Endoprothetik-Experte

"Mit schwierigen Op ist es wie beim Klavierspielen"

Übung macht den Meister, sagt Professor Dr. Andreas Halder von den Sana-Kliniken Sommerfeld sehr deutlich. Dennoch sei beim Thema Mindestmengen genau zu hinterfragen, wie hoch diese anzusetzen sind.

Veröffentlicht:

Ärzte Zeitung: Übung macht den Meister! Gilt das auch für den Gelenkersatz?

Prof. Andreas Halder: Ja. Im Prinzip ist jede Operation die Abfolge manuell ausgeführter Tätigkeiten, die mit guter Anleitung, häufiger Praxis und wachsender Erfahrung immer besser werden.

Kollegen, die einen komplexen Eingriff häufiger durchführen, erzielen auch bessere Ergebnisse. Mit schwierigen Operationen ist es wie beim Klavierspielen: Schon nach kurzer Pause ist man nicht mehr so geübt und nach langem Aussetzen sogar unsicher.

Das gilt für Operateur und Operationsteam?

Definitiv. Daher ist es wichtig, dass nicht nur der Chirurg, sondern das ganze Team durch das regelmäßige Ausführen eines schwierigen Eingriffes im Training bleibt, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.

Empfiehlt sich eine Ausweitung der Mindestmengen-Vorgaben auf Hüftgelenks-Operationen?

Natürlich braucht es auch dort eine gewisse Routine. Insofern wäre eine Mindestmenge sicherlich nicht falsch, wobei genau zu hinterfragen ist, wie hoch die Mindestmenge anzusetzen ist.

Wie ist Ihr Eindruck: Informieren sich Hausärzte im Vorfeld über die Qualität einer Klinik?

Ich bin mir sicher: Die Kolleginnen und Kollegen haben das Wohl der ihnen anvertrauten Patienten im Auge. Schon deshalb werden sie sich schwer tun, einen Patienten mit großen Schmerzen im Knie oder in der Hüfte zwecks Gelenkersatz irgendwo hinzuschicken. Natürlich informieren sich Einweiser vorab, welche Klinik macht den Eingriff häufiger. Im Übrigen: Die Patienten tauschen sich ja auch untereinander aus und kommen mit diesem Wissen dann in die Arztpraxis.

Ist das Endoprothesenregister ein Schritt hin zu mehr Patientenschutz?

Ganz sicher. Mithilfe eines solches Registers lassen sich relativ schnell wertvolle Rückschlüsse auf die Qualität eines Implantates und die Versorgungsgüte eines Krankenhauses ziehen.

Ich bin auch der Meinung, dass ein solches Register verpflichtend sein sollte, denn je breiter die Datenbasis ist, umso verlässlichere Rückschlüsse können wir ziehen, wie sich die Versorgungsqualität in der Endoprothetik verbessern lässt. (hom)

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