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Multiresistente Keime

EU-Kommission für fehlende Initiative kritisiert

Der Kampf gegen multiresistente Keime scheint fast aussichtslos. Die von der EU erlassenen Beschränkungen bei der Nutzung von Reserve-Antibiotika in der Tiermedizin greifen jedenfalls zu kurz. Aber die Kommission weigert sich, die Entwicklung neuer Medikamente für den Menschen zu fördern.

Von Detlef Drewes Veröffentlicht:
Test auf Antibiotika-Resistenz: Kritiker werfen der Europäischen Union vor, die Entwicklung neuer Antibiotika zu wenig zu fördern. Dabei bestehe dringender Handlungsbedarf.

Test auf Antibiotika-Resistenz: Kritiker werfen der Europäischen Union vor, die Entwicklung neuer Antibiotika zu wenig zu fördern. Dabei bestehe dringender Handlungsbedarf.

© ggw / Fotolia

BRÜSSEL. Die Zeit scheint abgelaufen. Immer wieder hatten die Gesundheitspolitiker des Europäischen Parlamentes in den vergangenen Monaten die Kommission gedrängt, ein Anreizsystem zur Entwicklung neuer Antibiotika vorzuschlagen und zu installieren.

Doch Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis ruhte sich offenbar auf seinem Maßnahmenpaket aus, dass er im Herbst 2018 durch das Abgeordnetenhaus gebracht hatte. Es sieht vor, dass Reserve-Antibiotika in der Tiermedizin nicht mehr oder nur unter besonders strengen Bedingungen eingesetzt werden dürfen.

Unverständliches Verhalten

So sollten Resistenzen verhindert werden, die beim Menschen entstehen. „Ich bedauere sehr, dass die Europäische Kommission hier noch keinen Vorschlag vorgelegt hat“, sagte auch Peter Liese (CDU), Arzt und Europa-Abgeordneter.

Sein bitterer Vergleich: „Wenn in der Europäischen Union jeden Monat sieben vollbesetzte Passagierflugzeuge abstürzen und dabei 2000 Menschen ums Leben kommen würden, hätten wir kaum ein anderes Thema.“ Genau in dieser Größenordnung liegen aber die Opferzahlen durch multiresistente Keime, weil die gängigen Antibiotika nicht mehr wirken.

Das Problem wird nicht geringer, es zieht sogar noch Kreise. Im Vorjahr entdeckten Forscher des Emory Antibiotic Centers in Atlanta bei einem Patienten Bakterien, die nicht nur extrem resistent, sondern zusätzlich auch noch „hypervirulent“ waren.

„Die Kombination aus erhöhter Virulenz und Multi-Resistenz verschlimmert die Situation“, erklärte Direktor David Weiss im Juni 2018.

Der Druck wächst

Beim Robert Koch-Institut hieß es damals, man habe bis vor kurzem nur Keime gekannt, die entweder das eine oder das andere sind, aber nicht beides zusammen.

Dass die EU-Kommission trotzdem nicht den nächsten Schritt geht und Programme zur Entwicklung neuer Antibiotika für Menschen auflegt, erscheint unverständlich. Zumal der Druck wächst.

Sogar der Europäische Rechnungshof in Luxemburg, der es sich seit einiger Zeit zur Aufgabe gemacht hat, nicht nur die ordnungsgemäße Abwicklung von Ausgaben zu prüfen, sondern auch deren Effizienz, mahnte inzwischen an, nicht nur mehr zu tun, sondern auch wirkungsvoller zu werden.

Der Kommissar allerdings beschränkte sich bislang darauf, an die Mitgliedstaaten zu appellieren, ihre Anstrengungen zu erhöhen. Mehr dürfte von Andriukaitis auch nicht mehr zu erwarten sein. Die Amtszeit der Kommission läuft aus. Am 26. Mai werden das Parlament und die Spitze der EU-Behörde neu gewählt. Bis ein neues Team im Amt ist, könnte es Jahresende werden.

Kommission wartet ab

Wie wichtig ein solches Förderprogramm auf europäischer Ebene ist, machte nicht zuletzt eine Ankündigung des Pharma-Riesen Novartis im Sommer des vergangenen Jahres deutlich.

Nachdem der Konzern noch zwei Jahre zuvor den „Kampf gegen Superkeime“ angekündigt hatte, gab das Unternehmen im Juli 2018 bekannt, sich aus der Entwicklung neuer Medikamente gegen antibiotikaresistente Bakterien zurückzuziehen. Die Situation wird dramatischer, nicht entspannter. Und die EU-Kommission wartet ab.

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