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WidO-Qualitätsmonitor

Patienten zu oft in falscher Klinik

Experte fordert: Leistungserbringung muss besser gesteuert und stärker konzentriert werden.

Veröffentlicht:

BERLIN. Viele Patienten in Deutschland kommen in die falsche Klinik. Das gilt für Patienten mit Herzinfarkt ebenso wie für Brustkrebspatientinnen, wie der neue Qualitätsmonitor 2017 zeigt.

Für den Bericht hat der Gesundheitswissenschaftler und Qualitätsexperte Professor Thomas Mansky von der TU Berlin die Versorgungsstrukturqualität der Kliniken in Deutschland für sechs verschiedene Indikationen untersucht. Sein Ergebnis: "Die Strukturen sind zum Teil nicht geeignet."

Große Defizite bei Herzpatienten

Beispiel Herzinfarkt: Die Leitlinien sehen eine Linksherzkatheteruntersuchung innerhalb einer Stunde nach Einlieferung in ein Krankenhaus vor. Doch fast jeder Zehnte von insgesamt 230.000 Infarktpatienten ist 2014 in einem Krankenhaus versorgt worden, das keinen Linksherzkatheter vorhält.

"Wir haben keinen Mangel an Linksherzkathetern, aber die Patienten landen nicht dort, wo sie hinmüssten", sagte Mansky bei der Vorstellung des Monitors. Ein Viertel der untersuchten Krankenhäuser, die an der Herzinfarkt-Versorgung mitwirken, betreute im ganzen Jahr weniger als 34 Patienten.

Manskys Fazit: "Man kann die Versorgung optimieren, wenn man dafür sorgt, dass im Rettungsdienst die richtigen Kliniken angesteuert werden."

Zu wenig praktische Erfahrung

Beispiel Brustkrebs: Zur Diagnosesicherung vor einer OP sehen die Leitlinien eine Biopsie vor. Außerdem fordern selbst die großzügigsten Leitlinien ein Minimum von 50 Eingriffen pro Jahr. Doch "die Hälfte der Kliniken liegt unter dem niedrigsten geforderten Wert", so Mansky.

In den Kliniken mit wenigen Fällen werden vier von zehn Frauen nicht biopsiert. "Das verdeutlicht, dass wir eine erhebliche Diskrepanz haben zwischen Versorgungswirklichkeit und fachlich konsentierten Anforderungen", sagte Mansky.

Handlungsbedarf sieht der Qualitätsexperte vor allem hinsichtlich einer besseren Leistungssteuerung und –konzentration im Rahmen der Krankenhausplanung. "Die Unterschiede zwischen den Bundesländern verdeutlichen, dass die Handlungsspielräume nicht ausgeschöpft sind", so Mansky.

Auch der Vorstandsvorsitzende des AOK Bundesverbands Martin Litsch appellierte an die Bundesländer, den Qualitätsmonitor für ihre Krankenhausplanung zu nutzen. "Hier ist eine Konzentration zwingend notwendig, dann steigt auch die Wirtschaftlichkeit", sagte er.

"Es muss der politische Wille vorhanden sein", ergänzte Ulf Fink, Vorsitzender des Verein Gesundheitsstadt Berlin, der den Monitor zusammen mit dem wissenschaftlichen Institut der Ortskrankenkassen (WIdO) herausgibt. (ami)

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