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Grippeimpfstoff-Forschung

Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

Standard, Hochdosis, MF-59-adjuvantiert, zellbasiert oder mRNA – Impfstoffe werden vielfältiger. Entscheidend für die Empfehlung sind Zielgruppe, immunologisches Wirkprofil und nachgewiesene Wirksamkeit.

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Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

© Lu ShaoJi | Getty Images

Die Influenzaimpfstofflandschaft hat sich in den vergangenen Jahren deutlich diversifiziert. Neben den seit Jahrzehnten etablierten eibasierten Standardimpfstoffen sind zellbasierte, rekombinante, hochdosierte und adjuvantierte Formulierungen hinzugekommen – jeweils mit eigenem immunologischem Wirkprinzip und definierter Zielgruppe. Seit 2026 ist zudem erstmals ein mRNA-basierter Kombinationsimpfstoff gegen Influenza und COVID-19 für bestimmte Altersklassen in der EU zugelassen (1).

Herstellungsverfahren und immunologische Wirkprinzipien

Alle in Deutschland zugelassenen Influenzaimpfstoffe richten sich in erster Linie gegen das Hämagglutinin (HA), nach dem auch die Dosierung standardisiert wird. Inaktivierte Spalt- und Untereinheitenimpfstoffe enthalten daneben Neuraminidase (NA). Die jährlich aktualisierte Antigenkombination basiert auf den Empfehlungen des WHO Global Influenza Programme, das über das Global Influenza Surveillance and Response System (GISRS) weltweit Influenzaviren überwacht und die Zusammensetzung zweimal jährlich empfiehlt – im Februar für die Nordhalbkugel, im September für die Südhalbkugel (2). Die Impfstoffe unterscheiden sich entlang zweier unabhängiger Achsen.

Die erste ist die Plattform: Damit wird das technische Grundprinzip bezeichnet, nach dem das Impfantigen gewonnen wird, z.B. Vermehrung des Virus im Hühnerei, in Säugerzellkultur oder gentechnische Herstellung des Hämagglutinins. Die zweite Achse ist die Auslegung des fertigen Impfstoffs, also Antigengehalt und das Vorhandensein eines Adjuvans.

Beide Achsen bestimmen gemeinsam Stärke und Breite der Immunantwort (3). Eine wichtige Veränderung der letzten Jahre ist der Wechsel von quadrivalenten zu trivalenten Impfstoffen: Die B/Yamagata-Linie wurde seit März 2020 weltweit nicht mehr nachgewiesen und ist nicht mehr Bestandteil der Impfstoffe (4). Die STIKO hat den Wechsel 2024 stufenweise beschlossen – für lebend-attenuierte Impfstoffe ab der Saison 2024/25, für inaktivierte Impfstoffe ab der Saison 2025/26 (4). Für 2026/27 empfiehlt die WHO für eibasierte Impfstoffe einen A/Missouri/11/2025 (H1N1)pdm09-ähnlichen, einen A/Darwin/1454/2025 (H3N2)-ähnlichen und einen B/Tokyo/EIS13-175/2025 (B/Victoria-Linie)-ähnlichen Stamm (5). Die Zusammensetzung weicht damit in allen drei Stämmen von der Vorsaison ab (6).

Die STIKO unterscheidet in ihrer wissenschaftlichen Begründung zwischen konventionellen und weiterentwickelten Impfstoffen (3). Der Begriff „weiterentwickelt" bezieht sich dabei auf die Herstellung und Zusammensetzung des Impfstoffs und beinhaltet keine Bewertung von Qualität oder Sicherheit. Welche Impfstoffe die STIKO für welche Zielgruppe empfiehlt, ist davon unabhängig und wird im Abschnitt zur zielgruppenspezifischen Differenzierung beschrieben.

Konventionelle Impfstoffe

Eibasierte Standardimpfstoffe sind die am längsten etablierte Plattform. Das Virus wird in Hühnereiern vermehrt, anschließend inaktiviert und aufgereinigt. Der Antigengehalt beträgt 15 μg HA pro Stamm. Die Zulassung gilt je nach Produkt ab einem Alter von sechs Monaten und schließt damit sämtliche aktuell von der STIKO benannten Zielgruppen ein. Für Personen ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO allerdings präferenziell einen Hochdosis- oder MF-59-adjuvantierten Impfstoff (6, 7).

Die Plattform deckt zugleich den größten Teil der weltweiten Impfstoffversorgung: Nach der Herstellerbefragung der WHO beruhen über 80 Prozent der globalen saisonalen und pandemischen Produktionskapazität auf Hühnereiern, bei einer seit 2019 stabilen saisonalen Jahreskapazität von rund 1,53 Milliarden Dosen (8). Hinzu kommt die Rolle als methodischer Bezugspunkt: Von zellbasierten und rekombinanten bis zu mRNA-basierten Kandidaten belegen neue Plattformen ihren zusätzlichen klinischen Nutzen gegen den eibasierten Standardimpfstoff als Vergleichsarm (3, 9) – was ein über Saisons hinweg kalibriertes, vorhersagbares Verhalten voraussetzt.

Die Plattform ist durch einen grundlegenden Zielkonflikt zwischen Planbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit begrenzt, den bislang keine Herstellungsplattform vollständig auflöst. Die Produktion erfordert einen langen Vorlauf. Dieser ist zugleich die Voraussetzung für die hohe Kapazität der Plattform, denn die frühe Stammfestlegung im Februar ermöglicht es, bis zum Saisonbeginn Dosen im Milliardenmaßstab bereitzustellen, schränkt jedoch die Reaktionsfähigkeit auf spätere Veränderungen der zirkulierenden Viren ein.

Eine weitere Einschränkung betrifft die Vermehrung im Ei, während derer Mutationen im Hämagglutinin entstehen können. Diese sogenannte „egg adaptation“ kann zu einer antigenen Divergenz zwischen Impfstamm und zirkulierendem Wildtyp führen. Das Phänomen betrifft allerdings nicht alle Stämme gleichermaßen: Dokumentiert und klinisch diskutiert wird es vor allem für A(H3N2), während es für A(H1N1)pdm09 und die B-Linien eine deutlich geringere Rolle spielt (10, 11).

Für Kinder und Jugendliche von zwei bis 17 Jahren steht daneben ein nasal applizierter, attenuierter Lebendimpfstoff zur Verfügung, der ebenfalls im Hühnerei hergestellt wird (6). Die STIKO empfiehlt ihn bei Hindernissen für eine Injektion präferenziell (7).

Praxis-Fazit: Eibasierte Standardimpfstoffe bleiben weltweit die wichtigste Versorgungsplattform und dienen weiterhin als Referenz für neue Technologien. Ihre wesentlichen Grenzen liegen in möglichen eiadaptiven Antigenveränderungen sowie im langen Produktionsvorlauf.

Weiterentwickelte bzw. erweiterte Impfstoffe

Hochdosisimpfstoffe werden eibasiert hergestellt und enthalten 60 μg HA pro Stamm – viermal so viel wie Standarddosis-Impfstoffe (3, 6). Der erhöhte Antigengehalt zielt darauf ab, die bei älteren Personen häufig reduzierte Impfantwort durch stärkere Antikörperstimulation zu kompensieren (Immunoseneszenz) (3). Die Zulassung gilt für Personen ab 60 Jahren (6).

MF-59-adjuvantierte Impfstoffe werden ebenfalls eibasiert hergestellt und enthalten den Standardantigengehalt von 15 μg HA pro Stamm (3, 6). Das Adjuvans – eine Öl-in-Wasser-Emulsion – verstärkt die Immunantwort über einen vom Antigengehalt unabhängigen Mechanismus: Es aktiviert lokale Immunzellen, fördert die Antigenaufnahme durch dendritische Zellen und induziert eine breitere zelluläre und humorale Antwort (13). Zugelassen ist der Impfstoff ab 50 Jahren (6).

Zellbasierte Impfstoffe vermehren das Virus selbst in Säugerzellkulturen und vermeiden damit eiadaptive Antigenveränderungen (10). Der Antigengehalt entspricht mit 15 μg HA pro Stamm dem der Standarddosis-Impfstoffe. In Deutschland steht derzeit ein zellbasierter (nicht rekombinanter) Influenzaimpfstoff zur Verfügung, seine Zulassung wurde 2025 auf Kinder ab sechs Monaten erweitert (6).

Rekombinante Impfstoffe werden nicht durch Virusvermehrung, sondern durch Expression des Hämagglutinin-Proteins in Insektenzellen mittels Baculovirusvektor hergestellt. Mit 45 μg HA pro Stamm enthalten sie dreimal so viel Antigen wie Standarddosis-Impfstoffe und sind ab einem Alter von neun Jahren zugelassen (6). In einer randomisierten kontrollierten Studie bei Personen ab 50 Jahren war die Wahrscheinlichkeit einer Influenzaerkrankung gegenüber einem eibasierten Standardimpfstoff um 30 Prozent geringer (12).

Wirksamkeit und Sicherheit: Evidenzlage

Die Wirksamkeit der weiterentwickelten Impfstoffe wird überwiegend in nicht-randomisierten Studien untersucht. Verglichen wird dabei regelmäßig mit dem konventionellen eibasierten Standardimpfstoff, sodass sich Angaben zur relativen Wirksamkeit auf ihn beziehen (3). Eine retrospektive Kohortenstudie aus der Saison 2022/23 hat drei weiterentwickelte Impfstoffe bei Personen ab 65 Jahren gegen diesen gemeinsamen Vergleichsarm geprüft. Für den Endpunkt PCR-bestätigte influenzabedingte Hospitalisierung ergab sich eine relative Wirksamkeit von 25,1 Prozent (95 % KI 0,2–43,8) für den Hochdosisimpfstoff und von 61,6 Prozent (95 % KI 18,1–82,0) für den MF-59-adjuvantierten Impfstoff. Für den zellbasierten Impfstoff war das Ergebnis mit 26,4 Prozent (95 % KI −18,3–55,7) nicht signifikant (14).

Diese Zahlen beruhen auf sehr unterschiedlichen Fallzahlen: 234 Hospitalisierungen in der Hochdosisgruppe, 20 in der zellbasierten und 9 in der adjuvantierten. Für den zellbasierten Impfstoff ließ sich der Vorteil, der sich für die beiden anderen zeigte, deshalb nicht nachweisen. Gleichzeitig ist der auffällig hohe Wert für den adjuvantierten Impfstoff kein Beleg für eine Überlegenheit gegenüber dem Hochdosisimpfstoff: Die Autorinnen und Autoren der Studie führen ihn selbst auf die kleine Gruppe bei einem seltenen Endpunkt zurück (14).

Der MF-59-adjuvantierte und der Hochdosisimpfstoff sind auch direkt miteinander verglichen worden. In einer Untersuchung bei Personen ab 65 Jahren über die Saisons 2017/18 bis 2019/20 fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen ihnen (15). Die STIKO sieht beide nach derzeitiger Datenlage als gleichwertig geeignet zur Erreichung der Impfziele an (3). Für den zellbasierten Impfstoff reicht die Datenlage für eine solche Einschätzung nach ihrer Auffassung nicht aus, daher ist er in die präferenzielle Empfehlung für Personen ab 60 Jahren nicht einbezogen (3).

Hochdosis- und MF-59-adjuvantierte Impfstoffe gehen gegenüber dem Standardimpfstoff mit etwas höheren Raten vorübergehender Lokalreaktionen sowie systemischer Reaktionen wie Kopfschmerzen und Fieber einher. Die Risikoerhöhung ist bei beiden Impfstoffen annähernd gleich. Ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse zeigte sich nicht (3).

Praxis-Fazit: Für Personen ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO präferenziell einen Hochdosis- oder einen MF-59-adjuvantierten Impfstoff und sieht beide als gleichwertig geeignet an. Steht keiner von beiden zur Verfügung, ist eine Impfung mit einem Standardimpfstoff der Alternative vorzuziehen, gar nicht zu impfen.

Was die Saison 2025/26 gezeigt hat

Die Wirksamkeit aller Influenzaimpfstoffe variiert saisonabhängig mit der Übereinstimmung zwischen den enthaltenen Stämmen und den zirkulierenden Viren. Die zurückliegende Saison illustriert, wie diese Variabilität zustande kommt: Die A(H3N2)-Subklade K trat erst nach der Festlegung der Impfstoffzusammensetzung auf und dominierte anschließend das Geschehen in Europa (16). Antigenische Analysen zeigten eine deutliche Distanz sowohl zum zellbasierten als auch – stärker ausgeprägt – zum eibasierten Impfstamm (17).

In der Praxis fiel der Schutz besser aus, als die Laboranalytik erwarten ließ. Frühe Auswertungen aus England und weiteren europäischen Ländern ergaben eine Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent gegen A(H3N2) bei unter 65-Jährigen (16), kanadische Zwischenauswertungen lagen niedriger (17). Auch immunologisch sprach der eibasierte trivalente Impfstoff an: Er steigerte die im Labor gemessenen Antikörpertiter gegen alle geprüften A(H3N2)-Viren deutlich, einschließlich eines Subklade-K-Virus (17).

Für die Praxis folgt daraus zweierlei. Erstens sagt die im Labor gemessene Distanz zwischen Impfstamm und zirkulierendem Virus den tatsächlichen Schutzverlust nicht zuverlässig vorher. Zweitens lag die Ursache des Mismatches im zeitlichen Abstand zwischen Stammfestlegung und Zirkulation – und der betrifft jedes Herstellungsverfahren gleichermaßen, unabhängig davon, ob der Impfstamm im Ei, in der Zellkultur oder rekombinant hergestellt wird.

Zielgruppenspezifische Differenzierung nach STIKO 2026

Die STIKO-Empfehlungen 2026 differenzieren die Impfstoffwahl nach der immunologischen Ausgangslage der Zielgruppe. Für chronisch kranke Personen ab sechs Monaten – unabhängig vom Alter – ist die Influenzaimpfung als Indikationsimpfung empfohlen. Der Indikationskreis umfasst chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Adipositas ab BMI 30, chronische neurologische Erkrankungen sowie angeborene oder erworbene Immundefizienz einschließlich HIV. Unter 60 Jahren ist für diese Gruppe ein inaktivierter Standardimpfstoff indiziert. Dasselbe gilt für Schwangere, denen die Impfung ab dem zweiten Trimenon und bei Grunderkrankung ab dem ersten Trimenon empfohlen wird. Kinder bis neun Jahre erhalten bei der Erstimpfung zwei Dosen im Abstand von vier Wochen (7).

Für Personen ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO einen Hochdosis- oder MF-59-adjuvantierten Impfstoff (3, 18). Beide Klassen werden als gleichwertig bewertet (3). Ist deren Gabe aus medizinischen Gründen nicht möglich – etwa bei erhöhter Reaktogenität nach vorherigen Impfungen –, kann ein ei- oder zellbasierter Standardimpfstoff verwendet werden. Bei Lieferengpässen nennt die STIKO ei-, zellbasierte und rekombinante Standardimpfstoffe als Ausweichoption (7).

Vor dem Hintergrund der weltweiten Ausbreitung hochpathogener H5Nx-Influenzaviren wurde die Empfehlung 2025 zudem auf Personen mit regelmäßigem direktem Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln oder Robben erweitert (19). Die saisonale Impfung schützt nicht vor diesen Viren, kann aber Doppelinfektionen mit saisonalen Stämmen reduzieren (7).

Praxis-Fazit: Die Impfstoffwahl richtet sich primär nach Alter und Risikoprofil. Für Schwangere, Kinder und chronisch kranke Personen unter 60 Jahren ist grundsätzlich ein inaktivierter Standardimpfstoff vorgesehen.

Impfstoffe in der Entwicklung

mRNA-basierte Influenzaimpfstoffe: Die Plattform hat 2026 einen ersten belastbaren Wirksamkeitsnachweis erbracht. In einer im Mai publizierten Phase-3-Zulassungsstudie erreichte ein mRNA-Kandidat bei Erwachsenen ab 50 Jahren gegenüber einem zugelassenen Standarddosis-Impfstoff eine relative Wirksamkeit von 26,6 Prozent (95 % KI 16,7–35,4) (9). Zulassungsanträge werden derzeit unter anderem in der EU geprüft. Offen bleiben immunologische Korrelate des Schutzes, Langzeitdaten sowie die Impfantwort bei Immundefizienz.

Kombinationsimpfstoffe: Seit April 2026 ist in der EU erstmals ein mRNA-basierter Kombinationsimpfstoff gegen Influenza und COVID-19 für Personen ab 50 Jahren zugelassen (1). Eine STIKO-Empfehlung liegt dafür bislang nicht vor. Praktisch relevant bleibt daher zunächst, dass die gleichzeitige Verabreichung der separaten Impfstoffe gegen Influenza, COVID-19 und RSV möglich und von der STIKO nicht kontraindiziert ist (7) – relevant für chronisch kranke und ältere Personen, für die alle drei Impfungen indiziert sein können.

Universalimpfstoffe: Verschiedene Ansätze, die einen stammübergreifenden Schutz vermitteln und keine jährliche Anpassung erfordern würden, befinden sich in klinischer Entwicklung, überwiegend in frühen Phasen. Bislang hat kein Kandidat die klinische Entwicklung erfolgreich abgeschlossen (20).

Praxis-Einordnung: Neue Plattformen erweitern die Perspektive, verändern die aktuelle Impfstoffwahl aber bislang nur begrenzt. Für mRNA-basierte Influenzaimpfstoffe und Universalimpfstoffe fehlen noch ausreichende Daten beziehungsweise etablierte Empfehlungen. Der Kombinationsimpfstoff ist ohne STIKO-Empfehlung derzeit noch nicht in die reguläre Impfstrategie eingeordnet.

Fazit

Herstellungsverfahren, Antigengehalt und Wirkmechanismus der verfügbaren Influenzaimpfstoffe unterscheiden sich heute deutlicher als je zuvor. Die klinische Differenzierung folgt der immunologischen Ausgangslage der Zielgruppe: Für die Mehrzahl der impfberechtigten Risikogruppen – chronisch Kranke unter 60 Jahren, Schwangere, Kinder – ist der inaktivierte Standardimpfstoff die indizierte Wahl. Für Personen ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO Hochdosis- oder MF-59-adjuvantierte Formulierungen, mit dem Standardimpfstoff als ausdrücklicher Alternative bei medizinischen Gegenanzeigen oder Versorgungsengpässen (7).

Über alle Klassen hinweg bildet die eibasierte Plattform dabei weiterhin den gemeinsamen Bezugspunkt – als breit zugelassene Grundlage der Versorgung (6, 7, 8) und als Vergleichsarm, an dem sich neue Verfahren messen (3). Die Saison 2025/26 hat zugleich gezeigt, wo die eigentliche Herausforderung liegt: weniger im Herstellungsverfahren als im zeitlichen Vorlauf der jährlichen Stammanpassung. Ob mRNA-basierte Impfstoffe oder stammübergreifende Ansätze diesen Vorlauf verkürzen können, wird die weitere Studienlage zeigen.

Literatur

1. European Medicines Agency. Erster mRNA-Kombinationsimpfstoff gegen Influenza und COVID-19: EU-Zulassung vom 20.04.2026, Zulassungsnummer EU/1/26/2028. European Public Assessment Report. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/mcombriax [Zugriff am 04.08.2026]

2. WHO. Vaccines against influenza: WHO position paper – May 2022. Weekly Epidemiological Record. 2022;97(19):185–208. https://www.who.int/publications/i/item/who-wer9719 [Zugriff am 04.08.2026]

3. STIKO beim Robert Koch-Institut. Wissenschaftliche Begründung zur Empfehlung der STIKO zur Anwendung von Hochdosis- oder MF-59 adjuvantierten Influenza-Impfstoffen bei der Influenza-Standardimpfung von Personen ≥ 60 Jahre. Epidemiologisches Bulletin. 2024;44:3–23.

4. STIKO beim Robert Koch-Institut. Beschluss zum Wechsel von quadrivalenten zu trivalenten Influenza-Impfstoffen. Epidemiologisches Bulletin. 2024;31:9–11.

5. WHO Global Influenza Programme. Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2026–2027 northern hemisphere influenza season. World Health Organization, 27.02.2026. https://www.who.int/publications/m/item/recommended-composition-of-influenza-virus-vaccines-for-use-in-the-2026-2027-northern-hemisphere-influenza-season [Zugriff am 04.08.2026]

6. Paul-Ehrlich-Institut. Saisonale Influenza-Impfstoffe: Arzneimittelliste und Stammzusammensetzung für die Saison 2026/2027. Stand: PEI-Bekanntmachung Nr. 544, BAnz AT 12.08.2026 B6. https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/influenza-grippe/influenza-node.html [Zugriff am 08.09.2026]

7. STIKO beim Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2026. Epidemiologisches Bulletin. 2026;4:1–79 (insb. Tab. 2 mit Fußnote b sowie Tab. 6).

8. Sparrow E et al. Global production capacity of seasonal and pandemic influenza vaccines in 2023. Vaccine. 2025.

9. Leroux-Roels I, Huang G, Ferguson M et al. Efficacy and safety of an mRNA seasonal influenza vaccine in adults. New England Journal of Medicine. 2026;394(18):1803–1813.

10. Liang W, Tan TJC, Wang Y et al. Egg-adaptive mutations of human influenza H3N2 virus are contingent on natural evolution. PLoS Pathogens. 2022;18(9):e1010875.

11. Zost SJ, Parkhouse K, Gumina ME et al. Contemporary H3N2 influenza viruses have a glycosylation site that alters binding of antibodies elicited by egg-adapted vaccine strains. Proceedings of the National Academy of Sciences. 2017;114(47):12578–12583.

12. Dunkle LM, Izikson R, Patriarca P et al. Efficacy of recombinant influenza vaccine in adults 50 years of age or older. New England Journal of Medicine. 2017;376(25):2427–2436.

13. Ko EJ, Kang SM. Immunology and efficacy of MF59-adjuvanted vaccines. Human Vaccines & Immunotherapeutics. 2018;14(12):3041–3045.

14. Ku JH, Rayens E, Sy LS et al. Comparative effectiveness of licensed influenza vaccines in preventing influenza-related medical encounters and hospitalizations in the 2022–2023 influenza season among adults ≥ 65 years of age. Clinical Infectious Diseases. 2024;79(5):1283–1292.

15. McGovern I, Chastek B, Bancroft T et al. Relative vaccine effectiveness of MF59®-adjuvanted vs highdose trivalent inactivated influenza vaccines for prevention of test-confirmed influenza hospitalizations during the 2017–2020 influenza seasons. International Journal of Infectious Diseases. 2024;146:107160.

16. Influenza vaccine effectiveness from nine studies during drifted A(H3N2) subclade K predominance, Europe, September 2025 to January 2026. Eurosurveillance. 2026.

17. Interim 2025/26 influenza vaccine effectiveness estimates with immuno-epidemiological considerations for A(H3N2) subclade K protection, Canada, January 2026. Eurosurveillance. 2026.

18. STIKO beim Robert Koch-Institut. Beschluss und Wissenschaftliche Begründung für die Aktualisierung der Influenza-Impfempfehlung für Personen im Alter von ≥ 60 Jahren. Epidemiologisches Bulletin. 2021;1:3–25.

19. STIKO beim Robert Koch-Institut. Wissenschaftliche Begründung zur Erweiterung der Indikationsempfehlung für die saisonale Influenza-Impfung. Epidemiologisches Bulletin. 2025;29.

20. Center for Infectious Disease Research and Policy (CIDRAP). Universal Influenza Vaccine Technology Landscape. University of Minnesota, Stand Februar 2026. https://ivr.cidrap.umn.edu/universal-influenza-vaccine-technology-landscape [Zugriff am 04.08.2026]

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Ausgestreckte Hand gegenüber einer Impfspritze.

© anyaivanova / Getty Images / iStock

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