Patientenströme – besser gelenkt
15 Jahre Facharztverträge (FAV)-- Seit Jahren zeigen wissenschaftliche Evaluationen, dass die gesundheitliche Versorgung der AOK Baden-Württemberg durch Vollversorgungsverträge besser ist als die Regelversorgung – abgedeckt durch fast 9.000 Haus- und Fachärzte.
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2008 gründeten die AOK, der Hausärztinnen- und Hausärzteverband und MEDI Baden-Württemberg die Haus-arztzentrierte Versorgung (HZV) als Erfolgsmodell – gegen vielfältigen Widerstand. Heute sind in die HZV der AOK Baden-Württemberg mehr als zwei Millionen Versicherte eingeschrieben. Die Initiatoren glaubten fest daran, dass die HZV ergänzende fachärztliche Vollversorgungsverträge die ambulante Versorgung weiter verbessern. Demzufolge startete vor 15 Jahren der erste bundesweite Vollversorgungsvertrag im Bereich Kardiologie. Mittlerweile gibt es acht Facharztverträge (FAV) mit 13 Facharztgruppen, in der Regel mit Beteiligung der Bosch BKK. Und seit Herbst gibt es mehr als eine Million teilnehmende Versicherte.
Klare Steuerung durch Selektivverträge
Problematisch ist, dass Versicherte in der ambulanten Regelversorgung Fachärztinnen oder Fachärzte oftmals ohne Rücksprache mit ihren Hausärztinnen und Hausärzten aufsuchen und somit potenziell den Zugang für ernsthaft erkrankte Menschen blockieren, die dadurch länger auf Termine warten. Aktuelle Auswertungen der Universitäten Heidelberg und Frankfurt/Main zeigen erneut, dass die ungesteuerte Inanspruchnahme von Facharztkontakten im HZV-Kollektiv im Vergleich zur Regelversorgung deutlich seltener erfolgt. So hatten HZV-Teilnehmende im Berichtsjahr 2022 im Vergleich zur Regelversorgung etwa 1,36 Millionen weniger Facharztbesuche ohne Überweisung.
HZV mit Facharztverträgen noch besser
Angesichts der wachsenden Zahl älterer und versorgungsintensiver Patientinnen und Patienten ist eine effiziente Steuerung der Patientenströme wichtiger denn je. Daher wurde für das Jahr 2022 untersucht, ob die Kombination aus HZV und der FAV gegenüber der alleinigen HZV zusätzliche Effekte erzielt. Das Ergebnis ist eindeutig: Bei allen Versicherten der AOK Baden-Württemberg konnten durch die Teilnahme an der HZV und den FAV rund 11.600 stationäre Aufenthalte im Vergleich zur Regelversorgung vermieden werden – etwa 7.100 mehr als durch die alleinige Teilnahme an der HZV. Für die Subgruppe der chronisch Erkrankten lassen sich nachweisen: Weniger Wiedereinweisungen innerhalb von vier Wochen, geringere potenziell vermeidbare Krankenhausaufnahmen und kürzere Liegezeiten. Ein entscheidender Grund für diese Ergebnisse ist die bessere Abstimmung zwischen Haus- und Fachärzten. Dazu gehören klare Überweisungswege, koordinierte Folgetermine und feste Kommunikationspfade. Patientinnen und Patienten profitieren von kürzeren Wartezeiten, erhöhter Sicherheit durch eine abgestimmte Medikation und mehr (Beratungs-)Zeit.

Dr. Norbert SmetakVorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg
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Seit 2010 verbessern passgenaue Strukturen in Baden-Württemberg die Arbeitsbedingungen der Praxisteams und die ambulante Patientenversorgung gleichermaßen. Eine echte Win-win-Situation. Die Evaluation hat jetzt wissenschaftlich belegt, dass die HZV in Kombination mit den Facharztverträgen besser funktioniert als die HZV allein. Deshalb setzen wir weiter auf die Facharztverträge mit der engen Verknüpfung zur HZV als erfolgreiches Versorgungsmodell und als Blaupause für das von der Bundesregierung angestrebte Primärarztsystem.

Johannes BauernfeindVorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg
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Selektivverträge müssen auch weiterhin in der regionalen Versorgungsgestaltung möglich bleiben. Nur so gelingen eine hochwertige Patientenversorgung, eine bedarfsorientierte Patientensteuerung, erstklassige Patientenbetreuung mit mehr Beratungszeit, und der Abbau von Bürokratie. Dass das Kollektivsystem grundlegend reformiert gehört, ist unbestritten. Aber entscheidend wird sein, wie das Primärversorgungssystem im Kollektivsystem ausgestaltet wird und welche regionalen Freiräume für innovative Ansätze bestehen bleiben.

Frieder SpiethVorstand der Bosch BKK
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Die Selektivverträge verschaffen den Ärztinnen und Ärzten Zeit für eine intensivere Versorgung und eine ausführliche Information und Beratung. So können vor allem chronische Krankheitsbilder besser beleuchtet werden. Gibt es Einflussfaktoren aus dem sozialen Umfeld, wie etwa Stress, kann ganzheitlich und individuell behandelt werden. Der Patient benötigt nur eine Überweisung und wird direkt in der Praxis in das Programm eingeschrieben. Es gibt auch kein langes Genehmigungsverfahren, wie das oft bei Langzeittherapien nötig ist.
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