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Kongress Pflege 2026

Gesundheitsexperte Klewer zur Krisenvorsorge: Praxen bleiben im Katastrophenfall zuständig

Jörg Klewer forscht zur Resilienz des Gesundheits- und Pflegewesens. Im Interview mit der Ärzte Zeitung weist er auf Schwachstellen der Versorgungsbereiche hin – und sagt: Niedergelassene Ärzte könnten im Krisenfall sogar mehrfach betroffen sein.

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Vorbereiten für den Ernstfall: Vermummte Angehörige der Bundeswehr bei einer Übung in Berlin.

Vorbereiten für den Ernstfall: Vermummte Angehörige der Bundeswehr bei einer Übung in Berlin.

© Wolfram Steinberg/dpa

Herr Professor Klewer, wie sind Arztpraxen in die Krisenvorsorge eingebunden?

Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind für die ambulante Versorgung der Bevölkerung zuständig. Das bleiben sie auch im Katastrophenfall. Eigene Vorbereitungen der Praxen sind aber kaum zu erwarten. Sie müssten dann ja Material einlagern, was im Behandlungsauftrag nicht vorgesehen ist. Deshalb finanziert das auch keiner. Wenn sich ab dem Spannungsfall das Wehrpflichtrecht ändert und Ärzte eingezogen würden, fehlen dann noch mehr Ärzte in der ambulanten Versorgung.

Sind die Krankenhäuser auf Großschadensereignisse vorbereitet?

Bauliche Vorgaben für Krankenhäuser im Zusammenhang mit dem Bündnis- und Verteidigungsfall beziehungsweise Terrorismus gibt es nicht. Deshalb geschieht an dieser Stelle wenig. Die Antwort auf die Frage, ob die Krankenhäuser im Ernstfall gut vorbereitet sind, lautet: Nein! Die Länder haben ein Milliardendefizit in der Krankenhausfinanzierung aufgehäuft. Und die Krankenhäuser selbst haben kein Geld dafür, um sich zum Beispiel um Vorratshaltung oder geschützte OP-Säle für den Ernstfall zu kümmern.

Der Jahresstart für die professionelle Pflege

Die Resilienz des Gesundheitssystems im Krisen- und Katastrophenfall ist auch Thema beim Kongress Pflege 2026. Springer Medizin und Springer Pflege veranstalten den Kongress zusammen mit dem Deutschen Pflege-Recht-Tag am 30. und 31. Januar 2026 in Berlin. Erwartet werden rund 1700 Teilnehmer. Eröffnet wird der Kongress von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Weitere Informationen

Und wie sieht es bei der ambulanten Pflege aus?

Die hat gar keiner auf dem Schirm. Auch die Feuerwehren sind da, abgesehen von einzelnen lokalen Initiativen, nicht informiert. Fragen zur Vorbereitung der ambulanten Pflege auf Großschadensereignisse sind völlig ungeklärt. Das hat man zuletzt in Berlin gesehen. Wenn der Strom ausfällt, stellt sich ja immer die Frage, was zum Beispiel mit den Heimbeatmeten ist und wer sich um Belange von Pflegebedürftigen kümmert.

Unser Interviewpartner, Professor Dr. med. habil. Jörg Klewer, forscht an der Westsächsischen Hochschule Zwickau zum Management im Gesundheits- und Pflegesystem. (af)

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