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Weiterbildung

"Rosenheimer Modell" führ mehr ambulante Praxis

Zusammen mit Fachärzten vor Ort organisiert ein Rosenheimer Allgemeinarzt einen ambulanten Weiterbildungsverbund für den allgemeinärztlichen Nachwuchs.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:
Dr. Helmut Muhle, Allgemeinarzt in Rosenheim.

Dr. Helmut Muhle, Allgemeinarzt in Rosenheim.

© Stoschek

ROSENHEIM. "Hausarztmedizin kann man nur dort lernen, wo sie auch praktiziert wird", sagt der Rosenheimer Allgemeinarzt Dr. Helmut Muhle.

Deshalb hat Muhle jetzt die Initiative ergriffen. Angehenden Hausärzten will er zusammen mit Kollegen die Möglichkeit eröffnen, den größten Teil ihrer Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in der ambulanten Versorgung zu absolvieren.

Aus dem Content-Projekt der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung der Universität Heidelberg, in dem von 2006 bis 2009 mehr als 1,5 Millionen Patientenkontakte in der hausärztlichen Praxis ausgewertet wurden, sei bekannt, dass lediglich ein Drittel der Beratungsanlässe beim Hausarzt das Fachgebiet der Inneren Medizin betreffen, erläutert Muhle.

Ein weiteres Drittel entfällt auf Orthopädie und Chirurgie, 14 Prozent betreffen die Pädiatrie.

Fachärzte noch unterrepräsentiert

In der Weiterbildungspraxis spiegele sich dies jedoch kaum wider. Während in der Inneren und in der Allgemeinmedizin überdurchschnittlich viele Weiterbildungsabschnitte finanziell gefördert werden, seien Chirurgie, Orthopädie, Pädiatrie und die anderen Fächer unterrepräsentiert, erklärt der Rosenheimer Allgemeinarzt unter Hinweis auf KV- und Kammer-Statistiken Selbst der Präsident der Bayerischen Ärztekammer räume ein, dass die allgemeinmedizinische Weiterbildung am falschen Ort mit falschen Inhalten stattfinde.

Dass von fünf Jahren Weiterbildung 18 Monate stationär in der Inneren Medizin absolviert werden müssen, sei wohl "unumgänglich". 42 Monate könnte jedoch strukturiert und in einem Rotationsverfahren ambulant abgeleistet werden.

Darauf baut das von Muhle entwickelte "Rosenheimer Modell" auf, in dem künftige Hausärzte bis zu 42 Monate ihrer Weiterbildung in der ambulanten Versorgung absolvieren können.

"Rosenheimer Modell"

In Rosenheim und Umgebung gebe es in wesentlichen Fächern bereits genügend Kollegen mit einer Weiterbildungsermächtigung, die im "Rosenheimer Modell" mitmachen wollten. Mit mehreren Praxen, in denen zum Teil sogar zwischen fünf und acht Fachärzte tätig sind, gebe es bereits Kooperationsverträge.

Mit dabei seien Chirurgie, Orthopädie, Neurologie/Psychiatrie, Dermatologie, Urologie, Augenheilkunde und Strahlenheilkunde. Ein Kinderarzt sowie ein HNO-Arzt mit Belegbetten, der auch operiert, würden demnächst dazukommen.

Er habe das "Rosenheimer Modell" aus seinen Erfahrungen als Hausarzt entwickelt, berichtet Muhle, der seit 20 Jahren niedergelassen ist. Seit 17 Jahren beschäftige er in seiner Gemeinschaftspraxis Weiterbildungsassistenten und wisse daher um die Probleme.

"Was der Hausarzt kennen muss, kann er nur in der ambulanten Versorgung lernen", sagt Muhle, der seit 2005 eine Lehrpraxis an der TU München betreibt.

Die hausärztliche Tätigkeit, die auch Familienmedizin ist und die die Verwurzelung des Patienten in seinem sozialen und Arbeitsumfeld kennt, sei eine Langzeitbetreuung, die man im Krankenhaus so nie erfahren könne.

Gute Chancen für den Nachwuchs

Noch vor Ostern will Muhle nun mit Kollegen einen Weiterbildungsverbund aus der Taufe heben, in dem etwa ein Dutzend Fachgebiete vertreten sein werden.

Etwa zehn Weiterbildungsassistenten könnten dann parallel in den Praxen eine Anstellung finden. Jedem Weiterbildungsassistenten werde ein Allgemeinarzt als Mentor zur Seite gestellt.

"Ich hoffe, dass wir mit unserem Modell die Allgemeinmedizin für den ärztlichen Nachwuchs noch attraktiver machen", erklärt Muhle nicht ohne Grund. Viele der in seiner Praxis beschäftigten Weiterbildungsassistenten haben sich später in Rosenheim oder in der Umgebung als Hausarzt niedergelassen.

Das könnte sich auch in Zukunft so fortsetzen: Etwa 65 der über 200 Hausärzte in der Gegend sind nach Muhles Angaben älter als 60 Jahre und denken bereits an eine Praxisübergabe.

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