Direkt zum Inhaltsbereich

Kommentar zu Chefarzt-Boni

Irrweg der Ordnungspolitik

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:

Mengenorientierte Leistungsanreize für leitende Krankenhausärzte sind ein Irrweg. Dass Marburger Bund und Bundesärztekammer (BÄK) sich in einer Art konzertierter Aktion gegen die Chefarzt-Boni stemmen, ist daher nur zu loben.

Gut zehn Jahre nach der Einführung des DRG-Systems dämmert es der Branche langsam, wie viel Platz das ärztliche Ethos dem betriebswirtschaftlichen Denken moderner Krankenhausverwalter bereits eingeräumt hat.

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin beklagte im Juli die neue Terminologie: Krankheiten hätten Warencharakter angenommen, Ärzte würden als Anbieter bezeichnet.

Ein von den Kassen in Auftrag gegebenes Gutachten brachte im Sommer Patienten und Stückkosten in einen unmittelbaren Zusammenhang.

Der Arzt hat in diesem schleichenden Prozess der Ökonomisierung viel von seinem Gewicht in den und seinem Einfluss auf die früheren Einrichtungen der Daseinsfürsorge und heutigen Krankenhauskonzerne verloren.

Diesen Prozess wollen Ärzteverbände und Standesorganisationen nun stoppen. Ein Hebel ist die Attacke auf die Chefarzt-Boni. Zu nahe geraten die auf die Produktion von Menge angewiesenen Operateure an die Grenze von Korruption, manche möglicherweise darüber hinaus.

Die BÄK ist längst überzeugt, dass Boni den Patienten schaden. Und damit auch dem Ansehen der Ärzte in der Öffentlichkeit.

Darüber dürfen zwei Punkte nicht vergessen werden. Erstens: Es sind Ärzte, die die umstrittenen Verträge unterschreiben. Sich für die wirtschaftlichen Risiken von Klinikunternehmen in Mithaftung nehmen zu lassen, kann gegenüber den Mitbewerbern einen Vorteil bedeuten.

Zweitens: Die Ordnungspolitik versagt, weil sie wirtschaftliches Denken und verantwortungsvolles ärztliches Handeln nicht integrieren kann oder nicht zusammenbringen will.

Sie stellt die Kliniken in den ruinösen Wettbewerb, der die Missverhältnisse zwischen Morbidität und möglicherweise durch Chefarzt-Boni ausgelösten Operationszahlen erst erzeugt.

Lesen Sie dazu auch den Bericht: BÄK plant: Pranger für Chefarzt-Verträge

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Task Force GOÄ

Laborverbände: GOÄ-Novelle setzt Fachlabore extrem unter Druck

Kooperation | In Kooperation mit: Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) e.V.
Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo Cardisio

© oxyven

Oxyven

Intravenöse Sauerstofftherapie mit Applimed-O2 1000

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Erfahrungsberichte aus ärztlicher Perspektive

DiGADocs: Hausärzte testen Digitale Gesundheitsanwendungen für Kollegen

Klassifikation von Herztönen nach Auskultation

Zusammenarbeit Mensch und KI: Das Vertrauen kann täuschen

Lesetipps
Richterhammer und Klemmbrett

© Andrii / Stock.adobe.com

Interview

EU AI Act: Was die neuen Transparenzpflichten für Praxen bedeuten

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus

© iLexx / Getty images / iStock

Vergleich der Kreise

Wo MRSA-Infektionen besonders häufig sind