Podcast „Die Berliner Stunde“
GeDIG im Check: Bringt das neue Gesetz den Digitalisierungsturbo, Herr Raddatz?
Sascha Raddatz vom Bundesverband Gesundheits-IT sieht das GeDIG als Meilenstein für die Digitalisierung, blickt auf einige Punkte aber auch sehr kritisch. Was ihm in der Debatte vor allem fehlt, erklärt er im Podcast „Die Berliner Stunde“.
Veröffentlicht:„Wir müssen raus aus dem digitalen Neandertal. Was wir jetzt brauchen, ist ein Digitalisierungsturbo.“ Das hat Carsten Linnemann vor genau fünf Jahren geschrieben. Das Zitat des CDU-Bundestagsabgeordneten von damals hat im Gesundheitswesen auch heute noch seine Gültigkeit.
Mit dem Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) hat der neue Bundesgesundheitsminister von seiner Vorgängerin und heutigen Kanzleramtschefin Nina Warken (CDU) dazu den passenden Kabinettsentwurf übernommen, der im Herbst vom Bundestag beraten wird.
Einer, der das genau beobachten und begleiten wird, ist Sascha Raddatz, seit Anfang des Jahres Geschäftsführer des Bundesverbandes Gesundheits-IT – kurz bvitg. Im Podcast „Die Berliner Stunde“ haben wir mit ihm den GeDIG-Check gemacht.
„Werden den Finger in die Wunde legen“
„Es ist ein richtiger Meilenstein, und es ist das Gesetz in dieser Legislaturperiode, was uns am meisten beschäftigen wird, um Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzubringen“, so Raddatz. Als Industrieverband wird der bvitg das Gesetzgebungsverfahren intensiv begleiten, kündigt der Geschäftsführer an.
E-Überweisung, ePA & und mehr
„Das Fax wird überflüssig“: Kabinett segnet Warkens Digitalgesetz ab
Ziel des Gesetzes ist, dass die Telematikinfrastruktur stabiler und die elektronische Patientenakte (ePA) zu einem echten Vernetzungstool in der Versorgung wird, quasi das digitale Rückgrat des geplanten Primärversorgungssystems. Und das GeDIG regelt auch viele Details rund um Datennutzung und Interoperabilität und soll die Voraussetzungen für den Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) schaffen.
Und obwohl Raddatz das Gesetz als Meilenstein sieht, bleibt der Verband kritisch und sieht noch Regelungsbedarf. „Gleichzeitig bleiben viele Fragen offen. Wie werden Vorhaben konkret finanziert, welche Zeitachsen sind realistisch, wer trägt welche Verantwortung“, zählt Raddatz einige Punkte auf.
Wettbewerb statt Zentralisierung
Beim Thema Verantwortung schaut der Verband ganz besonders intensiv auf einen Player: und zwar auf die gematik, die Digitalagentur des Bundes, die mit dem GeDIG deutlich gestärkt werden soll. „Sie braucht eine stärkere Governance“, sagt auch Raddatz. Sie brauche auch die Verantwortung für die digitale Infrastruktur und für ePA.
„Kritisch sehen wir allerdings, dass die gematik sehr starke Zugriffsrechte bekommt und sehr stark in den Markt mit eingreift.“ Da verspricht Raddatz für die anstehenden Debatten „den Finger in die Wunde zu legen“. Ein resilientes System entsteht seiner Meinung nach nicht durch Zentralisierung, sondern durch Wettbewerb.
Insgesamt bleibt aus bvitg-Sicht für eine erfolgreiche Digitalisierung noch einiges zu tun. „Entscheidend ist, wie wir Versorgung und Zusammenarbeit verbessern.“ Dafür können das GeDIG eine gute Grundlage sein, aber nicht der alleinige Stellhebel, betont Raddatz.




