Hausarztverträge

Die Position des Hausärzteverbandes wird gestärkt - die der KVen geschwächt

Veröffentlicht:

Die Krankenkassen müssen bis zum 30. Juni 2009 flächendeckend Hausarztverträge abgeschlossen haben. Dort, wo freie Verbände wie der Hausärzteverband mehr als 50 Prozent der Hausärzte repräsentieren, muss ein Vertrag mit diesem freien Verband abgeschlossen werden.

Diese Neufassung von Paragraf 73 b SGB V, die auf Initiative des Landes Bayern unter dem Druck des dortigen Hausärzteverbandes ins Gesetz gelangte, ist heftig umstritten. Die KBV, die KVen und die Krankenkassen betrachten dies als wettbewerbsfeindlich. In der offiziellen Gesetzesbegründung heißt es nun, die Krankenkassen seien ihrer ausdrücklichen Verpflichtung zum flächendeckenden Angebot hausarztzentrierter Versorgung nicht in ausreichender Zahl nachgekommen. Aus diesem Grund sei es notwendig, den Kassen eine Frist zu setzen und dabei auch den Hausärzteverband einzubeziehen.

Es entsteht eine Kopie des KV-Systems.

Mit dieser Neuregelung werde bezweckt, "das mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz eingeführte eigenständige Verhandlungsmandat der Gemeinschaften von Hausärzten zu stärken". Die Kassen werden verpflichtet, Vertragsverhandlungen in erster Linie mit dem Hausärzteverband aufzunehmen, wenn dieser die Quote von 50 Prozent in einem KV-Bezirk erfüllt.

Mit dieser Quote könne auch eine flächendeckende Versorgung im Rahmen von Hausarztverträgen sichergestellt werden. Die auf fünf Jahre verlängerte Weiterbildung sei Grundlage für die besondere Qualifizierung von Allgemeinärzten für die spezifischen Anforderungen in der hausärztlichen Versorgung. Das rechtfertige die Vorrangstellung des Hausärzteverbandes als Vertragspartner.

Damit ein Vertragsabschluss auch durchgesetzt werden kann, sind die Verträge schiedsamtsfähig. Das ist ein Novum: Damit kopiert der Gesetzgeber kollektivvertragliche Elemente, wie sie für das KV-System charakteristisch sind, erstmals für einen freien Verband. (HL)

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Gehaltsvergleich

TK-Chef Jens Baas ist Bestverdiener unter Kassen- und KV-Chefs

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gehaltsvergleich

TK-Chef Jens Baas ist Bestverdiener unter Kassen- und KV-Chefs

Lesetipps
Krankenversichertenkarte auf Geld

© Setareh / stock.adobe.com

Neuer Gehaltstarif

Das bedeutet die MFA-Tariferhöhung für Praxen

Nasenabstrich: Seit der COVID-19-Pandemie kennen das viele Menschen. Ob Schnelltests auch bei anderen Infektionen zum Einsatz kommen sollten, ist Gegenstand einer Diskussion.

© Frank Hoermann/SVEN SIMON/picture alliance

Diskussion

Schnelltests für Atemwegsinfektionen: Unfug – oder Schritt nach vorn?