten. Sie muss sich am Menschen orientieren und nicht an Strukturen, und sie muss Lebensqualität genauso messen wie Überleben“, betonte Stefan Barbour, Geschäftsführer bei „BeOne Medicines Deutschland“.
Eine wichtige Rolle dabei spielen die Zulassungsverfahren in den Mitgliedsländern wie auch die EU-Verordnung zum Health Technology Assessment (HTA) auf der überstaatlichen Ebene. Europa wandele sich von der einstigen „Apotheke der Welt“ zum „HTA-Hub der Welt“, merkte dazu treffend Professor Jörg Ruof von der Medizinischen Hochschule Hannover an. Das HTA müsse abspecken, und Patientinnen und Patienten müssten einen raschen Zugang zu den für sie vorteilhaften innovativen Therapien erhalten. „Die Aufgabe Europas ist, die EU HTA in eine Erfolgsstory zu verkehren“, so Ruof.

HTA-Experte Professor Jörg Ruof (l.) von der Medizinischen Hochschule Hannover.
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Die an sich guten Nachrichten, die beim Experten-Roundtable beim World Health Summit verbreitet wurden, bedeuten gleichzeitig eine massive Herausforderung für die politischen Systeme Europas.
Der ehemalige gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag und Internist, Professor Andrew Ullmann verglich die Entwicklung in der Krebsmedizin mit den Fortschritten bei HIV: Auch Krebs werde für einen Teil der Patientinnen und Patienten zunehmend zu einer langfristig behandelbaren Erkrankung.
Damit gehe es nicht mehr allein darum, die Erkrankung zu bekämpfen, sondern auch darum, den Betroffenen ein möglichst gutes Leben mit ihr zu ermöglichen. „Wir werden Zeugen eines Paradigmenwechsels“, sagte er auf dem Panel. Die Medizin ändere sich, und die Gesundheitssysteme müssten darauf reagieren. Von weltpolitischer Bedeutung sei, wie die nächste Generation von innovativen Krebstherapien finanziert werden könne.

Stefan Barbour, Geschäftsführer BeOne Medicines Deutschland und Penilla Gunther von der EU Cancer Mission.
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Das Mitglied der EU Cancer Mission, Penilla Gunther, verwies auf deutliche Unterschiede zwischen den europäischen Gesundheitssystemen, etwa beim Zugang zu Diagnostik und Behandlung. Für eine gute Versorgung seien Vertrauen und eine multidisziplinäre Zusammenarbeit entscheidend.
Zugleich belasteten zahlreiche Arztkontakte und Behandlungstermine den Alltag der Betroffenen. Hinzu kämen finanzielle Unsicherheiten, erschwerte Möglichkeiten zum Abschluss zusätzlicher Versicherungen sowie die Frage, wie sich die beruflichen Rahmenbedingungen stärker an die individuelle Situation Betroffener anpassen lassen. Es bedürfe einer „total neuen Sicht auf die Gesundheitsversorgung“.

Ben Franklin vom International Longevity Centre.
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Zu einem Perspektivenwechsel rief auch Ben Franklin vom International Longevity Centre auf, einem weltweiten Netzwerk unabhängiger Forschungs- und Beratungseinrichtungen, die sich mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen des demografischen Wandels beschäftigen.
Staaten, so Franklin, sollten nicht länger von Gesundheitsausgaben als reinem Kostenfaktor sprechen, sondern diese als Investment begreifen. Eine gute Versorgung könne dazu beitragen, dass Betroffene trotz ihrer Erkrankung länger selbstbestimmt leben könnten und beruflich wie gesellschaftlich aktiv blieben.
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