Primärversorgung
Sozialverband plädiert für nichtärztliche Angebote in der Versorgungssteuerung
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) sieht niedrigschwellige und nichtärztliche Beratungs- und Unterstützungsangebote als integrale Bestandteile eines Primärversorgungssystems an.
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Arzt oder nichtärztlicher Primärversorger? Mit der geplanten Neuordnung der hausärztlichen Versorgung könnten bislang klare Zuordnungen verschwimmen.
© Sebastian Kahnert/dpa
Berlin. Um die Zugangsmöglichkeiten zur hausärztlichen Versorgung zu verbreitern, sollten Praxisgründungen und Praxisübernahmen in unterversorgten Regionen unterstützt werden, fordert der 600.000 Mitglieder starke Sozialverband Deutschland in einem aktuellen Papier mit dem Titel „Primärversorgung neu gestalten“.
Der Verband warnt vor „verpflichtenden Einschreibesystemen“, die Hausarztzentrierte Versorgung wird in dem Papier nicht erwähnt. Das Papier wendet sich auch gegen jedwede Einschränkung der freien Arztwahl, gegen rein digitale Zugangswege zur Versorgung und die Verlagerung medizinischer Entscheidungen auf automatisierte Systeme.
„Für viele Menschen ist es schwierig, zeit- und wohnortnahe haus- oder fachärztliche Versorgung zu erhalten“, argumentiert der Verband. Wenn Menschen sich in einem „komplexen und schwer zugänglichen Gesundheitssystem“ nicht zurechtfänden oder ungeeignete Versorgungswege beträten, sei dies nicht die Ursache des Problems, sondern Ausdruck und Folge struktureller Defizite.
Eine Reform dürfe deshalb nicht bei zusätzlichen Steuerungsmechanismen stehenbleiben, sondern müsse die Komplexität, Zergliederung und die mangelnde Vernetzung der Versorgungsstrukturen selbst in den Blick nehmen.
Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung sind deutschlandweit rund 5000 Hausarztsitze nicht besetzt. Dieses Defizit nimmt der SoVD zum Anlass, für eine „konsequente interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen ärztlichen, nichtärztlichen sowie pflegerischen und therapeutischen Gesundheits- und Sozialberufen“ zu argumentieren.
Orientierung im Gesundheitssystem
In leicht zugänglichen Anlaufstellen sollten zusätzlich zu den Arztpraxen interprofessionelle Primärversorgungsteams von Physician Assistants (PA) und Community Health Nurses (CHN) sowie Angehörigen therapeutischer Berufe gemeinsam für „Orientierung im Gesundheitssystem, der bedarfsgerechten Einordnung gesundheitlicher Anliegen sowie der Koordination des weiteren Versorgungsprozesses“ sorgen. Helfen soll dabei ein standardisiertes Ersteinschätzungsverfahren.
Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD die Einführung eines „verbindlichen Primärarztsystems“ vereinbart. Die unlängst ins Kanzleramt verabschiedete Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wechselte im Laufe ihrer Amtszeit zum Begriff „Primärversorgungssystem“. Wo ihr Nachfolger im Amt, Carsten Linnemann, in dieser Frage steht, ist noch nicht bekannt.
Ein strukturiertes Ersteinschätzungssystem ist mit SmED zum Beispiel bei der Nummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, in Notarztpraxen und im Rettungsdienst im Einsatz. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat den Einsatz der Software empfohlen. (af)











