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Fest gemauert in der Erden steht die Form, aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden. Frisch Gesellen, seid zur Hand. Von der Stirne heiss Rinnen muss der Schweiss, Soll das Werk den Meister loben, doch der Segen kommt von oben. Zum Werke, das wir ernst bereiten, geziemt sich wohl ein ernstes Wort; wenn gute Reden sie begleiten, dann fliesst die Arbeit munter fort. So lasst uns jetzt mit Fleiss betrachten, Was durch die schwache Kraft entspringt, den schlechten Mann muss man verachten, der nie bedacht, was er vollbringt.

Das ist’s ja, was den Menschen zieret, und dazu ward ihm der Verstand, dass er im innern Herzen spüret, Was er erschafft mit seiner Hand. Nehmet Holz vom Fichtenstamme, doch recht trocken lasst es sein, dass die eingepresste Flamme Schlage zu dem Schwalch hinein. Kocht des Kupfers Brei, schnell das Zinn herbei, dass die zähe Glockenspeise Fliesse nach der rechten Weise. Was in des Dammes tiefer Grube die Hand mit Feuers Hülfe baut, Hoch auf des Turmes Glockenstube da wird es von uns zeugen laut. Noch dauern wird’s in späten Tagen und rühren vieler Menschen Ohr und wird mit dem Betrübten klagen und stimmen zu der Andacht Chor. Was unten tief dem Erdensohne s das wechselnde Verhängnis bringt, das schlägt an die metallne Krone, die es erbaulich weiterklingt. weisse Blasen seh ich springen, Wohl! Die Massen sind im Fluss. Lasst’s mit Aschensalz durchdringen, das befördert schnell den Guss.

Auch von Schaume rein

Winkt der Sterne Licht, ledig aller Pflicht hört der Pursch die Vesper schlagen, Meister muss sich immer plagen. Munter fördert seine Schritte Fern im wilden Forst der Wandrer nach der lieben Heimathütte. Blökend ziehen Heim die Schafe, und der Rinder Breitgestirnte, glatte Scharen Kommen brüllend, die gewohnten Ställe füllend. Schwer herein schwankt der Wagen, Kornbeladen, Bunt von Farben auf den Garben liegt der Kranz, und das junge Volk der Schnitter fliegt zum Tanz. Markt und Straße werden stiller, um des Lichts gesellge Flamme Sammeln sich die Hausbewohner, und das Stadttor schließt sich knarrend. Schwarz bedecket Sich die Erde, doch den sichern Bürger schrecket nicht die Nacht, die den Bösen grässlich wecket, denn das Auge des Gesetzes wacht. Heilge Ordnung, segenreiche Himmelstochter, die das Gleiche frei und leicht und freudig bindet, die der Städte Bau begründet, die herein von den Gefilden Rief den ungesellgen Wilden, eintrat in der Menschen Hütten, Sie gewöhnt zu sanften Sitten und das teuerste der Bande wob, den Trieb zum Vaterlande! Tausend fleissge Hände regen, helfen sich in munterm Bund, und in feurigem Bewegen Werden alle Kräfte kund. Meister rührt sich und Geselle in der Freiheit heilgem Schutz. Jeder freut sich seiner Stelle, bietet dem Verächter Trutz. Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis, ehrt den König seine Würde, ehret uns der Hände Fleiss. Holder Friede, Süße Eintracht, weilet, weilet freundlich über dieser Stadt! Möge nie der Tag erscheinen, wo des rauhen Krieges Horden dieses stille Tal durchtoben, wo der Himmel, den des Abends sanfte Röte lieblich malt, von der Dörfer, von der Städte wildem


Auch von Schaume rein Muss die Mischung sein, dass vom reinlichen Metalle Rein und voll die Stimme schalle. Denn mit der Freude Feierklange Begrüsst sie das geliebte Kind Auf seines Lebens erstem Gange, den es in Schlafes Arm beginnt; Ihm ruhen noch im Zeitenschosse die schwarzen und die heitern Lose, der Mutterliebe zarte Sorgen Bewachen seinen goldnen Morgen.- Die Jahre fliehen pfeilgeschwind.

Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe, Er stürmt ins Leben wild hinaus, durchmisst die Welt am Wanderstabe. Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus, und herrlich, in der Jugend Prangen, Wie ein Gebild aus Himmelshöhn, mit züchtigen, verschämten Wangen sieht er die Jungfrau vor sich stehn. Da fasst ein namenloses Sehnen des Jünglings Herz, er irrt allein, aus seinen Augen brechen Tränen, Er flieht der Brüder wilder Reihn. Errötend folgt er ihren Spuren und ist von ihrem Gruss beglückt, das Schönste sucht er auf den Fluren, womit er seine Liebe schmückt. O! zarte Sehnsucht, süsses Hoffen, der ersten Liebe goldne Zeit, das Auge sieht den Himmel offen, Es schwelgt das Herz in Seligkeit. O! dass sie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der jungen Liebe! Wie sich schon die Pfeifen bräunen!

Dieses Stäbchen tauch ich ein, sehn wir’s überglast erscheinen, Wird’s zum Gusse zeitig sein. Jetzt, Gesellen, frisch! Prüft mir das Gemisch, Ob das Spröde mit dem Weichen Sich vereint zum guten Zeichen. Denn wo das Strenge mit dem Zarten, wo Starkes sich und Mildes paarten, da gibt es einen guten Klang. Drum prüfe, wer sich ewig bindet,

Ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang. Lieblich in der Bräute Locken spielt der jungfräuliche Kranz, wenn die hellen Kirchenglocken Laden zu des Festes Glanz. Ach! des Lebens schönste Feier endigt auch den Lebensmai, mit dem Gürtel, mit dem Schleier reißt der schöne Wahn entzwei. Die Leidenschaft flieht! Die Liebe muss bleiben, die Blume verblüht, die Frucht muss treiben. Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben, muss wirken und streben und pflanzen und schaffen, Erlisten, erraffen, muss wetten und wagen, das Glück zu erjagen. Da strömet herbei die unendliche Gabe, Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe, die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus. Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder, und herrschet weise im häuslichen Kreise, und lehret die Mädchen und wehret den Knaben, und reget ohn Ende die fleißigen Hände, und mehrt den Gewinn mit ordnendem Sinn. Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden, und dreht um die schnurrende Spindel den Faden, und sammelt im reinlich geglätteten Schrein die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein, und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer, und ruhet

Und der Vater mit frohem Blick von des Hauses weitschauendem Giebel überzählet sein blühend Glück, siehet der Pfosten ragende Bäume und der Scheunen gefüllte Räume und die Speicher, vom Segen gebogen, und des Kornes bewegte Wogen, rühmt sich mit stolzem Mund: Fest, wie der Erde Grund, gegen des Unglücks Macht steht mir des Hauses Pracht! Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewger Bund zu flechten, und das Unglück schreitet schnell. Wohl! nun kann der Guss beginnen, schön gezacket ist der Bruch. Doch bevor wir’s lassen rinnen, betet einen frommen Spruch! Stoßt den Zapfen aus! Gott bewahr das Haus! Rauchend in des Henkels Bogen schießt’s mit feuerbraunen Wogen. Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht, und was er bildet, was er schafft, das dankt er dieser Himmelskraft, doch furchtbar wird die Himmelskraft, wenn sie der Fessel sich entrafft, einhertritt auf der eignen Spur die freie Tochter der Natur. Wehe, wenn sie losgelassen wachsend ohne Widerstand durch die volkbelebten Gassen wälzt den ungeheuren Brand! Denn die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand. Aus der Wolke quillt der Segen, strömt der Regen, aus der Wolke, ohne Wahl, zuckt der Strahl!

Hört ihr’s wimmern hoch vom Turm? Das ist Sturm! Rot wie Blut ist der Himmel, das ist nicht des Tages Glut! Welch Getümmel Straßen auf! Dampf wallt auf! Flackernd steigt die Feuersäule, durch der Straße lange Zeile wächst es fort mit Windeseile, kochend wie aus Ofens Rachen glühn die Lüfte, Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren, Tiere wimmern Unter Trümmern, Alles rennet, rettet, flüchtet, taghell ist die Nacht gelichtet, durch der Hände lange Kette um die Wette fliegt der Eimer, hoch im Bogen sprützen Quellen, Wasserwogen. Heulend kommt der Sturm geflogen, der die Flamme brausend sucht.

Prasselnd in die dürre Frucht fällt sie in des Speichers Räume, in der Sparren dürre Bäume, und als wollte sie im Wehen mit sich fort der Erde Wucht Reißen, in gewaltger Flucht, wächst sie in des Himmels Höhen riesengroß! Hoffnungslos weicht der Mensch der Götterstärke, müßig sieht er seine Werke und bewundernd untergehn. Leergebrannt ist die Stätte, wilder Stürme rauhes Bette, in den öden Fensterhöhlen wohnt das Grauen, und des Himmels Wolken schauen Hoch hinein. Einen Blick nach den Grabe Seiner Habe sendet noch der Mensch zurück – greift fröhlich dann zum Wanderstabe. Was Feuers Wut ihm auch geraubt,

Ein süsser Trost ist ihm geblieben

Er zählt die Haupter seiner Lieben, und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt. In die Erd ist’s aufgenommen, glücklich ist die Form gefüllt, Wird’s auch schön zutage kommen, dass es Fleiß und Kunst vergilt? Wenn der Guss misslang? Wenn die Form zersprang? Ach! vielleicht indem wir hoffen, hat uns Unheil schon getroffen. Dem dukeln schoss der heilgen Erde Vertrauen wir der Hände Tat, vertraut der Sämann seine Saat und hofft, dass sie entkeimen werde zum Segen, nach des Himmels Rat.

Noch köstlicheren Samen bergen Wir trauernd in der Erde Schoss und hoffen, dass er aus den Särgen Erblühen soll zu schönerm Los. Von dem Dome, schwer und bang, tönt die Glocke Grabgesang. Ernst begleiten ihre Trauerschläge Einen Wandrer auf dem letzten Wege. Ach! die Gattin ist’s, die teure, Ach! es ist die treue Mutter, die der schwarze Fürst der Schatten wegführt aus dem Arm des Gatten, Aus der zarten Kinder Schar, die sie blühend ihm gebar, die sie an der treuen Brust Wachsen sah mit Mutterlust – Ach! des Hauses zarte Bande sind gelöst auf immerdar, denn sie wohnt im Schattenlande, die des Hauses Mutter war, denn es fehlt ihr treues Walten, Ihre Sorge wacht nicht mehr, an verwaister Stätte schalten Wird die Fremde, liebe leer. Bis die Glocke sich verkühlet, lasst die strenge Arbeit ruhn, Wie im Laub der Vogel spielet, mag sich jeder gütlich tun.

Blindgänger auf dem Gelände der Universitätskliniken Köln

Der Glockengießer benötigt zur Herstellung einer Glocke eine dreiteilige Form, bestehend aus Kern, falscher Glocke und Mantel. Der Kern, der dem Inneren der Glocke entspricht, wird aus Lehmsteinen und verschiedenen Lehmschichten gemauert. Die falsche Glocke, oder Modellglocke, muss in Umfang und Aussehen genau der späteren, noch zu gießenden Bronzeglocke entsprechen. Sie besteht aus Lehm und Talg, die Zier wird in Wachs aufgetragen.

Vor der Herstellung des Mantels streicht der Glockengießer zunächst einen feinen, dann immer gröberen Lehm auf die falsche Glocke, sodass sich die Zier im Mantel abdrücken kann. Der Mantel muss einen großen Druck aushalten, der während des Gießens auf ihn einwirkt. Vor dem Guss nimmt man den Mantel ab und zerschlägt die falsche Glocke. Der Hohlraum zwischen Kern und Mantel ergibt dann die richtige Glocke.

Glocken werden traditionell freitags um 15 Uhr gegossen, was an die Sterbestunde Jesu Christi erinnern soll. Bereits morgens in aller Frühe wird der Schmelzofen angefeuert, damit die Glockenspeise, die aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn besteht, schmilzt. Hat die Bronze eine Temperatur von zirka 1100 Grad Celsius erreicht, kann der Guss beginnen.

Wenn die rot glühende Glockenspeise aus dem Ofen fließt, Rauch aufsteigt und Gase abbrennen, hat der Glockenguss seinen Höhepunkt erreicht. Die gegossenen Glocken müssen in der ausgehobenen Glockengrube noch einige Tage auskühlen, bis sie aus ihrem Mantel befreit werden können. Dann wird mit der Stimmgabel geprüft, ob der Guss gelungen ist und die Glocke wie gewünscht erklingt.

Der Klang einer Glocke wird beim Guss festgelegt. Entscheidend für den Ton einer Glocke sind ihre drei Parameter: Durchmesser, Höhe und Wandstärke, die sogenannte Rippe. Je nach Größe dieser drei Parameter verändert sich der Ton. Eine Glocke hat etwa 50 Klangfarben, einen Grund-, Unter-, Prim-, Terz-, Quint-, Oberton et cetera, die in ihrer Gesamtheit den hörbaren Ton der Glocke bestimmen.

Sind die Teiltöne nicht in Harmonie, kann man die Glocke tonlich korrigieren, indem die Innenwand der Glocke ausgeschliffen wird. Dies spielt sich in der Regel im Bereich von unter einem Millimeter an verschiedenen Stellen der Innenwand ab. Möglich sind aber nur wenige Sechzehntel Halbton-Korrekturen.

Loch in Erde, Bronze rin, Glocke fertig, bim bim bim