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Gallenwegskrebs

Gentest plus Tumormarker für Früherkennung

Ein Gentest, der mit einem Tumormarker kombiniert wird, könnte die Früherkennung von Gallenwegskrebs verbessern.

Veröffentlicht:

HEIDELBERG. Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg haben eine Methode zur Früherkennung von Krebserkrankungen der Gallenwege entwickelt.

Sie kombinierten die Messung eines gängigen Tumormarkers im Blut mit einem Test auf bestimmte Veränderungen des Erbguts, heißt es in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg.

Anhand des genetischen Tests lassen sich Risikopatienten mit chronischer Entzündung der Gallenwege (Primär Sklerosierende Cholangitis PSC), nun erstmals in drei Gruppen einteilen, für die - das zeigten die Forscher in einer Studie - jeweils ein anderer Grenzwert des Tumormarkers gilt.

Ist dieser überschritten, weist dies auf einen Tumor in den Gallenwegen hin. Der kombinierte Test erwies sich im Rahmen der Studie als deutlich zuverlässiger als die reine Messung des Markers im Blut.

Invasive Eingriffe werden mit dem Test vermieden

Vor der Einführung in die klinische Praxis sind allerdings noch weitere Studien mit größeren Patientenzahlen erforderlich. "Dieses Verfahren bietet erstmals die Chance, ohne invasive Eingriffe Tumoren der Gallenwege früh zu entdecken und rechtzeitig zu behandeln", so Seniorautor Privatdozent Dr. Daniel Gotthardt in der Pressemitteilung (J Hepatol 2013; 59(6): 1278-1284).

Rund 8000 Menschen in Deutschland leiden an einer seltenen chronischen Entzündung der Gallenwege, der primär sklerosierenden Cholangitis (PSC). Sie tragen ein hohes Risiko, eine Krebserkrankung der Gallengänge zu entwickeln.

Die bösartigen Tumoren treten bei ungefähr jedem zehnten Patienten mit PSC, vorwiegend Männer im Alter um die 40 Jahre, auf. Sie sind in den entzündlich veränderten und vernarbten Gallengängen im Anfangsstadium mittels bildgebender Verfahren oder Spiegelungen der Gallengänge kaum zu diagnostizieren.

Auch der gängige Tumormarker "CA19-9", eine Substanz, die bei bestimmten Krebserkrankungen in höheren Konzentrationen als sonst ins Blut gelangt, liefert bisher meist nur vage Hinweise. Er kann schon durch die entzündeten Gallengänge verstärkt freigesetzt werden und die Blutkonzentrationen schwanken von Patient zu Patient stark.

Neun von zehn Tumoren mittels kombiniertem Test erfasst

"Wir benötigen dringend zuverlässige und aussagekräftige Methoden der Früherkennung", erklärt Dr. Gotthardt, Leiter der Sektion Lebertransplantation in der Abteilung Gastroenterologie, Infektionskrankheiten und Vergiftungen der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg.

Frühe Stadien des Tumors lassen sich durch eine Operation oder Lebertransplantation noch gut behandeln. Spät erkannt, also bereits gut erkennbar bei Kernspintomographie oder Ultraschall, haben die Tumoren meistens schon gestreut und sind nicht mehr heilbar.

Die internationale Arbeitsgruppe um Dr. Gotthardt und seinen Kollegen Dr. Andreas Wannhoff entdeckte, wie sich die Aussagekraft des Markers CA19-9 mit Hilfe zusätzlicher genetischer Informationen deutlich erhöhen lässt.

Die Wissenschaftler überprüften bei 433 Patienten mit PSC, davon 41 mit Gallengangkarzinom, bestimmte Abschnitte im Erbgut, die den CA19-9-Spiegel im Blut maßgeblich beeinflussen. Sind sie verändert oder defekt, wird z.B. nur sehr wenig oder - auch ohne Tumor - berdurchschnittlich viel CA19-9 gebildet.

"Ein einheitlicher Grenzwert führt dazu, dass auf der einen Seite Tumoren übersehen und andererseits unnötige, meist invasive Folgeuntersuchungen vorgenommen werden", sagt Wannhoff.

Weitere Studienteilnehmer werden gesucht

Anhand der diagnostizierten genetischen Veränderungen teilten die Mediziner die Patienten in drei Gruppen und ermittelten für jede Gruppe einen eigenen Grenzwert des Tumormarkers. So können 90 Prozent der Tumoren erfasst und gleichzeitig die Anzahl der falsch positiven Diagnosen - als kritisch eingestufte Testwerte, obwohl kein Tumor vorliegt - drastisch gesenkt werden.

"Insgesamt können wir mit dieser Methode mehr als 80 Prozent der Patienten mit PSC eine korrekte Diagnose stellen", so Gotthardt. "Trotzdem wollen wir das Verfahren noch weiter verbessern, z.B. indem wir den CA19-9-Spiegel mehrmals messen und Veränderungen erfassen."

Momentan ist die Aussagekraft der Studie noch durch die geringe Anzahl an Patienten eingeschränkt. Es sollen daher weitere Studien folgen. Dazu suchen die Heidelberger Wissenschaftler noch Teilnehmer mit primär sklerosierender Cholangitis (PSC).

Nach dem genetischen Test, der am Universitätsklinikum Heidelberg vorgenommen wird, können die notwendigen Blutuntersuchungen auch vom behandelnden Hausarzt durchgeführt werden.

Interessierte Patienten werden gebeten, direkt mit Privatdozent Dr. Daniel Gotthard oder Dr. Andreas Wannhoff in Kontakt zu treten (E-Mail-Adressen: Daniel_Gotthardt@med.uni-heidelberg.de und Andreas_Wannhoff@med.uni-heidelberg.de). (eb)

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