Ärzte Zeitung, 14.11.2016
 

Pflegeversicherung

Laumann will Kosten neu zuordnen

BERLIN. Mit einem Revirement unter den Kostenträgern von Rehabilitation, Pflege und medizinischer Versorgung will der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung Karl-Josef Laumann (CDU) die Situation von Schwerstpflegebedürftigen verbessern und dem organisierten Betrug in der Pflegeversicherung den Nährboden entziehen.

"Ich glaube, dass wir erreichen müssen, dass die Pflegeversicherung für die Rehabilitation von Pflegebedürftigen zuständig wird", sagte Laumann bei einer Veranstaltung des Bündnis für gute Pflege. Rehabilitation könne etwas mit Veränderungen der Pflegesituation zu tun haben. Im Gegengeschäft solle die Krankenversicherung die Behandlungspflege auch in der stationären Pflegeversorgung voll übernehmen. Damit wäre auch das Problem der Beatmungspflege gelöst, so Laumann. Behandlungspflege koste die Pflegeversicherung derzeit rund zwei Milliarden Euro.

Erst Ende Oktober hatte das Bundeskriminalamt erneut vor organisiertem Betrug in der ambulanten Pflege gewarnt. Im Frühjahr waren Fälle bekannt geworden, in denen pflegebedürftige Patienten, die permanent beatmet werden müssen, in "Beatmungs-WGs" zusammengelegt und dort ohne ausreichende Expertise ambulant betreut wurden (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Der volkswirtschaftliche Schaden soll sich auf eine Milliarde Euro belaufen.

"Ich glaube, dass die Intensivpflege nicht in Privatwohnung gehört", spielte Laumann auf diesen Pflegeskandal an, ohne ihn ausdrücklich zu nennen. Wenn die Behandlungspflege bei der Krankenkasse wäre, auch in Heimen, wäre das Problem der Beatmungspflege im System gelöst, sagte Laumann. Er frage sich, ob in der gegenwärtigen Situation überhaupt Interesse bestehe, Patienten von der Beatmung wieder abzutrainieren. Laumann forderte die Wohlfahrtsverbände auf, dieses Thema in die Koalitionsverhandlungen des kommenden Jahres einzuspeisen. (af)

[01.12.2016, 14:26:48]
Manfred Kallenbach 
Laumann will Kosten neu zuordnen
Es mag sein, dass eine andere Kostenzuordnung sachgerechter sein könnte. Ob das die Effizienz der Leistungsabrechnung und der ungleich wichtigeren Leistungserbringung erhöhen würde, darf füglich bezweifelt werden. Dadurch und erfolgreich krimineller Energie zu wehren, ist wohl auch nicht zu erwarten. So wird die Initiative wohl in Wahrheit darauf hinauslaufen, Gründe für Beitragssatzerhöhungen in der Pflegekasse zu schaffen und die Krankenkassen mit ihren schon hoch erscheinenden Sätzen zu schonen. Mir erschließt sich sonst kein wirklich plausibler anderer bzw. tieferer Sinn für diese Kostenschieberei von einer Kasse in die andere. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »

Vorsorge für den Brexit – Ansturm auf das Aufenthalts-Zertifikat

Viele Gesundheitsfachkräfte aus EU-Ländern haben Großbritannien schon verlassen. Diejenigen, die bleiben wollen, versuchen nun, das "Settled-Status"-Zertifikat zu erlangen. mehr »