Sportmediziner gegen Minister

Medaillenzählerei befördert Doping

Der Innenminister erwartet mehr olympische Medaillen als vor vier Jahren. Dopingforscher Perikles Simon findet das kontraproduktiv.

Von Pete Smith Veröffentlicht: 01.08.2016, 06:45 Uhr

FRANKFURT/MAIN. Mit Blick auf die aktuelle Dopingdiskussion übt der Mainzer Sportmediziner Professor Perikles Simon Kritik an Bundesinnenminister Lothar de Maizière. Der hatte im vergangenen Jahr gefordert, dass die deutschen Athleten angesichts der finanziellen Förderung durch den Bund mindestens ein Drittel mehr Medaillen bekommen müssten als bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Simon: "Es gibt nur eine Möglichkeit, das zu erreichen: Doping."

Perikles Simon, Leiter der Abteilung Sportmedizin an der Universität Mainz und engagierter Experte im Kampf gegen Doping, hatte erst unlängst im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" prognostiziert, dass die am 5. August beginnenden Sommerspiele von Rio die dopingverseuchtesten aller Zeiten sein werden.

In einem Interview mit einem Online-Portal legte er jetzt noch einmal nach. "Der Druck auf saubere Athleten ist extrem groß geworden", sagte er. "Denen ist spätestens jetzt klar: Es gibt zu viele Möglichkeiten, um positive Dopingbefunde zu vermeiden. Wenn wir jetzt nicht den Zenit an Doping erreichen, dann erreichen wir ihn nie."

Bei den Olympischen Spielen vor vier Jahren sind die deutschen Athleten deutlich hinter der Planung des Innenministeriums und des Deutschen Olympischen Sport-Bundes zurückgeblieben. Angestrebt wurden 86 Medaillen, erreicht 44 (11 Gold-, 19 Silber- und 14 Bronze-Medaillen).

Damals erreichte die deutsche Equipe Platz sechs im Medaillenspiegel. Zu wenig, wie Bundesinnenminister de Maizière im vergangenen Jahr bekundete: "Medaillen sind die Währung", erklärte er damals. "Wir müssten eigentlich nach der Tradition in beiden deutschen Staaten und nach unserer Wirtschaftskraft, mit der wir den Spitzensport fördern, mindestens ein Drittel mehr Medaillen bekommen, vielleicht mehr." Der Steuerzahler habe für das Geld, das er in den Spitzensport investiere, "einen Anspruch auf Gegenleistung".

Diese Haltung kritisiert Sportmediziner Simon jetzt scharf. "Für mich ist das ein klarer indirekter Aufruf zum Dopen", sagte er in dem Interview. Er und seine Kollegen fragten sich, wer den Innenminister in dieser Frage berät.

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