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Interview

Eine neue Kultur des Zuhörens in der Pflege

Was macht interdisziplinäres Arbeiten in der Pflege aus? Dr. Frank Hanke, Polypharmazie-Experte und Geschäftsführer der Gero PharmCare GmbH, hat die Antwort.

Veröffentlicht:

Herr Dr. Hanke, wie würden Sie die Kernidee der OAV umschreiben?

Dr. Frank Hanke: Die Arzneimittelversorgung für pflegebedürftige Senioren braucht eine grundständig neue Qualität, um Schäden bei Patienten zu reduzieren. In Zeiten des demografisch-digitalen Wandels muss Pflege vor Ort insbesondere von Ärzten, Apothekern und Angehörigen gestärkt werden.

Dies geschieht im OAV-Projekt durch eine neue Kultur der Zusammenarbeit und des Zuhörens, ein gemeinsames Bildungswesen und eine klinisch evaluierte Software-Assistenz.

Interdisziplinäres Arbeiten ist also mehr als multiprofessionelles Arbeiten?

Hanke: Ja. Interdisziplinär heißt: Ich weiß um die Sichtweisen der anderen Professionen und nicht nur meine eigene. Und wir lernen voneinander. Beim Thema Polypharmazie ist eine verbesserte Risikokommunikation zwischen allen Beteiligten ebenso wichtig wie die interdisziplinäre Qualifikation.

Daher durchlaufen die am Modell beteiligten Berufsgruppen vor Ort eine berufsintegrierte betriebliche und Hochschulweiterbildung der praktischen Geriatrie.

Wie können die Pflegeeinrichtungen profitieren?

Hanke: Unerwünschte Arzneimittelereignisse, UAE, kosten Zeit. Pro vermeidbarer UAE entstehen im Schnitt 60 Stunden Mehraufwand. Überflüssige Medikamentengaben, Verwaltung und Dokumentationen binden zusätzlich weitere Pflegezeiten.

Und: Durch die neue Form der Kooperation mit Ärzten und Apothekern werden die Kernprobleme der medikamentösen Versorgung – zu viel, zu lang, zu hoch – mit großen Vorteilen für die Pflegebedürftigen gelöst. Alle profitieren also. (hom)

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