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Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie

„Krebs ist das weitaus größere Risiko“

Ausgesetzte Vorsorge und Früherkennung, verspäteter Therapiebeginn und häufigere Komplikationen – Onkologen sehen das Therapieregime während der COVID-19-Lockdown-Phase äußerst kritisch.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 03.09.2020, 18:37 Uhr

Die Mahnung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) ist eindeutig: „Für die allermeisten Patienten stellt die Krebskrankheit eine weitaus größere Gefahr für ihr Leben dar als COVID-19.“ Gleichwohl war in der Phase des Lockdowns im März und April zu beobachten, dass sowohl in Praxen wie auch in Krankenhäusern die Fallzahlen deutlich rückläufig waren, Patienten erst in sehr fortgeschrittenen Stadien in die Kliniken kamen und die Zahl der in Tumorkonferenzen vorgestellten Patienten mit frühen Krankheitsstadien sank.

Daten des WIdO-Reports zur Entwicklung der Krankenhausfallzahlen zwischen dem 16 März und dem 5. April untermauern dies:

  • Die Zahl der Ersteingriffe bei kolorektalem Karzinom war um 22 Prozent, die Zahl der Zweiteingriffe sogar um 70 Prozent rückläufig.
  • Die Zahl der Operationen bei Bronchialkarzinom sank um 20 Prozent, obwohl, so die WIdO-Autoren, onkologische Fachgesellschaften den Eingriff auch unter Pandemiebedingungen als dringlich einstufen.
  • Die Zahl der in Tumorkonferenzen vorgestellten Patienten, so berichtet die DGHO, ist im April je nach Zentrum zwischen 30 und 50 Prozent gesunken.

Als Folge dessen rechnet die DGHO damit, dass es im Herbst zu einer Welle von Neudiagnosen kommen wird. Ein weiterer Effekt, so der DGHO-Vorsitzende Professor Hermann Eisele: „Wir sehen Leukämie- oder Myelompatienten mit Komplikationen, die wir in den letzten Jahren eher nicht gesehen haben. Ebenso Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren, die im März und April nicht zur Frühdiagnostik oder zu Verlaufskontrollen vorstellig wurden.“

Dabei zeigten die bisher verfügbaren Daten bei Krebspatienten kein erhöhtes Ansteckungsrisiko für COVID-19. Möglicherweise liege dies daran, dass diese Patienten aufgrund ihrer Krebserkrankung ohnedies sehr achtsam seien – ein Umstand, der sie allerdings auch vom Arztbesuch abhalten könne.

Wir sehen nun Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren, die im März und April nicht zur Frühdiagnostik oder zu Verlaufskontrollen vorstellig wurden.

Professor Hermann Eisele, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie

Diese Furcht sei verständlich, so der Geschäftsführende Vorsitzende der DGHO, Professor Lorenz Trümper. Kliniken und Institutsambulanzen hätten aber in Reaktion aus das COVID-19-Infektionsrisiko alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Das gelte auch für die Praxen, so Professor Wolfgang Knauf, Vorsitzender des Berufsverbandes der niedergelassenen Hämatologen und Onkologen. Wo möglich, könnten auch telefonische oder telemedizinische Konsultationen anstelle einer physischen Einbestellung von Patienten genutzt werden.

Jedenfalls haben die Wissenschaftler in der Onkologie sehr zügig auf die Pandemie reagiert und mehrfach die Leitlinien auf die neue Situation adaptiert, zuletzt Anfang Juli. In einer Grafik wird illustriert, welche Kriterien die Entscheidung beeinflussen können – die Gewichtung der Kriterien müsse entsprechend ihrer jeweiligen Relevanz im Einzelfall erfolgen.

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