Ärzte Zeitung online, 23.06.2017
 

Preisverleihung 2017

Berliner Gesundheitspreis prämiert fünf Projekte

"Migration und Gesundheit" lautete das Motto des diesjährigen Berliner Gesundheitspreises. Gleich fünf Projekte wurden Mitte Juni in der Hauptstadt ausgezeichnet.

BERLIN.Seit 1995 gibt es den "Berliner Gesundheitspreis". Er wird alle zwei Jahre vom AOK-Bundesverband, der Ärztekammer Berlin und der AOK Nordost ausgeschrieben – jedes Mal mit einem anderen Thema, das eine besondere Bedeutung für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung hat. In diesem Jahr stand er unter dem Motto: "Migration und Gesundheit – Integration gestalten". Insgesamt 80 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet gingen für den mit 50.000 Euro dotierten Preis ein. Fünf Projekte wurden nun in Berlin prämiert.

Dabei wurde der Preis in zwei Kategorien vergeben: In der Kategorie I wurden Projekte, die sich für einen verbesserten Zugang zur Gesundheitsversorgung für Menschen mit Migrationshintergrund einsetzen, ausgezeichnet, und in der Kategorie II solche, die Migranten dabei helfen, beruflich im Gesundheitswesen Fuß zu fassen.

Den ersten Platz der Kategorie I mit einem Preisgeld von 15.000 Euro erhielt der Berliner Verein Medizin Hilft e.V., der unter dem Motto "Medizin für alle" seit 2014 ehrenamtlich tätig ist (www.medizin-hilft.org). Hier engagieren sich rund 120 Ärzte, Pflegekräfte sowie viele weitere Helfer. Sie kümmern sich beispielsweise um die Erstversorgung von Geflüchteten, behandeln Menschen ohne Krankenschein und bieten Infoveranstaltungen zu gesundheitsförderlichem Verhalten an.

Begegnungsräume schaffen

Den zweiten Platz der Kategorie I und ein Preisgeld von 10.000 Euro gab es für den Berliner Selbsthilfeverein InterAktiv e.V., der Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund sowie ihre Familien bei der Suche nach passenden Hilfsangeboten unterstützt und Begegnungsräume für sie schafft. Über die eigene Arbeit hinaus verleiht der Verein den betroffenen Familien auch politisch eine Stimme (www.interaktiv-berlin.de).

In der Kategorie II errangen zwei Projekte den ersten Platz und erhielten jeweils ein Preisgeld von 10.000 Euro. Eines dieser Projekte ist der Berliner Verein Alkawakibi e.V. (www.alkawakibi.org), der vor allem syrischen Ärztinnen und Ärzten beim Berufseinstieg in Deutschland hilft (siehe Bericht auf dieser Seite). Der andere Gewinner der Kategorie II ist die Klinikum Itzehoe Akademie mit ihrem auf zwei Jahre angelegten Programm "Vielfalt macht erfolgreich! Bildung und Integration im Klinikum Itzehoe". In diesem Programm erwerben Migranten neben Sprach- und Kulturkenntnissen vor allem Wissen aus den Bereichen Pflege, Medizin und Labor (www.klinikum-itzehoe.de). Der dritte Platz der Kategorie II ging an den Bonner Verein für Pflege- und Gesundheitsberufe e.V. für sein Projekt "Mütter mit Migrationshintergrund in Pflegeberufe", der für seine Leistungen 5000 Euro erhält. Die überwiegend alleinerziehenden Mütter, die vom Bonner Verein den Pflegeberuf vermittelt bekommen, stammen aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen und erhalten eine Ausbildung, die auf ihre besonderen Bedürfnisse zugeschnitten ist (www.fachseminar-altenpflege-bonn.de).

Die Entscheidung über die Preisträger traf eine unabhängige, hochkarätig besetzte Jury mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Praxis. (Ebert-Rall)

Lesen Sie dazu auch:
Nach der Flucht: Ärzte helfen Ärzten

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »