„Allianz für Frauengesundheit“ gegründet
Breites Bündnis will nationale Strategie für Frauengesundheit etablieren
Mit der „Allianz für Frauengesundheit“ wollen Akteurinnen aus Gesundheitswesen, Wissenschaft und Politik die Frauengesundheit voranbringen. Gefordert werden eine gerechtere Versorgung und Forschung, bessere Daten und eine nationale Strategie.
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Die parlamentarische Staatssekretärin Dr. Christiane Schenderlein begrüßt die Gründung der „Allianz für Frauengesundheit“ auf deren Gründungsveranstaltung.
© Maren Strehlau / m2fotografie
Berlin. Mit der Gründung der Allianz für Frauengesundheit hat sich ein neues, bundesweites Bündnis aus Akteurinnen aus Gesundheitswesen, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft formiert. Ziel der Allianz ist es, geschlechterspezifische Aspekte stärker in der Forschung und medizinischen Versorgung zu verankern. Bis Herbst 2027 soll eine nationale Strategie für Frauengesundheit erarbeitet werden.
Frauengesundheit sei kein Nischenthema, sondern eine zentrale Frage einer zukunftsfähigen und gerechten Versorgung, erklärte Mitinitiatorin Cornelia Wanke am Mittwochabend bei der Gründungsveranstaltung in Berlin. Deutschland verfüge bereits über zahlreiche Expertinnen und Experten auf diesem Gebiebt. Nun sei es nötig, diese Kräfte und erfolgreiche Projekte zu bündeln und in konkrete politische Maßnahmen zu übersetzen.
Begründet wird dieser Schritt durch das weiterhin bestehende Defizit in der Gesundheitsversorgung von Frauen. Obwohl die geschlechterspezifischen Unterschiede bereits wissenschaftlich nachgewiesen sind, würden die Belege im medizinischen Alltag viel zu wenig berücksichtigt. Die Initiatorinnen verweisen dabei nicht nur auf gesundheitliche, sondern auch auf wirtschaftliche Folgen. Eine bessere Gesundheitsversorgung von Frauen könnte nach ihren Angaben ein zusätzliches wirtschaftliches Potenzial von rund 46 Milliarden Euro pro Jahr erschließen.
Unterstützung seitens des BMG
Das Bündnis hat sechs Handlungsfelder definiert. Neben einer nationalen Strategie für Frauengesundheit stehen mehr geschlechtersensible Forschung, die Schließung bestehender Versorgungslücken sowie die Stärkung der Gesundheitskompetenz von Frauen auf der Agenda. Zudem fordert die Allianz bessere Rahmenbedingungen für Innovationen, damit die Überführung in die Versorgung schneller gelingen kann.
Erweitertes Verständnis von Risikofaktoren
Geschlechtersensible Versorgung: Warum sie auch in der orthopädischen Reha wichtiger wird
Ausdrücklich begrüßt wird der Zusammenschluss vom Bundesgesundheitsministerium. Die parlamentarische Staatssekretärin Dr. Christiane Schenderlein betonte auf der Gründungsveranstaltung, geschlechtersensible Medizin sei „kein Spezialthema, sondern ein Qualitätsmerkmal moderner Gesundheitsversorgung“.
Allianz für Frauengesundheit
Hinter dem neuen Bündnis, das am Mittwochabend in Berlin gegründet wurde, stehen die Healthcare Frauen, die Spitzenfrauen Gesundheit, nexxt level sowie medconference und der „Runde Tisch der Frauen im Gesundheitswesen“.
Inhaltlich wird die Arbeit der Allianz von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet, der zentrale Themen fachlich einordnet und dafür sorgt, dass die erarbeiteten Handlungsempfehlungen auf belastbarer Evidenz beruhen.
Schenderlein verwies auf mehrere laufende Vorhaben der Bundesregierung. Teil davon sei der Förderschwerpunkt Frauengesundheit, der mit einem Finanzvolumen von bis zu zehn Millionen Euro gesetzt ist. Hinzu kommen Maßnahmen zur besseren Datennutzung in der Forschung sowie eine stärke Verankerung geschlechtersensibler Medizin im Studium. In diesem Herbst sollen außerdem die Ergebnisse des vom Bundesgesundheitsministerium initiierten Dialogprozesses zu den Wechseljahren vorgestellt werden.
Parlamentarischer Abend mit unbequemer Bilanz
Bereits am Montagabend hatte der „Runde Tisch der Frauen im Gesundheitswesen“ eine konsequente, geschlechtersensible Nutzung von Gesundheitsdaten gefordert. Im Rahmen des 5. Parlamentarischen Abend diskutierte der Runde Tisch über die Erfassung und Auswertung geschlechterspezifischer Datensätze. Demnach führen Datenlücken zu einer Versorgungsungleichheit bei Frauen und zu Spät- und Fehldiagnosen.
Um eine strukturelle Veränderungen bei der Nutzung und Auswertung der Gesundheitsdaten voranzubringen, fordert der Runde Tisch eine verpflichtende geschlechterspezifische Datenerfassung. Zudem sollen Kliniken und Kostenträger ihre Versorgungsdaten regelmäßig auswerten und veröffentlichen. Darüber hinaus soll der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) genutzt werden, um Geschlechterdifferenzierung als verbindliches Qualitätsmerkmal zu etablieren. (jtm)



