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Krankenhausnavigator

Qualitätskliniken für Hüfte und Leiste

Ärzte und Patienten können sich über den Krankenhausnavigator der AOK ab sofort auch darüber informieren, welche Kliniken bei Leistenhernien-Eingriffen oder Hüftprothesenwechsel besonders gut abgeschnitten haben.

Von Taina Ebert-Rall Veröffentlicht: 25.10.2019, 10:47 Uhr
Qualitätskliniken für Hüfte und Leiste

Die AOK hat die Informationen über Qualitätsergebnisse ausgewählter Krankenhaus-Behandlungen im AOK-Krankenhausnavigator um zwei auf inzwischen zehn Leistungsbereiche erweitert. Ab sofort können sich Ärzte und ihre Patienten unter www.aok.de/krankenhausnavigator auch darüber informieren, welche Kliniken bei Eingriffen bei Leistenhernien und bei aseptischen Hüftprothesenwechseln besonders gut abschneiden.

Die Ergebnisse werden automatisch angezeigt, wenn Nutzer des Navigators eine der Behandlungen eingeben, zu denen sogenannte QSR-Ergebnisse vorliegen. Die Abkürzung QSR steht für „Qualitätssicherung mit Routinedaten“. Dieses bundesweit einzigartige Verfahren ermöglicht durch eine Auswertung von Abrechnungsdaten der Kliniken und niedergelassenen Ärzte eine Messung der Behandlungsqualität über den eigentlichen Krankenhausaufenthalt hinaus: Berücksichtigt werden auch Komplikationen und Folgeereignisse wie Revisions-OPs, die innerhalb eines Jahres nach der Entlassung des Patienten auftreten. Die QSR-Daten der Kliniken werden einmal jährlich aktualisiert.

Auf Basis des QSR-Verfahrens zeigt das Online-Portal jetzt auch die Qualitätsunterschiede zwischen den rund 980 Kliniken in Deutschland, die von 2015 bis 2017 einen Leistenhernien-Eingriff bei knapp 130.000 AOK-Versicherten vorgenommen haben. Es ist das erste Mal, dass in Deutschland klinikbezogene Qualitätsdaten zu Leistenbruch-Operationen veröffentlicht werden, denn dieser häufige bauchchirurgische Eingriff wird in der gesetzlichen Qualitätssicherung bisher nicht berücksichtigt.

Unterschiede bei Leistenbruch-OP

Im Durchschnitt traten bei 3,8 Prozent der Leistenbruch-Patienten innerhalb von 90 Tagen nach der OP chirurgische Komplikationen auf. Bei 3,4 Prozent gab es einen erneuten Leistenbruch oder chronische Schmerzen im ersten Jahr nach dem Eingriff.

Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Krankenhäusern: Im Viertel der Klinken, die am besten abschneiden, lag die Gesamt-Komplikationsrate bei 5,1 Prozent. Im Viertel der Kliniken mit der schlechtesten gemessenen Behandlungsqualität hatten die Patienten eine deutlich höhere Komplikationsrate von 9,1 Prozent.

Hüfte: Viele Kliniken, wenige OP

Ebenfalls neu sind im Navigator auch Qualitätsdaten zu Hüftprothesenwechseln. Diese Operation ist deutlich komplikationsträchtiger als die Erst-Implantation einer Hüftprothese, da sich das neue Implantat nach dem Entfernen der alten Prothese häufig nicht gut verankern lässt. In die QSR-Bewertung wurden knapp 9000 AOK-Fälle aus den Jahren 2015 bis 2017 einbezogen, die in 169 Kliniken mit mindestens 30 Wechsel-OP pro Jahr behandelt wurden.

Auch hier zeigten sich große Unterschiede in der Qualität der Behandlung: Im Viertel der Kliniken mit den besten Ergebnissen lag die Rate von ungeplanten Folge-OP innerhalb eines Jahres nach dem ersten Eingriff bei 10,3 Prozent, im Viertel der schlechtesten Kliniken dagegen bei 18,9 Prozent. Bemerkenswert ist die hohe Zahl von Kliniken, die diese schwierige Operation selten vornehmen.

Wie für viele andere chirurgische Eingriffe gilt jedoch auch für den Wechsel der Hüftprothese: „Übung macht den Meister“. Da aus statistischen Gründen bei Kliniken mit weniger als 30 OP bei AOK-Patienten in drei Jahren keine klinikindividuelle Qualitätsbewertung erfolgen kann, wird im Krankenhausnavigator besonders darauf hingewiesen, dass diese Kliniken im Durchschnitt erhöhte Komplikationsraten haben.

„Der Hüftprothesenwechsel ist ein gut planbarer Eingriff, für den man in Ruhe eine geeignete Klinik aussuchen kann“, sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbands. „Die Auswertungen des WIdO zeigen, dass sich Patienten bei einer solch komplizierten Operation für eine Klinik mit viel Erfahrung und Routine entscheiden sollten.“

Fairer Klinikvergleich durch QSR

Bei dem seit 2010 vom Wissenschaftlichen Institut der AOK entwickelten QSR-Verfahren ermöglicht ein aufwendiges statistisches Verfahren, das unter anderem Alter, Geschlecht und bereits bestehende Grunderkrankungen der Patienten berücksichtigt, einen fairen Vergleich der Kliniken. Das Verfahren zur Qualitätssicherung mit Routinedaten wird unter Beteiligung von Fachexperten der jeweiligen medizinischen Fachgebiete ständig weiterentwickelt und ausgebaut.

Die Ergebnisse der Datenauswertungen werden automatisch angezeigt, wenn ein Nutzer des Krankenhausnavigators eine der Behandlungen eingibt, zu denen QSR-Daten vorliegen.

Aktuell sind dies neben den beiden neuen Eingriffen der Einsatz eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenkes bei Arthrose, die Operation nach hüftgelenksnahen Oberschenkelbruch, Gallenblasenentfernungen bei Gallensteinen, therapeutische Herzkatheter (PCI) bei Patienten ohne Herzinfarkt, Blinddarmentfernungen sowie Operationen bei gutartiger Prostatavergrößerung und zur Prostataentfernung bei Prostatakrebs. Auch für diese Behandlungen sind die Bewertungen der Krankenhäuser jetzt aktualisiert worden.

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