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Legasthenie

Hilfe so früh wie möglich

Ein Kind liest langsam, stockt, verliert die Zeile. Klingt normal für einen ABC-Schützen. Oder ist es doch Legasthenie? Forscher in München befassen sich mit dem Thema.

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Schon in den ersten Schulmonaten wollen Ärzte und Pädagogen Kindern mit Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwäche helfen. Es gebe Modelle in den Vereinigten Staaten, die direkt mit dem Schulbeginn ansetzten, sagte der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München, Gerd Schulte-Körne: "Je früher, desto besser." An dem Münchner Klinikum haben sich in den vergangenen Tagen an die 60 Wissenschaftler aus aller Welt zu einem Symposium getroffen.

Zwei Studien in Hessen und in Bayern mit mehreren Tausend Kindern zeigten, dass jeweils etwa vier Prozent der Grundschulkinder eine Lese-, eine Rechtschreib- oder eine kombinierte Lese-Rechtschreibschwäche hätten.

Während die einen beim Lesen stocken, Wörter, Silben und Buchstaben vertauschen, machen die anderen beim Schreiben viele Fehler. Sie schreiben teils ein Wort im selben Text mehrfach unterschiedlich falsch. Und sie werden dafür nicht selten von Mitschülern gehänselt.

Die unterschiedlichen Schwächen werden unter Legasthenie subsumiert – und seien früher gar nicht unterschieden worden, sagte Schulte-Körne. "Das hat dazu geführt, dass den Kindern nicht gezielt geholfen wurde." Relativ unbekannt, jedoch mit vier Prozent Betroffenenanteil ebenso verbreitet sei die Rechenstörung Dyskalkulie.

Bei der Unterscheidung all dieser Störungen sei man genauer geworden. Seit dem vergangenen Jahr gebe es von über 30 Fachverbänden entwickelte diagnostische Leitlinien. Außerdem setze Hilfe früher an. "Man wartet nicht mehr, bis das Kind scheitert." Vorbild für die Betreuung sei ein gestuftes Modell aus den USA, sagte Schulte-Körne.

Dabei werde vom Eintritt in die Schule an die Entwicklung beobachtet und zunächst einfache Unterstützung in der Gruppe angeboten. Für Kinder, bei denen das nicht ausreiche, gebe es ein intensiveres Förderangebot – das notfalls noch mit einer außerschulischen Förderung kombiniert werde. In Deutschland werde diese Strategie bisher allerdings nur vereinzelt praktiziert.

Da viele Betroffene bis ins Erwachsenenalter mit erheblichen Schwierigkeiten und meist auch psychischen Problemen kämpften, müsse die Forschung herausfinden, wie den Kindern möglichst effizient geholfen werden könne. Das sei auch von gesellschaftlicher Bedeutung, da die Beeinträchtigungen häufig zu Schulversagen und zugleich zu enormen Kosten führten.(dpa)

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