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Antibiotika-Resistenzen nachhaltig abwenden

ARena – ein IV-Projekt für die Regelversorgung

Das Innovationsfondsprojekt ARena (Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden) soll Teil der Regelversorgung werden. 14 Arztnetze nutzen es bereits. Beim QuATRo-Workshop in Berlin erläuterte ein Netz, wie ARena funktioniert und welche Vorteile es bringt.

Von Taina Ebert-Rall Veröffentlicht:
Verschiedene Module sollen Praxisteams bei der rationalen Antibiotika-Verordnung unterstützen. Beim QuATRo-Workshop in Berlin berichtete Dr. Andreas Lipécz, wie das Gesundheitsnetz QuE eG Nürnberg die Module einsetzt.

Verschiedene Module sollen Praxisteams bei der rationalen Antibiotika-Verordnung unterstützen. Beim QuATRo-Workshop in Berlin berichtete Dr. Andreas Lipécz, wie das Gesundheitsnetz QuE eG Nürnberg die Module einsetzt.

© AOK-Bundesverband

Berlin. Qualitätszirkel, Feedback-Berichte, E-Learning sowie eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit: Das sind wesentliche Zutaten für den Erfolg eines Projektes, das sich den verstärkten leitliniengerechten Einsatz von Antibiotika zum Ziel gesetzt hat. So soll die Wirksamkeit von Antibiotika langfristig erhalten, Resistenzen sollen unterbunden werden.

Mehr als 400 Praxen aus 14 Arztnetzen in Bayern und Nordrhein-Westfalen haben sich am Projekt „Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden“ (ARena) beteiligt. Nun soll es als eines von 31 der insgesamt 484 Innovationsfondsprojekten in die Regelversorgung überführt werden.

In einem ersten Schritt fließen die ARena-Ergebnisse jetzt in das AOK-Projekt „Qualität in Arztnetzen – Transparenz mit Routinedaten“ ein. Hier engagieren sich inzwischen bundesweit 46 Arztnetze in Kooperation mit sieben AOKs für die Messung und Verbesserung der Behandlungsqualität auf Basis von Routinedaten-Auswertungen.

Eines der an ARena beteiligten Netze ist das Gesundheitsnetz QuE eG Nürnberg, dessen Vorsitzender Dr. Andreas Lipécz seine Erfahrungen mit ARena beim jüngsten QuATRo-Workshop in Berlin vorstellte. 67 Praxen und 130 Ärzte gehören dem QuE-Gesundheitsnetz an.

Kollegen quasi über die Schulter schauen

„Bei uns waren alle ARena gegenüber sehr aufgeschlossen“, sagt Lipécz, der über eine rege Teilnahme an den Qualitätszirkeln zum Thema rationaler Einsatz von Antibiotika bei häufigen Erkrankungen berichtete. „Das Besondere daran war neben der fachübergreifenden Arbeit in den Zirkeln unter anderem, dass jede Praxis außer der individuellen Auswertung auch Durchschnittswerte aus ihrem Netz erhalten hat. Das war ausgesprochen hilfreich.“

Auch die im Rahmen des Projektes zur Verfügung gestellten Videos über Gespräche mit unterschiedlichen Patiententypen kamen nach seinen Worten gut an. „Sicher haben wir als niedergelassene Ärzte viel Erfahrung mit Patientengesprächen. Aber hier bot sich eben die Möglichkeit, einem Kollegen beim Gespräch quasi über die Schulter zu schauen. An der ein oder anderen Stelle war das durchaus nützlich.“

Arbeitshilfen für Praxen

Im Rahmen des 2017 unter Federführung des aQua-Instituts gestarteten ARena-Projekts trainierten Ärzte der beteiligten Netze eine adäquate Patientenkommunikation, tauschten sich in strukturierten ärztlichen Qualitätszirkeln aus und erhielten ein Feedback auf der Basis von Verordnungsdaten und Hintergrundinformationen. Begleitet wurde das Projekt von Öffentlichkeitskampagnen über verschiedene Kanäle wie Fernsehen, Printprodukte, Radio, YouTube und diverse Aktivitäten in sozialen Medien.

Die Praxen profitieren von den Qualitätszirkeln, so Dr. Andreas Lipécz.

Die Praxen profitieren von den Qualitätszirkeln, so Dr. Andreas Lipécz.

© AOK-Bundesverband

Auf Basis der ARena-Erkenntnisse wurde zudem eine Arbeitshilfe für niedergelassene Ärzte zur rationalen Verordnung von Antibiotika erstellt. Sie ist Bestandteil des Qualitätsindikatoren-Systems für die ambulante Versorgung (QISA), das der AOK-Bundesverband gemeinsam mit dem Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua) anbietet.

Der QISA-Band „Rationaler Antibiotikaeinsatz“ kann kostenfrei aus dem Internet heruntergeladen werden. Die Arbeitshilfe umfasst zwölf Indikatoren, mit denen Ärzte den rationalen Einsatz von Antibiotika in ihrer Praxis messen und bewerten können. Ein Indikator ist etwa ein zu hoher Anteil von Patienten mit bestimmten „unkomplizierten“ Infektionen, bei denen ein Antibiotikum verordnet wird.

Warum Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist

Am meisten profitierten die Teilnehmer des Projekts laut Feedback vom ARena-Modul „Harnwegsinfekte“, so Lipécz. Unter anderem mit Flyern wurden Patienten hier darüber informiert, wie sie Schmerzen mit Hausmitteln, etwa viel Tee trinken oder Wärmekissen nutzen, lindern können.

Entsprechend nutzten die Praxen seines Netzes die Flyer, Plakate und auch grüne Rezepte weiter. „Durch die breite regionale und überregionale Presse zur Aufklärung und Information der Bürger haben wir wirklich viel erreicht. Eine Patientenbefragung hat zum Beispiel ergeben, dass Patienten heute seltener ein Antibiotikum erwarten, als es ihnen tatsächlich vom Arzt verordnet wird.“

Auch die Mitglieder und Patienten des Solinger QuATRo-Netzes solimed honorierten die ARena-Infokampagne. „Das hat viel zu einer gewissen Sensibilität gegenüber der Einnahme von Antibiotika beigetragen“, so Mark S. Kuypers. Er ist kaufmännischer Geschäftsführer des solimed-Netzes, zu dem rund 40 Haus- und Facharztpraxen, drei Kliniken und ein MVZ gehören.

„Dieses Projekt hat ganz klar den Nerv der Versorgungsrelevanz getroffen. Es war eine gute Idee und es ist klar, dass alle Beteiligten einen Nutzen davon haben“, resümiert Kuypers. Es sei nun zu hoffen, dass es ARena möglichst bald in der Regelversorgung ankomme. Lipécz ergänzt: „Die Arena-Erkenntnisse helfen mir jeden Tag. Der Umgang mit Antibiotika hat sich dadurch erheblich geändert.“

QuATRo erstmals wieder in Präsenz

Erstmals seit 2019 konnte der QuATRo-Workshop 2022 wieder in Präsenz stattfinden. Wegen des großen Zuspruchs für ARena und der erreichten signifikanten Senkung der Antibiotika-Verschreibungsrate bei bestimmten unkomplizierten Infektionen haben sich die Beteiligten auf eine Erweiterung des QuATRo-Indikatorensets um drei Indikatoren verständigt.

Das sind „Anteil der Patienten, denen kein Antibiotikum verordnet wurde“, „Anteil der Verordnungen ohne Fluorchinolone“ und „Anteil der weiblichen Patienten, denen bei unkomplizierter Zystitis ein empfohlenes Antibiotikum verordnet wird“.

Den QuATRo-Qualitätscheck und die Indikatoren finden Sie unter: https://www.aok.de/gp/aerzte psychotherapeuten/versorgungsqualitaet-aerzte/quatro

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