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Vision Zero Onkologie

Die Elimination des Zervixkarzinoms

Seit langem gibt es eine wirksame und sichere Option, dem Zervixkarzinom und ­anderen, durch das humane Papillomvirus HPV verursachten Tumoren vorzubeugen: die HPV-Impfung. Sie bietet eine einmalige Chance, die Vision Zero für bestimmte Krebsentitäten Wirklichkeit werden zu lassen.

Von Professor Dr. Peter Hillemanns und Professor Dr. Magn Veröffentlicht:
Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Es ist eigentlich eine Binsenweisheit: vorbeugen ist besser als behandeln. Die sogenannte Primärprävention kann nicht nur großes individuelles Leid verhindern, sie ist auch gesamtgesellschaftlich sinnvoll – zum Beispiel, indem sie direkte und indirekte Krankheitskosten spart. Dieser Zusammenhang gilt auch und ganz besonders für Krebserkrankungen. Epidemiologen schätzen, dass rund ein Drittel aller Fälle allein durch einen gesunden Lebensstil vermeidbar wäre. Und gegen einige wenige infektionsbedingte Krebserkrankungen gibt es sogar eine Impfung - so etwa gegen jene, die durch das Humane Papillomvirus HPV verursacht werden. Epidemiologisch am bedeutsamsten sind dabei Zervixkarzinome, daneben lassen sich auch Penis-, Anal- sowie Mundhöhlenkarzinome auf Infektionen mit HPV zurückführen. Es sollte uns ein Anliegen sein, diese Erkrankungen bestmöglich zu verhindern.

Zum Beispiel das Zervixkarzinom

Professor Dr. Peter Hillemanns

Professor Dr. Peter Hillemanns

© Medizinische Hochschule Hannover (MHH)

Das Zervixkarzinom zählt in Deutschland zu den eher seltenen Krebserkrankungen. Allerdings trifft es Frauen sehr häufig in relativ jungem Alter und raubt ihnen viele Jahre wertvoller Lebenszeit, in der sie vielleicht Kinder haben und begleiten, in der sie sich beruflich wie privat verwirklichen wollten. Und es ist nicht allein das Karzinom selbst, das die Frauen aus ihrer Lebensplanung reißt. Schon der Nachweis von Krebsvorstufen – sogenannten zervikalen intraepithelialen Neoplasien CIN – im Rahmen des Programms zur Früherkennung stellt eine hohe psychische Belastung dar. Regelmäßige Kontrollen und die ständig präsente Angst vor der Weiterentwicklung zum Krebs begleiten ab da den Alltag. Wird bei fortgeschrittenen CIN eine Konisation notwendig – ein Eingriff, bei dem das präkanzeröse Gewebe entfernt wird – ist je nach Ausmaß des Eingriffs zudem das Frühgeburtsrisiko deutlich erhöht. All dies ließe sich durch die HPV-Impfung verhindern. Allerdings lässt deren Inanspruchnahme hierzulande sehr zu wünschen übrig. Dabei hatte alles so gut begonnen.

Hoher Impfschutz in Studien belegt

Professor Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg zeigte durch seine Forschungen ab den 1980er Jahren, dass Infektionen mit bestimmten HPV-Typen eine Reihe von Krebserkrankungen auslösen können. Auf Grundlage dieser Forschungen wurden schließlich zwei Impfstoffe gegen jene HPV-Typen entwickelt, die für die Karzinogenese die wichtigste Rolle spielen, und in den Jahren 2006 und 2007 in Deutschland eingeführt.

Anfänglich wurden diese Impfstoffe von der Bevölkerung sehr gut angenommen – bis eine Desinformationskampagne die Dynamik bremste. Die Folge: Heute ist gerade einmal die Hälfte der weiblichen Zielgruppe vollständig geimpft, in der männlichen Zielgruppe ist es ein verschwindend kleiner Prozentsatz. Dabei gelten alle im Rahmen der Desinformationskampagne geäußerten Einwände gegen die HPV-Impfung längst als widerlegt.

We have the knowledge and the tools to stop women from suffering dying from this preventable disease. The time is now for all Member States and development partners to rally behind this strategy to eliminate cervical cancer as a public health problem.

WHO

Die Impfung hat ein positives Sicherheitsprofil und ist gut wirksam. Gezeigt wurde dies beispielsweise für Krebsvorstufen im Zervikal- und Analbereich. Populationsbasierte Registerstudien belegen zudem, dass die HPV-Impfung auch das Zervixkarzinom selbst mit hoher Zuverlässigkeit verhindert. Bei den anderen HPV-assoziierten Tumorerkrankungen lässt sich dies bislang noch nicht eindeutig nachweisen, da sie deutlich seltener auftreten und es daher länger dauert, bis eine statistische Signifikanz der Ergebnisse erreicht ist. Kliniker gehen jedoch davon aus, dass die Impfung dort einen ähnlichen Effekt haben wird.

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO und die EU betonen die Bedeutung der Impfung in einem Strategiepapier beziehungsweise im Beating Cancer Plan. In beiden Dokumenten ist sie die Grundlage aller Bestrebungen, das Zervixkarzinom zu eliminieren. Dazu sollten laut WHO und EU mindestens 90 Prozent aller Mädchen vollständig geimpft werden, die EU fordert darüber hinaus, dass auch die Impfquote bei Jungen signifikant gesteigert wird. Wie aber lässt sich dieses Ziel für Deutschland erreichen?

Die WHO-Etappenziele auf dem Weg zur Elimination. 2030 sollen sie erreicht sein.

Die WHO-Etappenziele auf dem Weg zur Elimination. 2030 sollen sie erreicht sein.

© Springer Medizin Verlag

Prävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Professor Dr. Magnus von Knebel Doeberitz

Professor Dr. Magnus von Knebel Doeberitz

© Uni Heidelberg

Zielgruppe der HPV-Impfung sind gemäß STIKO-Empfehlung Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Sie machen sich verständlicherweise selbst noch keine ­Gedanken um ihre Gesundheit, das heißt, es ist zuvorderst die Aufgabe von Ärzten – soweit sie aufgesucht werden – und der Eltern, die Kinder und Jugendlichen an die Impfung ­heranzuführen. Abgesehen davon kann auch die Gesellschaft diesen Prozess unterstützen. So lassen Erfahrungen aus Ländern den Schluss zu, dass Kampagnen an Schulen sehr sinnvoll sind, um Impfquoten in die Höhe zu treiben.

Bei all der Kontroverse um eine solche Maßnahme sollten wir nicht aus den Augen verlieren, dass wir mit der HPV-Impfung eine einmalige Chance haben, heranwachsende Generationen vor HPV-assoziierten Krebserkrankungen zu schützen. Diese Gelegenheit zu nutzen heißt, die Vision Zero für bestimmte Krebserkrankungen Wirklichkeit werden zu lassen. Packen wir‘s an.

Professor Dr. Peter Hillemanns ist Direktor der Klinik für ­Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Medizinischen Hochschule Hannover

Professor Dr. Magnus von Knebel Doeberitz ist Ärztlicher ­Direktor der Abteilung für angewandte Tumorbiologie am ­Universitätsklinikum Heidelberg

IMPRESSUM

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Am Forsthaus Gravenbruch 5–7,

63263 Neu-Isenburg

Geschäftsführer: Fabian Kaufmann, Dr. Cécile Mack, Dr. Hendrik Pugge

V.i.S.d.P.: Denis Nößler

Redaktion: Hauke Gerlof, Kathrin Handschuh, Günter Löffelmann

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