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Deutschland hat Rücken – selbst die Jüngeren

26,2 Millionen Patientinnen und Patienten in Deutschland waren im Jahr 2021 mit Rückenbeschwerden in Behandlung – fast ein Drittel der Bevölkerung. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsatlas des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Von Frank Brunner Veröffentlicht:
Für das Jahr 2022 ergaben sich auf die 34,4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland umgerechnet 96,7 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Rückenschmerzen.

Für das Jahr 2022 ergaben sich auf die 34,4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland umgerechnet 96,7 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Rückenschmerzen.

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Rund 31,4 Prozent der Menschen hierzulande mussten 2021 wegen Rückenschmerzen zum Arzt, wie der aktuelle Gesundheitsatlas des WIdO belegt. Erstmals wurde die regionale Verteilung von Rückenschmerzen bis auf die Ebene der Kreise und kreisfreien Städte transparent gemacht.

„Der Gesundheitsatlas kann den Akteuren vor Ort Hinweise geben, welche Veränderungen an den Verhältnissen vor Ort nützlich sein können, um die Krankheitshäufigkeiten zu senken“, so Helmut Schröder, Geschäftsführer des WIdO (siehe Interview).

Einen möglichen Ansatzpunkt böten dabei die Präventionsangebote im betrieblichen Kontext, die Risikofaktoren für die Entstehung oder Chronifizierung von Rückenschmerzen verhindern.

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Die niedrigsten Krankheitshäufigkeiten auf Ebene der Städte und Landkreise gibt es demnach mit 21,3 Prozent in Potsdam, gefolgt von Darmstadt (22,6 Prozent) und Heidelberg (22,8 Prozent). Auf der anderen Seite des Spektrums stehen ländliche Regionen wie die thüringischen Gemeinden Suhl (45,8 Prozent), Hildburghausen (43,8 Prozent) und Sonneberg (42,3 Prozent).

Auch der Nordosten Bayerns und einige Regionen Sachsen-Anhalts sind besonders stark betroffen. So liegt im oberfränkischen Landkreis Kronach der Anteil bei 40,8 Prozent, während in Städten wie Regensburg (23,3 Prozent) und München (27,9 Prozent) deutlich weniger Menschen unter Rückenschmerzen leiden. Überdurchschnittlich viel Rückenschmerzen registrierten die Wissenschaftler auch im sachsen-anhaltinischen Burgenlandkreis (39,4 Prozent).

Im Vergleich der Bundesländer findet sich die geringste Rückenschmerzhäufigkeit in den Stadtstaaten Bremen (27,7 Prozent), Hamburg (27,8 Prozent) und Berlin (28,3 Prozent). Am anderen Ende der Skala liegen Sachsen (33,9 Prozent), Sachsen-Anhalt (35 Prozent) und Thüringen (36,1 Prozent).

Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland eher schlecht ab. Einen noch höheren prozentualen Anteil von Menschen mit Rückenleiden an der Gesamtbevölkerung haben nur die östlichen Länder Ungarn, Tschechien, Rumänien, Polen und die Slowakei. Am besten schneiden ab: Schweden, unser Nachbar Österreich und Spanien.

Auch Thema unter Jugendlichen

Erstaunlich: Bereits bei Jugendlichen sind Rückenschmerzen ein Thema. So sind in der Altersgruppe zwischen 15 und 19 Jahren rund zehn Prozent betroffen. Bei Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 35 Jahren leiden bereits 27 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer darunter. Bei Frauen über 65 ist jede Zweite betroffen, bei Männern wird dieser Wert erst ab einem Alter von 80 Jahren erreicht.

„Die volkswirtschaftlichen Folgen der Belastung durch Rückenschmerzen sind beachtlich“, sagt Helmut Schröder.

Laut Krankheitskostenstatistik entfielen im Jahr 2022 rund 11,6 Milliarden Euro und damit 2,8 Prozent der Krankheitskosten in Höhe von 431,8 Millionen Euro auf Rückenleiden. Damit haben Rückenleiden aus Kostenperspektive eine höhere Relevanz als Diabetes mellitus, Schlaganfälle oder Depressionen. Außerdem gehen 14 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage auf Rückenschmerzen zurück.

So ergaben sich für das Jahr 2022 auf die 34,4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland umgerechnet 96,7 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Rückenschmerzen. Die Produktions-Ausfallkosten beliefen sich im Jahr 2022 auf 12,4 Milliarden Euro. Der Anteil der Rückenschmerzen an den gesamten volkswirtschaftlichen Kosten durch Arbeitsunfähigkeit beläuft sich somit auf 14 Prozent. Seit 2017 bleibt die Prävalenz von Rückenschmerzen auf diesem konstant hohen Niveau.

Ärmere Regionen stärker betroffen

Faktoren wie Einkommen, Beschäftigung oder Bildung spielen der Untersuchung zufolge in der unterschiedlichen Rückenschmerz-Häufigkeit zwischen Land und Stadt eine Rolle. So seien ländliche Regionen oft jene, in denen die materiellen und sozialen Ressourcen eingeschränkt seien.

Ökonomisch und sozial besonders benachteiligte Regionen weisen laut Gesundheitsatlas mit 34,2 Prozent eine höhere Rückenschmerzprävalenz auf als Regionen mit der besten materiellen und sozialen Ausgangssituation. Dort liegt der Wert nur bei 28,8 Prozent.

Im Gesundheitsatlas wurden auch die Zusammenhänge zwischen ärztlich dokumentierter Adipositas und Rückenschmerzen auf regionaler Ebene untersucht. Diese Analysen bestätigen die aus der wissenschaftlichen Literatur bekannten Zusammenhänge: So liegt die Prävalenz von Rückenschmerzen in Regionen mit hohem Adipositas-Anteil bei 35,9 Prozent, in Regionen mit niedrigem Adipositas-Anteil dagegen nur bei 28,2 Prozent.

Die Zahlen im Gesundheitsatlas basieren auf Krankenkassenroutinedaten, in denen nur Patientinnen oder Patienten mit Rückenbeschwerden erfasst sind, wenn sie ärztliche Hilfe in Anspruch genommen haben. Darüber hinaus erfolgte jedoch keine Einschränkung nach Lokalisation, Intensität oder Dauer der Beschwerden.

Die Webseite des Gesundheitsatlas bietet einen systematischen Blick auf 24 Krankheiten. Mehr Informationen zu Rückenschmerzen, aber auch zu kardiovaskulären Erkrankungen, psychischen Erkrankungen, Krebserkrankungen, Diabetes Typ 2, Demenz oder Atemwegserkrankungen stehen unter https://www.gesundheitsatlas-deutschland.de zur Verfügung.

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