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Hirnforscher haben These

Warum Alte oftmals glücklicher sind

Auch wenn alte Menschen diverse Leiden haben, sind sie oft gelassener und zufriedener als jüngere. Neurologen haben jetzt eine Vermutung, woran das liegt.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Die Bildgebung zeigt, was im Gehirn älterer Menschen vor sich geht.

Die Bildgebung zeigt, was im Gehirn älterer Menschen vor sich geht.

© Hayden Bird / iStock / Thinkstock

PHILADELPHIA. Wer schon 80 Jahre auf dem Buckel hat, den kann kaum noch etwas aus der Fassung bringen, auch sind viele alte Menschen trotz körperlicher Einschränkung oft überraschend zufrieden. Selbst Hundertjährige ließen in Untersuchungen ein hohes Maß an Zuversicht erkennen.

Wie Dr. Peter Pressman auf der Jahrestagung der US-Neurologen in Philadelphia berichtet hat, waren alte Menschen in Untersuchungen oft sogar resistenter gegen emotionalen Stress als jüngere Personen, auch erholten sie sich emotional schneller von negativen Erlebnissen.

Dies wird zum Teil damit erklärt, dass ältere Menschen aufgrund ihrer Erfahrung die Dinge etwas gelassener sehen und im Laufe ihres Lebens viele emotional stabilisierende Beziehungen aufgebaut haben.

Wissenschaftler um den Neurologen von der Universität in San Francisco vermuten jedoch noch andere Gründe: Möglicherweise bleiben neuronale Netzwerke, die für das Gefühlsleben wichtig sind, im Alter länger erhalten als andere Hirnbereiche.

Emotionales Netzwerk beständiger

Die US-Forscher begründen ihre Hypothese mit Daten einer aktuellen Bildgebungsstudie. Dabei hatten sie verschiedene Hirnbereiche bei 258 Menschen im Alter von über 55 Jahren per MRT vermessen.

Die Teilnehmer waren überwiegend zwischen 60 und 90 Jahre alt. Zusätzlich schauten sie bei 84 der älteren Menschen über vier Jahre hinweg nach Veränderungen in einzelnen Hirnregionen.

So interessierten sich die Neurologen für Areale, die bei kognitiven Aufgaben benötigt werden. Dazu zählten sie bestimmte Bereiche des Gyrus frontalis, des lateralen Parietal- und des Temporallappens.

Ebenso analysierten sie das emotionale Netzwerk, hier vor allem Regionen wie das vordere Cingulum, die Amygdala, die Insula, den orbitofrontalen Kortex und den Nucleus accumbens.

In der Querschnittsuntersuchung zeigte sich in den Arealen für kognitive Fähigkeiten im Schnitt ein linearer Abbau mit dem Alter: Je höher das Alter, umso kleiner waren die Volumina in diesen Regionen.

Nicht so im emotionalen Netzwerk. Hier war das Volumen der entsprechenden Hirnareale bei 60-Jährigen fast so groß wie bei 90-Jährigen, der Rückgang im Alter war nur minimal. Offenbar scheint es hier nur eine geringe altersbedingte Atrophie zu geben.

Anfangsgröße wurde berücksichtigt

Noch deutlicher zeigte sich dies bei den Teilnehmern, deren Hirne über vier Jahren hinweg mehrfach vermessen wurden. Das emotionale Netzwerk schrumpfte in dieser Zeit im Schnitt um weniger als 2000 Kubikmillimeter, das kognitive Netzwerk dagegen um etwa 10.000 Kubikmillimeter.

Auch wenn die unterschiedlichen Ausgangsgrößen der Netzwerke berücksichtigt wurden, schrumpften die kognitiven Areale signifikant schneller.

Die unterschiedlich schnelle Hirnschrumpfung, so vermuten die Forscher, könnte ein Grund sein, warum ältere Menschen emotional recht lange stabil sind, wogegen die geistigen Fähigkeiten deutlich nachlassen.

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