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Migräne

Akupunktur zur Prävention?

Akupunktur kann die Häufigkeit von Migräne- und Spannungskopfschmerz-Attacken reduzieren. Bei okzipital und nuchal betonten Schmerzen scheint sie besonders gut zu wirken. Erkenntnisse der Neuroanatomie könnten das erklären.

Von Thomas M. Heim Veröffentlicht:

FREUDENSTADT. Die Wirksamkeit von Akupunktur in der Prophylaxe von Kopfschmerzattacken ist durch Metaanalysen randomisiert kontrollierter Studien bei Patienten mit Migräne oder Spannungskopfschmerz belegt. "Wer an der Wirkung der Akupunktur immer noch zweifelt, hat die Literatur nicht gelesen oder sie nicht verstanden", betonte Dr. Wolfram Stör, Lehrbeauftragter für Akupunktur und für Allgemeinmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, beim Kongress des Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin (ZAEN) in Freudenstadt.

Auch die S1-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie bestätigen diese Aussage, zumindest hinsichtlich der Migräneprophylaxe – wenn auch mit der Einschränkung, eine Scheinakupunktur sei genau so wirksam wie eine Akupunktur nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin.

Stör sieht diesen Einwand nun durch eine Cochrane-Metaanalyse entkräftet, in der man eine zwar kleine, aber doch statistisch signifikante Überlegenheit in der Wirksamkeit der lege artis durchgeführten Akupunktur gegenüber der Scheinakupunktur fand (Cochrane Database Syst Rev 2016; 6:CD001218).

Bei Kopfschmerz häufig betroffen sind Stör zufolge die Yang-Leitbahnen der lateralen Achse, also Dickdarm/Magen (Yang Ming), Dreifach-Erwärmer/Gallenblase (Shao Yang) und Dünndarm-Blase (Tai Yang). Abzugrenzen sei der Jue Yin Kopfschmerz, der mit dem Leberfunktionskreis in Verbindung gebracht wird. Beim Kopfschmerz als "Innenkrankheit" unterscheide man:

» aufsteigendes Leber Yang: "Die Hitze steigt auf zu Kopf, Augen und Mund."

» Leere-Hitze-Krankheit: "Die Hitze bleibt, die Schwäche kommt dazu."

» Innere Feuchtigkeit: Der Kopf ist schwer."

Letztere Symptomatik sei, so Stör, oft mit der Milz-Leitbahn assoziiert und verlaufe in der Regel "nicht so dramatisch, aber langwierig". Auch die Mikrosysteme, etwa die Ohrakupunktur, könnten bei verschiedenen Kopfschmerzsyndromen zum Erfolg führen.

Ganz neue Möglichkeiten, sich den Wirkmechanismus von Akupunktur und möglicherweise auch anderer an der Außenseite des Schädels ansetzender Reflextherapien auf neurophysiologischer Ebene zu erklären, ergäben sich aus einer erst vor drei Jahren gemachten Entdeckung: Physiologen der Universität Erlangen haben bisher unbekannte, durch die Schädelnähte laufende Projektionen meningealer Afferenzen in extrakranielles Gewebe wie Schädelperiost und perikranielle Muskulatur nachgewiesen. Diese extrakraniellen Nervenenden können sowohl nozizeptive als auch propriozeptive Funktionen erfüllen und sind möglicherweise für bislang nur unzureichend verstandene kopfschmerzfördernde Effekte extrakranieller Faktoren verantwortlich.

Interessant erscheint in diesem Kontext, dass eine Akupunkturbehandlung nach Störs Erfahrung bei Patienten mit nacken- oder hinterkopfbetontem Schmerz besonders gute Erfolgschancen hat.

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