Gesundheitspolitik international

Psychiater besorgt über Billig-Therapie

LONDON (ast). Psychisch kranke Patienten in Großbritannien werden oftmals nicht angemessen fachärztlich versorgt. Das geht aus Untersuchungen britischer Fachärzte und Patientenverbände hervor.

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Demnach werden diese Patienten oftmals "nur bei Laune gehalten" anstatt angemessen therapeutisch versorgt zu werden. Hintergrund sind relativ neue Diagnose- und Therapierichtlinien für die Hausärzte des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS).

Seit 2005 sind die NHS-Primärärzte angewiesen, Patienten, die psychische Auffälligkeiten zeigen, zunächst zu einem Therapeutenteam zu überweisen anstatt direkt zum Psychiater. Diese Therapeutenteams bestehen aus insgesamt acht Personen: Sozialarbeiter, Krankenschwester oder -pfleger, diverse Therapeuten ohne fachärztliche Qualifikationen sowie ein qualifizierter Psychiater.

Freilich gibt es keine Garantie, dass der Patient nach der Überweisung vom Psychiater des Therapeutenteams behandelt wird. Nach Angaben von Professor Nick Craddock (Cardiff University) ist die fachärztliche Behandlung "die Ausnahme anstatt die Regel". "Psychisch kranke Patienten sollten stets vom Hausarzt direkt zum Facharzt überwiesen werden", fordert Craddock.

Die Fachärzte kritisieren die NHS-Überweisungsrichtlinien indirekt als kostensparende Alternative zu einer fachgerechten Therapie. Die Tatsache, dass nur einer der acht Teammitglieder ein qualifizierter Psychiater ist, führe dazu, dass die Mehrzahl der psychisch kranken Patienten nicht ausreichend fachärztlich versorgt sei.

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