AppDoc
App scannt Haut
Die Telemedizin nimmt Fahrt auf, das zeigt auch der Run auf die teledermatologischen Smartphone-Apps. Patienten und Fachärzte zeigen sich zufrieden, doch Schwierigkeiten bleiben nicht aus.
Veröffentlicht:
Mit dem Smartphone nimmt eine Patienten auffällige Hautstellen auf, die dann per Telemedizin von einem Dermatologen bewertet werden.
© Dr.Titus Brinker
Heidelberg. Im November vergangenen Jahres hat die Landesärztekammer Baden-Württemberg die erste teledermatologische Smartphone-App genehmigt. Was 2018 noch als Novum galt, soll schon bald Usus werden, geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dessen Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) die sogar eine Verordnung von Gesundheits-Apps durch Ärzte vorsieht.
Die in Heidelberg entwickelte Anwendung „AppDoc“ wurde weit vor dem Entwurf des DVG im Juli dieses Jahres konzipiert – knapp ein Jahr ist mittlerweile seit ihrem Startschuss vergangen. Dr. Titus Brinker, Assistenzarzt an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg und Leiter der App-Entwicklung am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, kann eine zufriedene Zwischenbilanz ziehen: AppDoc habe sich unter Patienten etabliert als „einfach verfügbare Lösung für die fundierte Erstberatung bei Hautproblemen“, wie Brinker im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ resümiert. Seit dieser Woche gibt es die Webversion auch für englischsprachige Patienten. „Für uns ein wichtiger Schritt nach vorne, da viele Patienten kein Deutsch sprechen, aber unsere Ärzte alle Englisch“, so Brinker.
Patienten schätzen das Angebot
Drei Dermatologen bilden das Fachärzteteam hinter AppDoc. Sie behandeln laut Brinker mittlerweile rund dreizehn Patienten am Tag per Telemedizin. Patienten laden drei Bilder auffälliger Hautstellen in die App, beantworten Fragen zu möglichen Symptomen und bekommen binnen weniger Tage Rückmeldung von Dermatologen. Die Fachärzte schätzen die Möglichkeit, Patientenfragen ortsunabhängig bearbeiten zu können.
Erfolgs-Rezept Praxis-Preis – Bewerbung jetzt!
- Bewerben können sich Ärzte mit Ideen für eine bessere Versorgung und/oder für eine effiziente Praxisführung.
- Initiatoren sind Apontis Pharma und Springer Medizin.
- Bewerbungsschluss ist am 30. November. Die Bewerbung ist mit wenig Aufwand online, über die Webseite oder per Mail, möglich.
- Die Gewinner erwarten attraktive Preise. Die Preisverleihung findet Anfang 2020 in Berlin statt.
Informationen zur Bewerbung finden Sie unter: www.aerztezeitung.de/erfolgsrezept
Insgesamt wurde die App, die beim Erfolgs-Rezept Praxis-Preis 2018 mit dem 3. Platz ausgezeichnet wurde, seit ihrem Launch rund 10 000 Mal heruntergeladen. Über 2000 Patienten wurden telemedizinisch beraten, in ca. 80 Prozent der Fälle blieb ihnen der persönliche Arztbesuch erspart.
Zunächst keine App-Zertifzierung
Die Bewertungen in den App-Stores: mit durchschnittlich 4,5 Sternen insgesamt positiv. „Sie ersetzt nicht den Arztbesuch, ist aber auf jeden Fall fundierter, als eine reine Internetrecherche“, bewertet eine Nutzerin die App. Ein anderer Nutzer empfindet den Preis von 24,95 Euro, die die Ersteinschätzung kostet, als „zu teuer“.
AppDoc vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als Gesundheits-App zuzulassen, damit die Leistungen von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden können, zieht Brinker dennoch zunächst nicht in Erwägung: „AppDoc muss eine Privatleistung bleiben“, sagt er und verweist auf sein zweites Projekt „Intimarzt“. Intimarzt ist ein Projekt der Dermatologen der Essener Uniklinik, der Universitäts-Hautklinik Heidelberg, des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT).
Die Anwendung funktioniert analog zu AppDoc, ist aber auf Geschlechtskrankheiten spezialisiert. Brinker erinnert sich: „Anfangs kamen bei Intimarzt Anfragen von Menschen, die sich einen Spaß daraus gemacht haben, ihre Geschlechtsteile zu fotografieren und nach einer Einschätzung zu fragen – ohne medizinischen Grund.“ Sollte die App eine Kassenleistung werden, befürchtet der Mediziner mehr Anfragen solcher Art, weil die Hemmschwelle Kosten nicht mehr wäre; und der Deckmantel der Anonymität häufiger ausgenutzt werden könnte.
Sicherheitsstandarts sind das A&O
Anonymität ist Brinker und seinem Team besonders wichtig: „Wir fragen in der App keine persönlichen Daten der Patienten ab; und allein über die Bilder ihrer Hautstellen sind sie nicht identifizierbar. Bei einer Konsultation wird ihnen eine 20-stellige Fall-ID zugeteilt. Damit sind wir sehr sicher bei Hackerangriffen.“ Fotos würden zudem nur offline archiviert und das das Erraten der Fall-ID durch Abruf-Limits unterbunden.
Sicherheitsstandards, die den Entwicklern auch Steine in den Weg legen: Keine persönlichen Daten heißt auch, dass keine Nutzungsprofile ausgewertet werden können. Dennoch soll am Uniklinikum Essen unter Leitung von Dr. Wiebke Sondermann demnächst die wissenschaftliche Evaluation beginnen. Zunächst muss jedoch die Ethikkommission entscheiden, welche Datensätze in welchem Rahmen genutzt werden dürfen. Brinker erwartet erste Ergebnisse Mitte des nächsten Jahres.











