Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Es ist zwar keine große Überraschung, dass Alkohol das Darmkrebsrisiko steigert. US-amerikanische Forschende analysierten aber jetzt, wie sich ein lebenslanger Alkoholkonsum auswirkt. Starkes Trinken ging demnach gegenüber leichtem Alkoholkonsum mit einem 25 Prozent erhöhten Risiko einher.

Dr. Miriam SonnetVon Dr. Miriam Sonnet Veröffentlicht:
Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

Derzeitige starke Trinker, die ein Leben lang im Schnitt mindestens 14 alkoholische Getränke pro Woche konsumierten, hatten im Vergleich zu leichten Trinkern (< ein Getränk/Woche) ein um 25 Prozent erhöhtes Risiko für ein Kolorektalkarzinom.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Rockville. Wer Alkohol trinkt, erhöht sein Risiko, an Darmkrebs zu erkranken – so viel ist bekannt. Das Team um Caitlin P. O’Connell, National Institutes of Health in Rockville, ging dem jetzt genauer auf den Grund. Die Forschenden untersuchten, wie sich Alkoholmenge und lebenslanger Alkoholkonsum auf das Risiko auswirken (Cancer 2026; online 26. Januar).

Für ihre Studie analysierten sie 88.092 Personen ohne Krebserkrankung, die an der National Cancer Institute (NCI) Prostate, Long, Colorectal, and Ovarian (PLCO) Cancer Screening-Studie teilgenommen hatten.

Diejenigen, die dem Screening-Arm zugeteilt worden waren (n = 77.443), unterzogen sich zu Beginn sowie drei Jahre oder fünf Jahre später einer flexiblen Sigmoidoskopie. Personen aus dem Kontrollarm erhielten die Standardversorgung. Während des 20-jährigen Follow-ups hatten 1.679 Teilnehmende ein Kolorektalkarzinom entwickelt.

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Risiko für Rektumkrebs besonders ausgeprägt

Derzeitige starke Trinker, die also ein Leben lang im Schnitt mindestens 14 alkoholische Getränke pro Woche konsumierten, hatten im Vergleich zu leichten Trinkern (< ein Getränk/Woche) ein um 25 Prozent erhöhtes Risiko für ein Kolorektalkarzinom. Das Risiko für Rektumkrebs war sogar um 95 Prozent höher.

Aktuelle Trinker, die zu einem oder mehreren Zeitpunkten in ihrem Leben moderat Alkohol konsumiert hatten, schienen kein erhöhtes Risiko zu haben.

Für ehemalige Trinker zeigte sich ebenfalls kein Zusammenhang mit dem Darmkrebsrisiko; zudem hatten sie eine geringere Wahrscheinlichkeit, nicht-kanzeröse Tumoren oder Adenome zu entwickeln als aktuelle „leichte“ Trinker, die weniger als ein Getränk/Woche konsumierten.

Eine überraschende Erkenntnis

Vielleicht etwas überraschend: Ein aktueller Alkoholkonsum mit im Schnitt 7 bis 14 Drinks pro Woche war im Vergleich zum Konsum von durchschnittlich einem Getränk pro Woche mit einem geringeren Darmkrebsrisiko assoziiert. Das galt insbesondere für distalen Dickdarmkrebs.

Die inverse Assoziation war im Screeningarm der Studie am stärksten ausgeprägt, schreiben die Forschenden. Sie erklären sich das folgendermaßen: Bei den Teilnehmenden im Screeningarm, die bei der flexiblen Sigmoidoskopie ein positives Ergebnis hatten, wurden während des Studienzeitraums Polypen entfernt.

Beim Trinken entstehen Karzinogene

Mehrere Mechanismen könnten die Zusammenhänge zwischen Alkoholkonsum und Darmkrebs erklären. Erstens entstehe beim Alkoholstoffwechsel Acetaldehyd, ein etabliertes Karzinogen, das DNA-Mutationen und oxidativen Stress im Kolon und Rektum verursacht. Zweitens kann Alkoholkonsum das Darmmikrobiom nachteilig beeinflussen, was zu Veränderungen der Proliferation von Wirtszellen und des Zelltods sowie der Funktion des Immunsystems führt.

Sie wurden außerdem zur Koloskopie überwiesen, sodass das Screening als potenzielle Intervention zu betrachten ist. Bereits zuvor hatten Studien darauf hingewiesen, dass das Screening mittels flexibler Sigmoidoskopie die Inzidenz von Kolorektalkarzinomen, insbesondere von distalem Dickdarmkrebs, senkt.

Die statistische Aussagekraft wurde laut den Forschenden durch die relativ kleine Anzahl an Darmkrebsfällen eingeschränkt. Außerdem sei eine gewisse Fehlklassifikation beim selbst berichteten Alkoholkonsum nicht ausgeschlossen.

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