Direkt zum Inhaltsbereich

Metaanalyse

Ingwer lindert Regelschmerzen

Nicht nur NSAR, auch Ingwerpulver scheint Schmerzen bei Frauen mit primärer Dysmenorrhö zu dämpfen. Darauf deutet eine Analyse von sieben kontrollierten Studien.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Ingwer hilft Frauen mit primärer Dysmenorrhö.

Ingwer hilft Frauen mit primärer Dysmenorrhö.

© rock_the_stock / fotolia.com

ROCKWELL. Mit NSAR gelingt es eigentlich vielen Frauen ganz gut, die Regelschmerzen zu beherrschen.

Allerdings spreche ein Viertel der Frauen auf Dauer nicht ausreichend auf solche Medikamente an, anderen wiederum machten Nebenwirkungen wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit zu schaffen, schreiben Dr. James Daily vom gleichnamigen US-amerikanischen Vitamin- und Kräuterpräparate-Händler in Rockwell sowie Ernährungswissenschaftler der Universität in Asan in Südkorea (Pain Med 2015, online 14. Juli).

Der Unternehmer und die Forscher haben nun die englischsprachige, chinesische und koreanische Literatur nach Studien durchforstet, in denen Ingwerpulver zur Linderung der Regelschmerzen evaluiert wurde.

Sie berücksichtigten nur randomisiert-kontrollierte Studien zu primärer Dysmenorrhö unter der Voraussetzung, dass die Schmerzen mit einer visuellen Analogskala erfasst worden waren.

Sie fanden sieben solcher Studien mit insgesamt 651 Frauen im Alter von über 18 Jahren. Von diesen wurden zwei Studien als qualitativ hochwertig beurteilt - die Wahrscheinlichkeit für Verzerrungen und Fehlannahmen sei hier gering. Vier Studien bescheinigten die Autoren eine moderate und einer eine geringe Qualität.

Sechs Studien stammten aus dem Iran, eine aus Indien. In fünf der Studien wurde Ingwerpulver gegen Placebo verglichen, in einer gegen Placebo und Zinksulfat und in einer gegen zwei verschiedene NSAR.

Im Schnitt bekamen die Frauen in den Verumgruppen zwischen 0,75 und 2 g Ingwerpulver täglich über die ersten drei bis vier Tage des Zyklus hinweg. Meist erstreckten sich die Studien über zwei Zyklen.

Vorteil auf Analogskala belegt

Da zwei Studien keine Absolutwerte, sondern nur prozentuale Veränderungen angaben und eine Studie auf die Nennung von Standardabweichungen verzichtete, berücksichtigten die Autoren um Daily für die Beurteilung der Wirksamkeit nur vier Studien mit zusammen 494 Patientinnen.

In diesen konnten die Beschwerden dann auf der 10-Punkte-Analogskala mit Ingwerpulver im Schnitt um 1,9 Punkte signifikant stärker gelindert werden als in den Kontrollgruppen.

Wurde noch eine Studie ausgeschlossen, in der die Kontrollgruppe an speziellen Übungen teilnahm, so linderte Ingwerpulver in den verbliebenen drei Studien die Schmerzen um 2,6 Punkte stärker als Placebo. Zu diesen drei Studien gehörten immerhin die beiden qualitativ hochwertigen Untersuchungen.

Nebenwirkungen der Therapie wurden nur in einer der Studien berichtet, hier traten vermehrt Kopfschmerzen und Sodbrennen auf, allerdings sowohl in der Verum- als auch in der Kontrollgruppe. Drei der Studien machten sich erst gar nicht die Mühe, Nebenwirkungen zu erfassen, und drei stellten keine fest.

In den Studien mit einem aktiven Kontrollmedikament habe sich für Ingwerpulver eine vergleichbar gute Wirksamkeit wie mit herkömmlichen Analgetika ergeben, berichten Daily und Ko-Autoren.

Trotz diverser Einschränkungen wie geringer Studiengröße erkennen sie Hinweise auf eine deutliche Schmerzlinderung von Ingwerpulver. Da kein Dosiseffekt in den Studien zu erkennen war, raten sie mit 0,75 g/d zu beginnen und die Dosis bei Bedarf zu steigern.

Gingerole aus Ingwerwurzeln hemmen die Expression des Enzyms Cyclooxygenase 2. Shoagole setzen an Ionenkanälen an, die in der Schmerzmedizin bedeutsam sind. Dies könnte eine analgetische Wirkung von Ingwer erklären.

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Fünf-Jahres-Daten publiziert

Kniegelenkarthrose: Stoßdämpfer hilft wohl, die Knie-TEP zu verzögern

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Besser als Atemtherapie?

Supragastrisches Aufstoßen lässt sich mit Gesang vertreiben

Lesetipps
Koloskopie, Blick auf den Monitor

© Issara - stock.adobe.com

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Ein Arzt zählt mit den Fingern bis Drei.

© Arnéll Koegelenberg/peopleimages.com/stock.adobe.com

Regionaler Multimorbiditäts-Vergleich

Wo es relativ viele Ü-50-Jährige mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen gibt