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Arzneimittel-Kompass

WIdO: Trend zu steigenden Preisen hält an

Während die Arzneipreise in den letzten zehn Jahren weiter gestiegen sind, nimmt die Verordnungsmenge ab.

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Berlin. Bei neuen Arzneimitteln zeige sich weltweit und somit auch in Deutschland ein Trend zu steigenden Preisen. Kostete im Jahr 2011 eine Arzneimittelpackung im Durchschnitt 180 Euro, seien es im August 2021 durchschnittlich 1225 Euro gewesen. Das geht aus dem aktuellen Arzneimittel-Kompass des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor.

Das liege vor allem an Neuentwicklungen: So kosteten Arzneimittel, die in den letzten 36 Monaten neu auf den deutschen Markt gekommen sind, im Schnitt 51.189 Euro pro Packung (2011: 902 Euro). Derzeit hält laut WIdO mit Libmeldy® (Atidarsagen Autotemcel) ein Medikament, das zur Behandlung einer seltenen Erbkrankheit bei Kindern, der metachromatischen Leukodystrophie (MLD), eingesetzt wird, mit einem Listenpreis von knapp 2,9 Millionen Euro den Spitzenplatz.

Patentarzneien seltener verordnet

2020 wurden GKV-Versicherte mit patentgeschützten Arzneimitteln mit einem Umsatz von 24,2 Milliarden Euro therapiert: Damit entfiel im vorigen Jahr erneut jeder zweite Euro der Arzneimittelkosten auf patentgeschützte Arzneimittel, erläutert der stellvertretende Geschäftsführer des WIdO, Helmut Schröder, der Mitherausgeber des Arzneimittel-Kompasses ist. Gleichzeitig ging die Verordnungsmenge erneut zurück. So liegt der Verordnungsanteil patentgeschützter Arzneimittel bei sechs Prozent und damit bei weit weniger als der Hälfte des Anteils im Jahr 2011 mit 15 Prozent.

Maßgeblich sei demnach die Marktdynamik bei den hochpreisigen Arzneimitteln: Unter den knapp 62.000 verschiedenen Arzneimitteln, die 2020 für die Versorgung von GKV-Versicherten eingesetzt wurden, befänden sich 4500 Medikamente (7,5 Prozent), die einen Apothekenverkaufspreis von mindestens 1000 Euro hätten und somit als hochpreisig bezeichnet würden. Diese „hochpreisigen Arzneimittel“ nehmen nach Angaben des WIdO immer größere Umsatzanteile ein.

Nur ein Thema der Seltenen?

Die Folge sei, dass zunehmend mehr Geld für die Versorgung von wenigen Patientinnen und Patienten aufgewendet werde. Während 2011 noch 17 Prozent des Gesamtumsatzes auf Arzneimittel mit Preisen von 1000 Euro oder mehr entfallen seien, seien es in 2020 bereits 43 Prozent des Umsatzes gewesen.

Zugleich erreichten diese Arzneimittel aber nur einen Anteil von 1,1 Prozent aller 684 Millionen Verordnungen in 2020. Dabei hätten sich Medikamente mit Packungspreisen von 5000 Euro und mehr in 2020 in rund der Hälfte aller Indikationsgruppen wiedergefunden, so das Institut, und seien nicht nur bei der Behandlung von Krebs oder seltenen Stoffwechselerkrankungen eingesetzt worden. (Ebert-Rall)

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