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Weniger Wissen

Studie: Drei Viertel scheitern an Flut von Gesundheitsinfos

Die Gesundheitskompetenz der Bundesbürger hat sich einer Studie der TU München zufolge weiter verschlechtert. Die Folge: Mehrkosten in Milliardenhöhe.

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75 Prozent der Deutschen haben Schwierigkeiten, sich im Dickicht der Gesundheitsinformationen zurecht zu finden.

75 Prozent der Deutschen haben Schwierigkeiten, sich im Dickicht der Gesundheitsinformationen zurecht zu finden.

© Marco2811 / stock.adobe.com

München. Die Gesundheitskompetenz der deutschen Bevölkerung hat sich einer Studie zufolge auf ohnehin niedrigem Niveau weiter verschlechtert. Nur noch ein Viertel der Erwachsenen findet sich demnach gut im Dickicht gesundheitsrelevanter Informationen zurecht.

Rund 75 Prozent hingegen haben erhebliche Schwierigkeiten, Informationen etwa zur Prävention oder zur Behandlung von Krankheiten zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und auf die eigene Lebenssituation anzuwenden, heißt es in der repräsentativen Studie der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit der „Apotheken Umschau“.

Die Folge seien nach den jüngsten vorliegenden Daten allein im Jahr 2022 Mehrkosten von bis zu 24 Milliarden Euro gewesen, erläuterte Co-Autor Kai Kolpatzik vom Wort & Bild Verlag in München. Denn Menschen mit einer geringen Gesundheitskompetenz seien häufiger und länger krank, nähmen häufiger Notfalldienste in Anspruch, würden öfter im Krankenhaus behandelt und folgten Behandlungsempfehlungen seltener.

WHO: Drei bis fünf Prozent an Mehrausgaben

Bei den Betroffenen hapere es nicht nur bei Entscheidungen bezüglich der eigenen Gesundheit oder der von engen Familienangehörigen wie den eigenen Kindern. Sondern auch bei der Orientierung im Gesundheitssystem generell und bei der Inanspruchnahme von Leistungen, schilderte Kolpatzik.

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge beliefen sich die Folgekosten mangelnder Gesundheitskompetenz auf drei bis fünf Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen.

Kolpatzik zog daher das Fazit: „In einer Zeit, in der automatisierte Chatbots mit gezielten Fehlinformationen arbeiten und Fake-News salonfähig geworden sind, dürfen wir nicht abwarten und hoffen, dass die Menschen sich schon irgendwie im Informationsdschungel zurechtfinden und gute Entscheidungen treffen.“

Massiver Rückgang der Kompetenz binnen eines Jahrzehnts

Die Gesundheitskompetenz in Deutschland ist den Daten zufolge binnen eines Jahrzehnts enorm gesunken: 2014 lag der Anteil der Menschen, die sich im Informationsdschungel nicht zurechtfinden, noch bei gut 54 Prozent. 2020 war er auf 64 Prozent gestiegen. Inzwischen sind es 75,8 Prozent, wie die vergangenen Sommer durchgeführte Online-Befragung ergab.

Die Schwierigkeiten bestünden dabei in allen Gesellschaftsgruppen, unabhängig von Migrationshintergrund, Bildung, Beschäftigungsstatus oder Haushaltseinkommen, erläuterte TUM-Expertin Alexandra Fretian. „Es hat eine Verschiebung stattgefunden, dass etwa auch Menschen mit hoher Bildung Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen erleben.“

Allerdings zeige sich, dass Menschen über 60 Jahre und Menschen aus Ostdeutschland im Schnitt bessere Werte hätten.

Lotsensystem und bessere Medienkompetenz kann helfen

Zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz formulierten die Studienautoren zehn Forderungen an die Politik, die von Gesundheitsbildung und Stärkung der Medienkompetenz von Kindern über den Aufbau eines Lotsensystems und barrierearme Kommunikation für eine bessere Orientierung im Gesundheitswesen bis hin zur Verankerung von Maßnahmen zur Gesundheitskompetenz in allen Politikbereichen reichen. (dpa)

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