Herbsttagung
„Nicht auf die nächste Krise warten“: KBV macht sich für resilientere ambulante Versorgung stark
Krisen, Katastrophen und Verteidigungsfälle rücken zunehmend in den öffentlichen Fokus – und den von Ärztinnen und Ärzten. Auf ihrer Herbsttagung wirbt die Kassenärztliche Bundesvereinigung gemeinsam mit der Bundeswehr für mehr Krisenvorsorge.
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Schutzschirm aufspannen: Praxen müssen sich als Rückgrat der Versorgung auf Krisen und Katastophen vorbereiten. (Symbolbild)
© Marcus Brandt/dpa
Berlin. Die ambulante ärztliche Versorgung muss nach Auffassung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des Sanitätsdienstes der Bundeswehr stärker auf Krisen- und Katastrophensituationen vorbereitet sein. Zu Beginn der KBV-Herbsttagung warben KBV-Vizechef Dr. Stephan Hofmeister und die Generalstabsärztin Dr. Almut Nolte für mehr Resilienz durch Informationen und Vernetzung, klare Zuständigkeiten sowie eine engere Zusammenarbeit aller Akteure im Gesundheitswesen.
„Der Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigungen gilt auch im Krisenfall“, stellte Hofmeister fest. Deshalb gehe es vor allem um die Frage, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssten, damit Praxen ihre Arbeit auch unter erschwerten Bedingungen zuverlässig leisten könnten.
Aufmerksamkeit und das „Mindset“, sich dem Thema Resilienz zu stellen, seien vorhanden in den Praxen, so Hofmeister. Den meisten Kolleginnen und Kollegen sowie deren Praxisteams fehle es jedoch an Informationen, wie sie bei einem regionalen oder auch überregionalen Krisenfall vorgehen sollten und welche Anlaufstellen es gebe.
Konkret riet Homeister den Praxen, sich zunächst damit auseinanderzusetzen, welche Praxisabläufe oder Funktionen zum Beispiel bei einem Stromausfall betroffen sein könnten und was in einem solchen Fall zu tun sei. Unterstützung biete hierbei auch die KBV – etwa in Form einer neuen Infobroschüre zu „Vorsorge in Praxen für Krisen und Katastrophen“. Als weitere Service-Angebote würden Checklisten und Muster-Dokumente für die Praxen bereitgestellt.
Positionspapier der SPD
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Grundsätzlich gelte, dass die ambulante ärztliche Versorgung ein wesentlicher Bestandteil für Resilienz sei, so Hofmeister. Das habe auch die Politik – wenn auch zögerlich – anerkannt. Es seien die Praxen, die mit rund 600 Millionen Behandlungsfällen pro Jahr die Hauptlast der medizinischen Versorgung in Deutschland trügen – schon deshalb müssten sie „gut für Krisen gerüstet sein“. Hofmeister verwies dabei auf Erfahrungen aus der Corona-Pandemie.
Kritische Infrastruktur bedroht
Generalstabsärztin Nolte, die stellvertretende Befehlshaberin und Chefin des Stabes beim Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr ist, verwies auf eine Bandbreite möglicher Krisen- und Bedrohungslagen.
Außer militärischen Bedrohungen gehörten Pandemien, Cyberangriffe, Sabotageakte, Naturkatastrophen und die Folgen des Klimawandels dazu. Die Entwicklungen in der Ukraine zeigten, wie stark Angriffe auf Infrastruktur und Gesundheitseinrichtungen die medizinische Versorgung der Menschen beeinträchtigen könnten.
„Wir müssen ein Gesundheitssystem so aufstellen, dass es nicht nur bei Schönwetter funktioniert, sondern auch unter maximaler Belastung standhält. Und das eben über längere Zeit unter Umständen“, betonte Nolte. Entscheidend seien Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, auch unter extremen Bedingungen „handlungsfähig“ zu bleiben.
Wie ein Rechtsrahmen für Krisen- und Zivilschutzresilienz im Gesundheitswesen aussehen soll, dürfte sich im angekündigten Gesundheitssicherstellungsgesetz (GeSiG) niederschlagen. Über das Vorhaben wird seit Jahren diskutiert – ein Referentenentwurf liegt bislang aber nicht vor. (jtm/hom)





