Wer, wann, womit?
Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung
Welcher Impfstoff für welchen Patienten, wann ist der richtige Zeitpunkt und wen sollte ich ansprechen? Die wichtigsten STIKO-Empfehlungen zu Impfstoffwahl, aktueller Zusammensetzung, Timing und Indikationen im Überblick.
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Die saisonale Influenza stellt eine erhebliche gesundheitliche Belastung dar – insbesondere für Personen mit Grunderkrankungen, ältere Menschen sowie das Gesundheitssystem insgesamt. In der ärztlichen Praxis ergeben sich jedes Jahr zentrale Fragen zur Influenzaimpfung – verstärkt durch sich verändernde Empfehlungen sowie neue Impfstoffzusammensetzungen und sichtbar in weiterhin unzureichenden Impfquoten in relevanten Zielgruppen. Der folgende Überblick fasst die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), Stellungnahmen von WHO und EMA sowie relevante epidemiologische Aspekte praxisnah zusammen.
Wen impfen? – Aktuelle STIKO-Zielgruppen im Überblick
Die Influenzaimpfung richtet sich an vielfältige Risikogruppen. Wichtig ist die Impfung beispielsweise für Schwangere – ab dem zweiten Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge von Grunderkrankungen bereits ab dem ersten Trimenon (1). Eine Influenza-Impfung während der Schwangerschaft schützt nicht nur die werdende Mutter vor schweren Krankheitsverläufen, sondern vermittelt über transplazentare Antikörper einen passiven Schutz des Neugeborenen in den ersten Lebensmonaten (2). Ebenfalls zentral ist die Impfung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ab sechs Monaten mit chronischen Grunderkrankungen – insbesondere bei
- Erkrankungen der Atemwege (z.B. Asthma, COPD),
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- Diabetes mellitus,
- Leber- oder Nierenerkrankungen,
- neurologischen Erkrankungen und
- angeborener oder erworbener Immundefizienz. (1)
Für diese Patientengruppen kann eine Influenza-Infektion besonders schwerwiegend verlaufen und zu Komplikationen führen.
Praxistipp: Impfgelegenheiten aktiv nutzen
Viele Patienten mit chronischen Erkrankungen haben regelmäßige Kontrolltermine – ideale Gelegenheiten, um den Impfstatus zu prüfen und die Influenzaimpfung anzubieten. Auch im Rahmen der Schwangerenvorsorge sollte die Impfung ab dem 2. Trimenon routinemäßig angesprochen werden.
Darüber hinaus wird die jährliche Influenzaimpfung von der STIKO als Standardimpfung für alle Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr empfohlen (1). Ein Fokus liegt dabei auf Bewohnenden von Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie auf Personen, die als mögliche Infektionsquelle besonders gefährdete Menschen betreuen oder mit ihnen im selben Haushalt leben (1). Auch medizinisches und pflegerisches Personal sowie Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr sollten geimpft werden, um sowohl den Eigenschutz als auch den Schutz Dritter zu gewährleisten (1).
Seit 2025 neu in den Empfehlungen ist die explizite Einbeziehung von Personen, die im beruflichen oder privaten Umfeld regelmäßig und direkt Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln oder Robben haben (1, 3). Hintergrund ist die veränderte epidemiologische Situation mit einer zunehmenden Bedeutung zoonotischer Influenzaviren. Die Impfung dient hierbei nicht dem Schutz vor aviärer oder porciner Influenza, kann jedoch das Risiko von Doppelinfektionen mit saisonalen Influenzaviren und damit potenzielle Reassortment-Ereignisse reduzieren (3).
Wann impfen? – Optimales Timing in der Praxis
Die saisonale Influenzaimpfung sollte üblicherweise im Herbst vor Beginn der Influenzawelle erfolgen, was in der Praxis häufig den Zeitraum von Oktober bis Dezember umfasst (1). Nach der Impfung dauert es etwa 10 bis 14 Tage bis der Schutz vollständig wirksam ist (4). Ziel ist es, einen belastbaren Immunschutz vor Beginn der Influenzawelle aufzubauen. Gleichzeitig gilt, dass eine Influenzaimpfung auch zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll ist, solange Influenzaviren zirkulieren. Jede sich bietende Impfgelegenheit sollte daher genutzt werden.
Welcher Impfstoff für welchen Patienten?
Die STIKO empfiehlt eine differenzierte Impfstoffwahl unter Berücksichtigung von Alter und individueller Risikokonstellation (1).
Personen unter 60 Jahren mit Impfindikation:
Bei Schwangeren, chronisch Kranken und anderen Risikogruppen unter 60 Jahren kommen inaktivierte Influenza-Totimpfstoffe mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination zum Einsatz (1, 5). Diese Standardimpfstoffe (Ei- oder zellbasiert) bieten einen zuverlässigen Schutz bei guter Verträglichkeit und sind für die breite Anwendung in allen Altersgruppen geeignet. Für Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis 17 Jahren stehen – bei Fehlen von Kontraindikationen – attenuierte Influenza-Lebendimpfstoffe zur nasalen Anwendung zur Verfügung (1). Kinder unter neun Jahren, die erstmals gegen Influenza geimpft werden, benötigen zwei Impfstoffdosen im Abstand von mindestens vier Wochen, um einen ausreichenden Immunschutz aufzubauen (1).
Personen ab 60 Jahren:
Für Personen ab 60 Jahren wird bevorzugt die Anwendung eines Hochdosis-Influenzaimpfstoffs oder eines MF-59-adjuvantierten Impfstoffs empfohlen. Beide Impfstofftypen zeigen in dieser Altersgruppe eine verbesserte Immunogenität und eine höhere Wirksamkeit im Vergleich zu Standardimpfstoffen (1, 6, 7). Sofern diese Impfstoffe aus medizinischen Gründen nicht eingesetzt werden können, etwa bei ausgeprägter Reaktogenität in der Vorgeschichte, kann alternativ ein inaktivierter Standardimpfstoff verwendet werden (1).
Trivalent statt quadrivalent – was ändert sich bei der Impfstoffzusammensetzung?
WHO, EMA und STIKO haben für die Influenzasaison 2025/2026 eine Umstellung von quadrivalenten auf trivalente Influenzaimpfstoffe empfohlen (5, 8, 9). Die trivalenten Impfstoffe enthalten weiterhin zwei Influenza-A-Stämme, A(H1N1) und A(H3N2), sowie einen Influenza-B-Stamm der Victoria-Linie. Auf die bislang in quadrivalenten Impfstoffen enthaltene B/Yamagata-Linie wird verzichtet.
Diese Anpassung basiert auf internationalen virologischen Surveillance-Daten, nach denen seit März 2020 kein natürlich zirkulierendes B/Yamagata-Virus mehr nachgewiesen wurde (5). Aus epidemiologischer und klinischer Sicht ist durch den Verzicht auf die B/Yamagata-Komponente kein relevanter Verlust an Schutzwirkung zu erwarten, da die weiterhin enthaltenen Stämme das aktuelle Zirkulationsgeschehen vollständig abbilden. (5, 8, 9).
Für die Saison 2026/2027 hat die WHO am 27. Februar 2026 aktualisierte Stammempfehlungen bekanntgegeben (10). Alle drei Komponenten wurden angepasst, die trivalente Struktur beibehalten. Epidemiologisch prägend war in der Saison 2025/26 die rasche globale Ausbreitung einer neuen A(H3N2)-Variante, der sogenannten Subklade K, die in vielen Ländern zu einem frühen Saisonbeginn und überdurchschnittlicher Aktivität führte.
Koadministration – welche Kombinationen sind möglich?
Die Influenzaimpfung kann grundsätzlich zeitgleich mit anderen Totimpfstoffen verabreicht werden, darunter Impfungen gegen COVID-19, Pneumokokken, Herpes zoster oder RSV, sofern eine entsprechende Indikation besteht. Dabei sollten unterschiedliche Injektionsstellen gewählt und die jeweiligen Fachinformationen beachtet werden (1).
Konsequente Umsetzung in der Praxis
Trotz klarer Empfehlungen bestehen in der täglichen Versorgung weiterhin relevante Hürden bei der Umsetzung der Influenzaimpfung. Der Impfstatus wird insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen sowie in der Schwangerschaft nicht immer systematisch erhoben, und Zuständigkeiten zwischen hausärztlicher und fachärztlicher Versorgung sind häufig unklar. Zudem erfolgt die Impfempfehlung nicht selten getrennt von der tatsächlichen Durchführung, sodass zusätzliche Termine erforderlich werden und Impfgelegenheiten verloren gehen.
Diese Umsetzungslücken spiegeln sich in den weiterhin unzureichenden Impfquoten wider. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland lebt mit mindestens einer chronischen Erkrankung und weist damit ein erhöhtes Risiko für schwere Influenzaverläufe auf (11). Dennoch ist unter chronisch erkrankten Erwachsenen im Alter von 18 bis 59 Jahren aktuell nur etwa jede zehnte Person gegen Influenza geimpft (12), obwohl Studien eine klare Reduktion von Morbidität und Mortalität durch die Impfung zeigen.
Auch bei Schwangeren besteht trotz eindeutiger STIKO-Empfehlung ein erheblicher Nachholbedarf. In der Saison 2024/2025 lag die bundesweite Influenza-Impfquote bei Schwangeren bei lediglich 23 % (13), obwohl Schwangere und ihre ungeborenen beziehungsweise neugeborenen Kinder ein erhöhtes Risiko für Hospitalisierungen und schwere Krankheitsverläufe aufweisen (14).
Für eine wirksame Prävention müssen die bestehenden Empfehlungen konsequent in den Praxisalltag integriert werden. Experten empfehlen dabei ein Bündel an Maßnahmen — von der praxisinternen Organisation über gezielte Patientenkommunikation bis hin zum systematischen Einsatz digitaler Impfmanagement-Tools.
Praxistipps: Influenzaimpfung konsequent umsetzen
Mod. nach Bettenworth D, Frühwein MN, Hoff P, Schelling J, Weinke T. Influenza-Impflücken bei jungen Chronikern: Wie gelingt die Wende? audimax Arzt & Wirtschaft. 2025;01.
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Literatur
1) Robert Koch Institut. Epidemiologisches Bulletin. 2026;4:14–15, https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2026/04_26.pdf?__blob=publicationFile&v=3, abgerufen am 05.02.2026.
2) Robert Koch-Institut. Indikationsgruppen für die Influenzaimpfung. Stand: 04.12.2025, https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Influenza/FAQ_Liste_Indikationsgruppen.html, abgerufen am 05.02.2026.
3) Robert Koch Institut. Epidemiologisches Bulletin. 2025;29; 11-13, https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/29_25.pdf?__blob=publicationFile&v=6, abgerufen am 05.02.2026.
4) Robert Koch-Institut. Schutzimpfung gegen Influenza – Antworten auf häufig gestellte Fragen. Stand: 05.12.2025, https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Influenza/FAQ-Liste_gesamt.html, abgerufen am 04.03.2026.
5) World Health Organization (WHO) (2024): Recommended composition of influenza virus vaccines for the 2024-2025 northern hemisphere influenza season. https://www.who.int/publications/m/item/recommended-composition-of-influenza-virus-vaccines-for-use-in-the-2024-2025-northern-hemisphere-influenza-season, abgerufen am 05.02.2026.
6) Robert Koch Institut. Epidemiologisches Bulletin. 2021;01; https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2021/01_21.pdf?__blob=publicationFile, abgerufen am 05.02.2026.
7) Robert Koch Institut. Epidemiologisches Bulletin. 2024;44; https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2024/44_24.pdf?__blob=publicationFile, abgerufen am 05.02.2026.
8) European Medicines Agency (EMA) (2024): Replacement of quadrivalent seasonal influenza vaccines with trivalent vaccines in the EU. https://www.ema.europa.eu/en/documents/other/replacement-quadrivalent-seasonal-influenza-vaccines-trivalent-vaccines-eu_en.pdf, abgerufen am 05.02.2026.
9) Robert Koch-Institut (RKI) (2024): Epidemiologisches Bulletin Nr. 31. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2024/31_24.pdf?__blob=publicationFile&v=2, abgerufen am 05.02.2026.
10) World Health Organization (WHO) (2026): Recommendations for influenza vaccine composition for the 2026-2027 northern hemisphere influenza season. https://www.who.int/news/item/27-02-2026-recommendations-for-influenza-vaccine-composition-for-the-2026-2027-northern-hemisphere-season, abgerufen am 04.03.2026.
11) Ärzteblatt. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist chronisch krank, 28.09.2020. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/116897/Mehr-als-die-Haelfte-der-deutschen-Bevoelkerung-ist-chronisch-krank, abgerufen am 05.02.2026.
12) Berechnung auf Grundlage von: Robert Koch-Institut (2025). VacMap – Dashboard zum Impfgeschehen in Deutschland. https://www.rki.de/vacmap, Personen mit Grunderkrankungen Grippesaison 2023/2024, abgerufen am 24.07.2025.
13) Robert Koch-Institut (2025). VacMap – Dashboard zum Impfgeschehen in Deutschland. https://public.data.rki.de/t/public/views/VacMap/Preg_Maindashboard, Schwangere Grippesaison 2024/2025, abgerufen am 04.03.2026.
14) Mertz D, Lo CK, Lytvyn L, Ortiz JR, Loeb M; FLURISK-INVESTIGATORS. Pregnancy as a risk factor for severe influenza infection: an individual participant data meta-analysis. BMC Infect Dis. 2019;19(1):683. doi:10.1186/s12879-019-4318-3.
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