Vision Zero Onkologie
Die Elimination des Zervixkarzinoms
Seit langem gibt es eine wirksame und sichere Option, dem Zervixkarzinom und anderen, durch das humane Papillomvirus HPV verursachten Tumoren vorzubeugen: die HPV-Impfung. Sie bietet eine einmalige Chance, die Vision Zero für bestimmte Krebsentitäten Wirklichkeit werden zu lassen.
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Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)
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Es ist eigentlich eine Binsenweisheit: vorbeugen ist besser als behandeln. Die sogenannte Primärprävention kann nicht nur großes individuelles Leid verhindern, sie ist auch gesamtgesellschaftlich sinnvoll – zum Beispiel, indem sie direkte und indirekte Krankheitskosten spart. Dieser Zusammenhang gilt auch und ganz besonders für Krebserkrankungen. Epidemiologen schätzen, dass rund ein Drittel aller Fälle allein durch einen gesunden Lebensstil vermeidbar wäre. Und gegen einige wenige infektionsbedingte Krebserkrankungen gibt es sogar eine Impfung - so etwa gegen jene, die durch das Humane Papillomvirus HPV verursacht werden. Epidemiologisch am bedeutsamsten sind dabei Zervixkarzinome, daneben lassen sich auch Penis-, Anal- sowie Mundhöhlenkarzinome auf Infektionen mit HPV zurückführen. Es sollte uns ein Anliegen sein, diese Erkrankungen bestmöglich zu verhindern.
Zum Beispiel das Zervixkarzinom

Professor Dr. Peter Hillemanns
© Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Hoher Impfschutz in Studien belegt
Professor Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg zeigte durch seine Forschungen ab den 1980er Jahren, dass Infektionen mit bestimmten HPV-Typen eine Reihe von Krebserkrankungen auslösen können. Auf Grundlage dieser Forschungen wurden schließlich zwei Impfstoffe gegen jene HPV-Typen entwickelt, die für die Karzinogenese die wichtigste Rolle spielen, und in den Jahren 2006 und 2007 in Deutschland eingeführt.
Anfänglich wurden diese Impfstoffe von der Bevölkerung sehr gut angenommen – bis eine Desinformationskampagne die Dynamik bremste. Die Folge: Heute ist gerade einmal die Hälfte der weiblichen Zielgruppe vollständig geimpft, in der männlichen Zielgruppe ist es ein verschwindend kleiner Prozentsatz. Dabei gelten alle im Rahmen der Desinformationskampagne geäußerten Einwände gegen die HPV-Impfung längst als widerlegt.
Die Impfung hat ein positives Sicherheitsprofil und ist gut wirksam. Gezeigt wurde dies beispielsweise für Krebsvorstufen im Zervikal- und Analbereich. Populationsbasierte Registerstudien belegen zudem, dass die HPV-Impfung auch das Zervixkarzinom selbst mit hoher Zuverlässigkeit verhindert. Bei den anderen HPV-assoziierten Tumorerkrankungen lässt sich dies bislang noch nicht eindeutig nachweisen, da sie deutlich seltener auftreten und es daher länger dauert, bis eine statistische Signifikanz der Ergebnisse erreicht ist. Kliniker gehen jedoch davon aus, dass die Impfung dort einen ähnlichen Effekt haben wird.
Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO und die EU betonen die Bedeutung der Impfung in einem Strategiepapier beziehungsweise im Beating Cancer Plan. In beiden Dokumenten ist sie die Grundlage aller Bestrebungen, das Zervixkarzinom zu eliminieren. Dazu sollten laut WHO und EU mindestens 90 Prozent aller Mädchen vollständig geimpft werden, die EU fordert darüber hinaus, dass auch die Impfquote bei Jungen signifikant gesteigert wird. Wie aber lässt sich dieses Ziel für Deutschland erreichen?

Die WHO-Etappenziele auf dem Weg zur Elimination. 2030 sollen sie erreicht sein.
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Prävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Professor Dr. Magnus von Knebel Doeberitz
© Uni Heidelberg
Bei all der Kontroverse um eine solche Maßnahme sollten wir nicht aus den Augen verlieren, dass wir mit der HPV-Impfung eine einmalige Chance haben, heranwachsende Generationen vor HPV-assoziierten Krebserkrankungen zu schützen. Diese Gelegenheit zu nutzen heißt, die Vision Zero für bestimmte Krebserkrankungen Wirklichkeit werden zu lassen. Packen wir‘s an.
Professor Dr. Peter Hillemanns ist Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Medizinischen Hochschule Hannover
Professor Dr. Magnus von Knebel Doeberitz ist Ärztlicher Direktor der Abteilung für angewandte Tumorbiologie am Universitätsklinikum Heidelberg
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