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STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Influenza ist für Kinder keine harmlose Infektion: Komplikationen wie Pneumonie oder Mittelohrentzündung treffen vor allem die Jüngsten. Eine Fachkommission empfiehlt nun, alle Kinder ab 6 Monaten zu impfen, um Krankheitslast und Risiken zu senken.

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Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

Influenza zählt zu den schwersten akuten Atemwegserkrankungen in der Wintersaison in Deutschland. Kinder sind häufiger betroffen als Erwachsene und weisen eine der höchsten Krankheitslasten überhaupt auf (1). Besonders Säuglinge und Kleinkinder erkranken oft schwer, wobei es zu Komplikationen wie Lungenentzündung, Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündungen, Myositis, Herzmuskelentzündungen oder Enzephalitis sowie zum Tod kommen kann (2-4). Frühgeborene sowie Kinder mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, Immundefizienz oder Adipositas haben ein noch höheres Risiko für eine Hospitalisierung (3, 5).

Bisherige Empfehlungen werden Krankheitslast nicht gerecht

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt derzeit die Grippeimpfung für Risikogruppen, darunter auch Kinder mit Vorerkrankungen ab 6 Monaten (6). Obwohl Kinder (auch gesunde) generell die höchste Krankheitslast tragen, verbunden mit einem relevanten Risiko für Komplikationen und Hospitalisierungen, sind sie bislang nicht in der Empfehlung inbegriffen.

Gleichzeitig bleiben die Impfquoten in dieser Altersgruppe niedrig, sogar bei Kindern und Jugendlichen mit Vorerkrankungen. In den Jahren 2009 bis 2018 ließen sich nie mehr als 20 % dieser Risikogruppe gegen Influenza impfen (7, 8).

Konsenspapier fordert Impfung aller Kinder an 6 Monaten

Die Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen im Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit e. V. (Bündnis KJG) empfiehlt eine allgemeine Influenzaimpfung für alle Kinder und Jugendlichen ab 6 Monaten (4). Damit reagiert sie auf die hohe Krankheitslast, die häufig unterschätzten Komplikationen und die niedrigen Impfquoten in dieser Altersgruppe. Ziel ist es, Kinder konsequent vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen und zugleich ihr unmittelbares Umfeld – von Familien bis zu Bildungseinrichtungen – besser abzusichern.

Um die allgemeine Impfempfehlung für Kinder wirksam umzusetzen, weist die Kommission auf mehrere begleitenden Maßnahmen hin. Neben dem etablierten Injektionsimpfstoff, der für alle Kinder ab 6 Monaten zur Verfügung steht, soll auch der nasale Lebendimpfstoff ab 2 Jahren breiter zugänglich sein, sodass Familien, wenn notwendig eine kindgerechte Alternative wählen können. Darüber hinaus fordert die Kommission, Adipositas ausdrücklich als Risikofaktor in die Impfindikationen aufzunehmen, da übergewichtige Kinder ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. Um Kinder zusätzlich zu schützen, soll auch das gesamte Personal in Kindertagesstätten und Schulen regelmäßig geimpft werden. Flankierend empfiehlt die Kommission Aufklärungskampagnen, die Eltern, Ärztinnen und Ärzte sowie Einrichtungen gezielt ansprechen, um bestehende Hemmschwellen zu verringern und Impflücken zu schließen.

Anschluss an internationale Praxis

Internationale Empfehlungen zeigen unterschiedliche Ansätze im Umgang mit der Influenzaimpfung im Kindesalter: In den USA wird bereits die Impfung aller Kinder ab 6 Monaten empfohlen (9). Auch in Österreich gilt die Empfehlung für Kinder von 6 Monaten bis 15 Jahren (10). Das Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz spricht sich für die Impfung von Kindern mit erhöhtem Komplikations- oder Übertragungsrisiko aus (11).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt ebenfalls die Impfung gesunder Kinder, insbesondere im Vorschulalter (12). Diese Beispiele verdeutlichen, dass die Diskussion über eine breitere Impfempfehlung für Kinder international bereits geführt wird. Mit der Empfehlung der Kommission rückt dieses Potential auch in Deutschland stärker in den Fokus.

Abb.1. Impf-Empfehlungen für Kinder im internationalen Vergleich (9 -12)

Abb.1. Impf-Empfehlungen für Kinder im internationalen Vergleich (9 -12)

© Viatris-Gruppe Deutschland

Schutz für jedes Kind und die Gesellschaft

Die Empfehlung einer allgemeinen Kinderimpfung ab 6 Monaten stellt eine bedeutende Weiterentwicklung in der Influenza-Prävention dar. Sie trägt dazu bei, Kinder direkt vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen und die Krankheitslast in dieser Altersgruppe und generell zu senken. Ergänzende Maßnahmen wie Impfkampagnen, die Einbeziehung von Bildungseinrichtungen und die klare Benennung gefährdeter Indikationen können helfen, Impflücken zu schließen und die Umsetzung der Empfehlung zu unterstützen.

Literatur

1. Robert Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2022. Berlin: RKI; 2024. https://doi.org/10.25646/12213.2 [Zugriff am 31.12.2025].

2. Albalawi AS, et al. A narrative review. Cureus. 2024;16:e55119.

3. Robert Koch-Institut. Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren. Stand 05.12.2025. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Influenza_saisonal.html [Zugriff am 31.12.2025].

4. Huppertz H-I, Heininger U, von Both U; Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen im Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit e. V. Stellungnahme zur Impfung von Kindern gegen Influenza in Deutschland. Monatsschrift Kinderheilkunde. 2025. doi:10.1007/s00112-025-02212-x. Impfung von Kindern gegen Influenza in Deutschland | Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit. e. V. [Zugriff am 31.12.2025].

5. Gill PJ, Ashdown HF, Wang K, Heneghan C, Roberts NW, Harnden A, Mallett S. Identification of children at risk of influenza-related complications in primary and ambulatory care: a systematic review and meta-analysis. Lancet Respir Med. 2015;3(2):139-149. doi:10.1016/S2213-2600(14)70252-8. Epub 2014 Dec 4. PMID: 25481379. Identification of children at risk of influenza-related complications in primary and ambulatory care: a systematic review and meta-analysis - PubMed [Zugriff am 31.12.2025].

6. Ständige Impfkommission (STIKO). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim RKI. Epid Bull. 2023;4:3–68. Epidemiologisches Bulletin 4/2023 [Zugriff am 31.12.2025].

7. Akmatov MK, Holstiege J, Steffen A, Bätzing J. Inanspruchnahme von Influenzaimpfungen bei chronisch kranken Personen im vertragsärztlichen Sektor – Auswertung der Abrechnungsdaten 2009–2018. Versorgungsatlas-Bericht. 2020;20(03). doi:10.20364/VA-20.03. VA_20-03_Bericht-Influenzaimpfung_2020-06-26.pdf [Zugriff am 31.12.2025].

8. Grundhewer H. Jährliche Influenza-Impfungen: Teilnahme von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen. Kinder- und Jugendarzt. 2020;51:3. KJA_3-2020_Web.pdf [Zugriff am 31.12.2025].

9. American Academy of Pediatrics, Committee on Infectious Diseases. Recommendations for prevention and control of influenza in children. Pediatrics. 2023;152:e2023063772. Recommendations for Prevention and Control of Influenza in Children, 2025–2026: Technical Report | Pediatrics | American Academy of Pediatrics [Zugriff am 31.12.2025].

10. Bundesministerium Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Impfplan Österreich. Wien: BMSGPK; 5. September 2023. Impfplan Österreich 2023_2024 des BMSGPK.pdf [Zugriff am 31.12.2025].

11. Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Eidgenössische Kommission für Impffragen. Schweizerischer Impfplan 2023. Bern: BAG; 2023. impfplan_2023_schweiz.pdf [Zugriff am 31.12.2025].

12. World Health Organization (WHO). Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2024–2025 northern hemisphere influenza season. Geneva: WHO; 2024. Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2024-2025 northern hemisphere influenza season [Zugriff am 31.12.2025].

13. World Health Organization (WHO). Seasonal Influenza Vaccines: An Overview for Decision-Makers. Geneva: WHO; 2023, S. 3. Verfügbar unter: https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/336951/9789240010154-eng.pdf [Zugriff am 31.12.2025].

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