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Versorgung im Blick

Netzschwester stärkt die Patientenbindung

Kollegialität, Netzschwester und damit eine enge Patientenbindung bilden das Erfolgsgeheimnis des Medifair-Gesundheitsnetzes in Ostprignitz. Dafür wurde es nun ausgezeichnet. Aber das Netz hat laut Medifair-Vorstand Nico Draheim auch einen Vorteil: Es agiert im ländlichen Raum.

Von Taina Ebert-Rall Veröffentlicht:
Auch ergänzende Hausbesuche gehören zu den Aufgaben der Netzschwester. (Motiv mit Fotomodellen)

Auch ergänzende Hausbesuche gehören zu den Aufgaben der Netzschwester. (Motiv mit Fotomodellen)

© Miriam Dörr /stockadobe.com

Berlin. Eine enge Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten, die ergänzende Versorgung von Patienten durch eine Netzschwester und ein reger Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten: Das macht das Medifair-Gesundheitsnetz in OPR (Ostprignitz) aus, das jetzt von der AOK Nordost für hervorragende Versorgungsqualität ausgezeichnet wurde. „Medifair hat von Anfang an interdisziplinär zusammengearbeitet, es sind fast alle Fachbereiche dabei“ sagt Netzmanager Albrecht Römpp.

Römpp arbeitet seit rund zehn Jahren für das Netz, das zum 2009 gegründeten Verein Medifair – Das Gesundheitsnetz in OPR gehört und Patienten in den Regionen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz betreut. „Die Kollegen sind eine richtig gute Gemeinschaft, und auch das Arzt-Patienten-Verhältnis stimmt. Es gibt eine starke Bindung der Patienten an ihren Hausarzt“, so Römpp.

Hausarzt als Lotse

Der stellvertretende Medifair-Vorstandsvorsitzende und Facharzt für Innere Medizin, Nico Draheim, beschreibt das so: „Wir arbeiten in einem deutlich anderen Umfeld als unsere Kollegen in der Großstadt. Man kennt sich. Wir achten darauf, dass die Patienten eine Überweisung mitbringen. Der primäre Ansprechpartner ist der Hausarzt. Und wir als Hausärzte sortieren schon mal vor und sorgen dafür, dass die Patienten dorthin kommen, wo sie schnell und gut versorgt werden können. Umgekehrt achten die Facharzt-Kollegen darauf, dass die Patienten vorher beim Hausarzt waren. So etwas kann man in der Stadt nicht so leicht umsetzen.“

Ein wichtiges Merkmal des Netzes ist die Betreuung vor allem älterer AOK-Patienten durch eine Netzschwester, die die Hausarztpraxen als Fallschwester unterstützt. Bei Medifair ist das die gelernte Arzthelferin Anja Wick. Sie kümmert sich zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt um die Patienten, übernimmt die mitunter aufwendige Organisation von Terminen bei unterschiedlichen Fachärzten, arbeitet mit der häuslichen Krankenpflege zusammen, überwacht die Medikation, erledigt ergänzende Hausbesuche, unterstützt Angehörige und vermittelt soziale Dienste. So entlastet sie die Hausärzte, aber auch die Angehörigen der Patienten.

Regelmäßige Treffen

Damit es mit der Kollegialität nicht nur bei den Ärzten, sondern auch bei deren Mitarbeiterinnen gut klappt, organisiert die Netzschwester zudem mehrmals jährlich einen sogenannten Schwesternstammtisch. Dort wird etwa regelmäßig ein Notfallkurs angeboten, es gibt Schulungen zur Hilfsmittelversorgung und zum Wundmanagement oder auch zur Palliativversorgung. Die Treffen werden gerne von ihren Kolleginnen genutzt – schließlich gibt es neben den handfesten Informationen auch Geselligkeit.

Mit Schwester Anja haben wir die Möglichkeit, unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden und unsere Patienten noch besser zu betreuen.

Nico Draheim, stellv. Medifair-Vorstandsvorsitzender

„Unser System funktioniert sehr gut“, erklärt die Netzschwester, die in allen beteiligten Hausarztpraxen hospitiert hat und eine Wundexpertin mit Dekra-Zertifikat ist. Voraussetzung dafür, dass Anja Wick für AOK-Patienten tätig werden kann, ist deren Teilnahme am AOK-Programm zur integrierten Versorgung.

Netzschwester besucht 150 pro Monat

Rund 150 Patienten besucht die Netzschwester pro Monat und nimmt sich für jeden Einzelnen beim Blutdruckmessen oder beim Besprechen der Medikamenteneinnahme auch mal „etwas mehr Zeit“, wie Anja Wick erläutert. „Durch die intensiven Gespräche kenne ich mich gut mit den Angelegenheiten meiner Patienten aus und kann sie gut unterstützen, zum Beispiel, wenn es um eine Vorsorgevollmacht oder um eine Patientenverfügung geht. Das besprechen wir dann zusammen mit den Angehörigen.“

Nicht nur die Patienten, auch die Ärzte wissen den Einsatz der Netzschwester zu schätzen: „Mit Schwester Anja haben wir die Möglichkeit, unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden und unsere Patienten noch besser zu betreuen“, sagt Draheim. „Denn manchmal sind die Leute zu Hause einfach besser aufgehoben als im Krankenhaus.“

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