Metaanalyse

Ingwer lindert Regelschmerzen

Nicht nur NSAR, auch Ingwerpulver scheint Schmerzen bei Frauen mit primärer Dysmenorrhö zu dämpfen. Darauf deutet eine Analyse von sieben kontrollierten Studien.

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 21.09.2015, 05:40 Uhr
Ingwer hilft Frauen mit primärer Dysmenorrhö.

Ingwer hilft Frauen mit primärer Dysmenorrhö.

© rock_the_stock / fotolia.com

ROCKWELL. Mit NSAR gelingt es eigentlich vielen Frauen ganz gut, die Regelschmerzen zu beherrschen.

Allerdings spreche ein Viertel der Frauen auf Dauer nicht ausreichend auf solche Medikamente an, anderen wiederum machten Nebenwirkungen wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit zu schaffen, schreiben Dr. James Daily vom gleichnamigen US-amerikanischen Vitamin- und Kräuterpräparate-Händler in Rockwell sowie Ernährungswissenschaftler der Universität in Asan in Südkorea (Pain Med 2015, online 14. Juli).

Der Unternehmer und die Forscher haben nun die englischsprachige, chinesische und koreanische Literatur nach Studien durchforstet, in denen Ingwerpulver zur Linderung der Regelschmerzen evaluiert wurde.

Sie berücksichtigten nur randomisiert-kontrollierte Studien zu primärer Dysmenorrhö unter der Voraussetzung, dass die Schmerzen mit einer visuellen Analogskala erfasst worden waren.

Sie fanden sieben solcher Studien mit insgesamt 651 Frauen im Alter von über 18 Jahren. Von diesen wurden zwei Studien als qualitativ hochwertig beurteilt - die Wahrscheinlichkeit für Verzerrungen und Fehlannahmen sei hier gering. Vier Studien bescheinigten die Autoren eine moderate und einer eine geringe Qualität.

Sechs Studien stammten aus dem Iran, eine aus Indien. In fünf der Studien wurde Ingwerpulver gegen Placebo verglichen, in einer gegen Placebo und Zinksulfat und in einer gegen zwei verschiedene NSAR.

Im Schnitt bekamen die Frauen in den Verumgruppen zwischen 0,75 und 2 g Ingwerpulver täglich über die ersten drei bis vier Tage des Zyklus hinweg. Meist erstreckten sich die Studien über zwei Zyklen.

Vorteil auf Analogskala belegt

Da zwei Studien keine Absolutwerte, sondern nur prozentuale Veränderungen angaben und eine Studie auf die Nennung von Standardabweichungen verzichtete, berücksichtigten die Autoren um Daily für die Beurteilung der Wirksamkeit nur vier Studien mit zusammen 494 Patientinnen.

In diesen konnten die Beschwerden dann auf der 10-Punkte-Analogskala mit Ingwerpulver im Schnitt um 1,9 Punkte signifikant stärker gelindert werden als in den Kontrollgruppen.

Wurde noch eine Studie ausgeschlossen, in der die Kontrollgruppe an speziellen Übungen teilnahm, so linderte Ingwerpulver in den verbliebenen drei Studien die Schmerzen um 2,6 Punkte stärker als Placebo. Zu diesen drei Studien gehörten immerhin die beiden qualitativ hochwertigen Untersuchungen.

Nebenwirkungen der Therapie wurden nur in einer der Studien berichtet, hier traten vermehrt Kopfschmerzen und Sodbrennen auf, allerdings sowohl in der Verum- als auch in der Kontrollgruppe. Drei der Studien machten sich erst gar nicht die Mühe, Nebenwirkungen zu erfassen, und drei stellten keine fest.

In den Studien mit einem aktiven Kontrollmedikament habe sich für Ingwerpulver eine vergleichbar gute Wirksamkeit wie mit herkömmlichen Analgetika ergeben, berichten Daily und Ko-Autoren.

Trotz diverser Einschränkungen wie geringer Studiengröße erkennen sie Hinweise auf eine deutliche Schmerzlinderung von Ingwerpulver. Da kein Dosiseffekt in den Studien zu erkennen war, raten sie mit 0,75 g/d zu beginnen und die Dosis bei Bedarf zu steigern.

Gingerole aus Ingwerwurzeln hemmen die Expression des Enzyms Cyclooxygenase 2. Shoagole setzen an Ionenkanälen an, die in der Schmerzmedizin bedeutsam sind. Dies könnte eine analgetische Wirkung von Ingwer erklären.

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