Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband

Familiencoach Kinderängste der AOK

Neues Online-Selbsthilfeprogramm soll bei Ängsten entlasten

Training für die Seele: Ein neues Online-Selbsthilfeprogramm unterstützt Eltern von Kindern mit Leistungs-, Trennungs- oder sozialer Angst. Ziel der interaktiven Übungen, Expertenvideos und Filmclips: Familien stärken.

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In lockerer Atmosphäre über Leistungsangst sprechen und Kindern helfen, diese überhaupt erst zu benennen, das lässt sich üben. Genau dabei will der Online-Coach unterstützen.

In lockerer Atmosphäre über Leistungsangst sprechen und Kindern helfen, diese überhaupt erst zu benennen, das lässt sich üben. Genau dabei will der Online-Coach unterstützen.

© AOK-Bundesverband

Für Sophia war es ein großer Erfolg. Zum ersten Mal seit vielen Wochen hatte sich ihre Tochter im Matheunterricht gemeldet. Bislang sorgte schon der Gedanke an Fragen ihrer Lehrerin bei Ava für Schweißausbrüche. Antworten war undenkbar, vor Klassenarbeiten klagte sie über Bauchschmerzen. „Ich habe Angst, dass ich mich komplett verrechne und in Mathe gar nichts kann“, gestand sie ihrer Mutter. Ava, 11, litt unter Leistungsangst. Als ihre Mutter das Problem erkennt, hilft sie ihrer Tochter mit einem neu entwickelten Trainingsprogramm, die Furcht vorm Versagen zu überwinden. Mit Erfolg. „Ich habe mich heute zweimal gemeldet“, berichtet Ava eines Tages nach der Schule. Ihre Mutter resümiert: Am meisten geholfen habe die Arbeit mit dem „Angstthermometer“, eine Art Kompass, mit dem Kinder durch angstauslösende Situationen navigieren können.

Die fiktive Szene mit Sophia und ihrer Tochter Ava, beides Schauspielerinnen, spielt in einem der 18 Kurzfilme aus dem neuen „Familiencoach Kinderängste“ der AOK.

Es geht nicht um Therapieersatz

Das kostenlose Onlineportal wurde mit Unterstützung von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Köln entwickelt. „Ein wesentliches Prinzip, das wir mit dem Angebot vermitteln wollen, ist Exposition“, sagt Manfred Döpfner, unter anderem Leiter des Forschungsbereichs Psychotherapie an der Uniklinik Köln. Eltern sollen motiviert werden, ihre Kinder bei der Angstbewältigung zu unterstützen. Medizinische Diagnosen oder Therapien ersetzt der „Familiencoach“ nicht. Aber er bietet Informationen, interaktive Übungen, Expertenvideos und Filmclips mit Alltagsszenen. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, sagt: „Es ist ganz normal und gehört zur Entwicklung, dass Kinder Ängste haben. Wenn diese Ängste aber zu stark werden, können sie das Kind und die gesamte Familie belasten.“ In solchen Phasen möchte die AOK Familien „alltagsnah aufzeigen, wie man die Schwierigkeiten gemeinsam überwinden kann.“

Ängste kommen im Kindesalter sehr häufig vor. Laut Studien sind mehr als zehn Prozent der unter Zwölfjährigen so stark betroffen, dass sich ihre Eltern Sorgen machen. In einigen Fällen entwickeln sich aus Ängsten Angststörungen, die zu den häufigsten seelischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalters zählen. Nach einer aktuellen Auswertung wurden im Jahr 2022 rund 2,1 Prozent der bei der AOK versicherten Kinder zwischen drei und zwölf Jahren aufgrund von Angststörungen ambulant oder stationär behandelt. Die Entwicklung von Angststörungen beginnt normalerweise vor dem zwölften Lebensjahr. „Deshalb ist eine frühzeitige und gute Unterstützung der Familien sinnvoll“, so AOK-Vorständin Reimann.

Auch Mobbing wird thematisiert

„Die im Familiencoach vermittelten Methoden haben sich in der Praxis bewährt und wirken“, sagt Diplom-Psychologe Döpfner. „Eltern von Kindern mit einer diagnostizierten Angststörung sollten die Nutzung allerdings mit der behandelnden Fachkraft absprechen, um zu klären, ob sie in das individuelle Behandlungskonzept passt“, rät der Experte.

Der Onlinecoach stellt Probleme und mögliche Lösungen mithilfe fiktiver Beispielfamilien dar, die typische Themen der jeweiligen Lebensphase aufgreifen. Verhaltenstherapeutisch basierte Methoden öffnen Wege, sich diesen Ängsten entgegenzustellen. Der Umgang mit belastenden Erlebnissen innerhalb oder außerhalb der Familie – wie Tod, Scheidung, Mobbing – wird ebenfalls thematisiert. „Oft sind Eltern und Kinder erstmal etwas skeptisch, sich auf die Methoden zur Angstbewältigung einzulassen und diese Grundlagen zu erlernen“, erklärt Julia Adam, die als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Köln arbeitet und am Onlinecoach mitgewirkt hat. „Besonders schön ist es dann zu sehen“, sagt Adam, „wenn Kinder zunehmend mutiger werden, sich immer mehr zutrauen, die Angst schrittweise kleiner wird und sie dann ganz stolz auf sich sind.“ (fb)

Der „Familiencoach Kinderängste“ ist hier abrufbar: https://kinderaengste.aok.de/

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