Direkt zum Inhaltsbereich

Darmkrebsvorsorge kommt im Ruhrgebiet an

Veröffentlicht:
Koloskopie-Untersuchung: Ist der Befund nach einem Test positiv, sollen sich die Beschäftigten ärztlich beraten lassen.

Koloskopie-Untersuchung: Ist der Befund nach einem Test positiv, sollen sich die Beschäftigten ärztlich beraten lassen.

© Rose

"1000 Leben retten" will eine Initiative, die Anfang 2011 im Ruhrgebiet gestartet wurde. Unternehmen sollen ihre Beschäftigten für die Teilnahme an der Darmkrebs-Früherkennung motivieren.

Von Ilse Schlingensiepen

ESSEN. Auch wenn es immer mal wieder Kritik an Vorsorgeuntersuchungen bei einzelnen Krebsarten gibt, sollte eines klar sein: Sie betrifft nicht das Thema Darmkrebs. Das hat Professor Michael Betzler, Ärztlicher Direktor des Essener Alfried Krupp Krankenhauses, unterstrichen.

"Bei der Darmkrebsvorsorge sind die Sinnhaftigkeit und der ökonomische Effekt nachgewiesen", sagte Betzler bei der Präsentation einer Zwischenbilanz des Projekts "1000 Leben retten Ruhr", dessen Leiter er ist.

Möglichst viele Unternehmen motivieren mitzumachen

Die Initiative wurde im Februar 2011 gegründet. Ziel ist es, die Mitarbeiter möglichst vieler Unternehmen im Ruhrgebiet für die Teilnahme an der Darmkrebs-Früherkennung zu motivieren und ihnen kostenlos einen immunologischen Stuhltest zur Verfügung zu stellen.

Seit Juli 2011 können auch Interessierte, die nicht in einem der beteiligten Unternehmen arbeiten, an der Initiative teilhaben. Sie erhalten für einen Kostenbeitrag von 8,50 Euro ein Testset und die Auswertung. Insgesamt wollen die Initiatoren in der Region mindestens 2,5 Millionen Menschen für das Thema sensibilisieren.

Bislang haben 214 Unternehmen Interesse bekundet, 152 befinden sich bereits in der konkreten Umsetzungsphase. Zu ihnen gehört auch die ThyssenKrupp AG.

"Bei unserer Aktion 'Darmkrebsvorsorge‘ wurde erstmals allen Belegschaftsmitgliedern eine medizinische Vorsorge zur selben Zeit angeboten, bundesweit koordiniert über die Konzernzentrale und den arbeitsmedizinischen Dienst", berichtete Vorstand Ralph Labonte.

ThyssenKrupp stellte den Test allen Mitarbeitern ab 45 auf Wunsch kostenlos zur Verfügung und den Familienangehörigen zu einem vergünstigten Preis. Die Tests gingen ausschließlich an die Privatadressen. "Die Resonanz war außerordentlich groß: Mehr als 14.000 unserer Mitarbeiter haben Test-Sets geordert, um in dieser heiklen Frage Gewissheit zu erlangen", sagte Labonte.

600 Beschäftigte und fast 80 Familienangehörige wurden mit einem positiven Befund konfrontiert. "Wir haben unsere Mitarbeiter aufgefordert, bei Beratungs- und Behandlungsbedarf auf ihre Betriebs- und Werkärzte oder auch ihren Hausarzt zuzugehen."

Auch mittlere und kleine Unternehmen machen bei der Aktion mit

Nicht nur große Konzerne, sondern auch mittlere und kleine Unternehmen aus dem Ruhrgebiet machen bei der Aktion mit. "Auch der Besitzer einer Trinkhalle bietet seinen Mitarbeitern die Früherkennung an", sagte Oliver Hartmann von der AOK Rheinland/Hamburg.

Bislang haben infolge der Initiative 33.137 Menschen ein Testset angefordert, darunter waren rund zwei Drittel Männer.

Von den 22.604 ausgewerteten Tests führten 21.161 oder 93,6 Prozent zu einem negativen Befund 6,4 Prozent zu einem positiven Befund, der eine weitere Untersuchung erforderlich macht. Aus dieser Gruppe waren immerhin 36,7 Prozent jünger als 50 Jahre alt. 56,8 Prozent waren älter als 50, bei 6,5 Prozent lag keine Altersangabe vor.

Gesetzlich Versicherten steht die Darmspiegelung als Früherkennungsmaßnahme erst ab dem 55. Lebensjahr als Kassenleistung zu.

Die Initiative, die wissenschaftlich evaluiert werden soll, könne dazu beitragen, für eine Ausweitung der gesetzlichen Früherkennungsmaßnahmen zu werben, sagte Hartmann. "Aber auch die betriebliche Gesundheitsversorgung ist eine gute Möglichkeit, die Inanspruchnahme weiter zu verbreiten."

 "Damit haben wir schon viel erreicht"

Jeder, der an der Aktion teilgenommen hat, sei ein guter Multiplikator, sagte Chirurg Betzler. "Damit haben wir schon viel erreicht." Die Ziele der Initiative seien aber noch nicht verwirklicht, betonte er. So gebe es im Ruhrgebiet noch "weiße Flecken" sowie Unternehmen, die sich nicht beteiligen.

Ein besonderes Augenmerk müsse auf die Gruppe der Menschen mit einem familiären Darmkrebsrisiko gelegt werden.

Nutzer von iPhones oder iPads der Firma Apple könnte sich jetzt auch mobil über die Aktion und das Thema Darmkrebs informieren. Mit Förderung der Unternehmen ThyssenKrupp und Evonik wurde eine kostenlose App "1000LebenRuhr" entwickelt.

Ihr Newsletter zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH
Abb. 1: Studie MajesTEC-3: progressionsfreies Überlebenc

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neue Therapieoption beim rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom (RRMM)

Teclistamab-Daratumumab erzielt bislang unerreichten PFS-Vorteil bei RRMM ab dem 1. Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Juristische Einordnung

Rassistische Diskriminierung im Praxisteam: So verhält man sich als Ärztin oder Arzt rechtskonform

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruckschwankungen: Worauf es dann ankommt

Lesetipps
Ein Kind erhält eine Spritze und schaut ängstlich weg.

© yanadjan / stock.adobe.com

Vom Schmerzgel bis zum Wiegenlied

Zehn Strategien gegen Impfstress

Die Rückseite eines jungen Mannes mit großflächigen Tätowierungen.

© PeopleImages / Getty Images / iS

Kasuistik

Lebensgefahr! Tattoo mit schockierenden Folgen

Nahaufnahme des rechten Handegelenks eines Patienten das mit einer Handgelenksschiene ruhig gestellt ist.

© Ondrej Novotny / stock.adobe.com

Therapie der ersten Wahl

Was bringt eine Handgelenksschiene beim Karpaltunnelsyndrom?