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Interview

Wenn Patienten vor OP um Rat bitten – Tipps für Ärzte

Der Chirurg Professor Claus-Dieter Heidecke ist Mitglied des QSR-Expertenpanels Bauchchirurgie, das den Leistungsbereich „Verschluss einer Leistenhernie“ mitentwickelt hat. Das Panel berät ebenfalls bei den QSR-Indikatoren zur Appendektomie und Cholezystektomie.

Von Taina Ebert-Rall Veröffentlicht: 25.10.2019, 09:30 Uhr

Ärzte Zeitung: Herr Professor Heidecke, nach welchen Kriterien würden Sie eine Klinik aussuchen?

Prof. Claus-Dieter Heidecke: Nach der Expertise der Kollegen. Und um das zu beurteilen, würde ich mir zunächst anschauen, wie häufig das Team die Operation vornimmt. Die Fallzahl ist also durchaus ein Kriterium. Und ich würde nach Bewertungen schauen.

Hier bietet QSR mit der Zusammenfassung der Leistung in ein, zwei oder drei Lebensbäumen schon einen sehr guten Überblick über die Behandlungsqualität bei bestimmten Eingriffen.

Im Interview: Prof. Claus-Dieter Heidecke ist ärztlicher Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald.

Im Interview: Prof. Claus-Dieter Heidecke ist ärztlicher Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald.

© Privat

Das spricht also dafür, nur in eine Klinik zu gehen, die drei Lebensbäume vorweisen kann?

Nicht unbedingt. Ich würde zwar für mich keine Klinik aussuchen, die nur einen Baum hat. Man kann aber sehr wohl in Kliniken gehen, die mit zwei Bäumen bewertet sind. Es kommt eben darauf an, wie die Klinik bei chirurgischen Komplikationen, Rezidiven, chronischen Schmerzen und Mortalität abschneidet. Das findet man im Krankenhausnavigator, wenn man auf die Details klickt. Rezidive und Schmerzen wertet das QSR-Verfahren für das komplette Jahr nach der OP aus, was einen guten Blick auf mögliche Komplikationen gibt.

Dabei setzt das QSR-Verfahren auf sogenannte SMR-Werte. Hierbei werden die für das betreffende Krankenhaus ermittelten Werte mit den erwarteten (bundesweiten) Werten in Relation gesetzt und risikoadjustierte SMRs bestimmt. Eine Klinik kann also gemäß QSR niedrige Komplikationsraten haben, wegen einer geringen Fallzahl aber nicht zu den 20 Prozent bundesweiten Kliniken mit den statistisch niedrigsten Raten gehören.

Ein Grund für solche geringeren Fallzahlen können Ausschlüsse aus der Berechnung sein wie zum Beispiel bösartige Neubildungen und Operationen bei Kindern. QSR bewertet die Leistenbruch-OP ohne Simultaneingriffe bei Erwachsenen. Außerdem sollte man weitere Qualifikationen der Klinik wie Zertifizierungen in Betracht ziehen.

Was raten Sie einweisenden Ärzten, deren Patienten nach einem Tipp für die Krankenhauswahl fragen?

Die Hausärzte haben in der Regel einen guten Draht zu ihren Patienten, die ihnen vertrauen. Sie können zum Beispiel die Informationen im Krankenhausnavigator erläutern. Von den rund 300 000 Leistenbruch-Operationen pro Jahr werden etwa 200 000 in Krankenhäusern stationär oder ambulant vorgenommen.

Nur diese werden bei QSR erfasst. Die Operationsverfahren (konventionell mit Schnitt oder minimal-invasiv) werden bei QSR zwar registriert, aber nicht öffentlich berichtet. Die berichtete Aussage zur Qualität bezieht sich auf das Gesamtergebnis aller Leistenbruch-OP.

Informationen zu dem OP-Verfahren muss der zuweisende Arzt sich bei den Kliniken bzw. den Operateuren einholen. Hier kommt es auch auf die individuelle Situation des Leistenbruchs und die Wünsche des Patienten an.

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